Februar 2026 Unispiegel digital
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Studierende, liebe ehemalige,
auf einer gemeinsamen Fahrt in einem Sonderzug von Mannheim nach Heidelberg haben die Vertreterinnen und Vertreter des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums, der Universität Heidelberg, des Universitätsklinikums Heidelberg, der Stadt Mannheim und des Universitätsklinikums Mannheim symbolisch die Verträge unterzeichnet, die den Verbund der beiden Universitätskliniken in Mannheim und Heidelberg besiegeln. Mit dem Verbund entsteht eines der größten Universitätsklinika Europas. Ich bin überzeugt davon, dass sich die Gründung des Klinikverbunds und die sich anschließende Fusion der Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim im kommenden Jahr als Meilenstein auf unserem Weg zu einem der weltweit besten Standorte in der Medizin und in den Lebenswissenschaften erweisen wird. Davon werden alle Aspekte der Universitätsmedizin profitieren, patientennahe Forschung, Lehre und Patientenversorgung. Mit dieser positiven Nachricht wünsche ich Ihnen allen ein gutes und ertragreiches Jahr 2026.
Prof. Dr. Frauke Melchior
Rektorin

Im Fokus
„Aus unserer Universität keine Festung machen“
Ein groß angelegter Angriff auf das Universitätsnetz hat im November die IT-Systeme der Universität Heidelberg erheblich belastet. Indem das Universitätsrechenzentrum (URZ) innerhalb kurzer Zeit Gegenmaßnahmen ergriffen hat, konnte die Attacke abgewehrt werden. Im Interview erläutert URZ-Direktor Prof. Dr. Vincent Heuveline, wie knapp die Ruperto Carola einem kompletten Systemausfall entgangen ist und wann mit einer Rückkehr zum Normalbetrieb zu rechnen ist. Zugleich warnt er vor weiteren, noch gravierenderen Angriffen, auf die sich die Universität gezielt vorbereiten muss.

Neuer institutioneller Rahmen für Forschung zu Umwelt und ökosozialer Transformation
Der interdisziplinäre Forschungsinkubator Heidelberg Center for the Environment (HCE) ist zum 1. Januar 2026 in eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung überführt worden. Damit unterstreicht die Universität Heidelberg ihren Willen, einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung von komplexen Umweltkrisen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Transformationsprozessen zu leisten. Kernaufgabe des HCE ist die Zusammenführung, Anbahnung und Durchführung interdisziplinärer Forschungsinitiativen zu Umweltforschung und ökosozialer Transformation. Das Zentrum wurde im Jahr 2011 gegründet und als zentrale Maßnahme im Rahmen der Exzellenzstrategie gefördert.

hei_INNOVATION als zentrale Betriebseinheit verankert
Die bislang im Rahmen der Exzellenzstrategie geförderte universitäre Transferagentur hei_INNOVATION wird als zentrale Betriebseinheit dauerhaft verankert und damit in eine langfristige Struktur überführt. Dies unterstreicht die strategische Ausrichtung der Universität Heidelberg, den Transfer als dritte Säule neben Forschung und Lehre weiter zu stärken und auszubauen. Der Senat der Universität hat der Satzung der neuen Struktur einschließlich der Einrichtung eines Transferbeirats in seiner Dezembersitzung zugestimmt.

Forschung
Mit KI die Evolution genetischer Kontrollelemente im Gehirn nachverfolgen
Mithilfe Künstlicher Intelligenz ist es möglich, die Evolution genetischer Kontrollelemente in dem sich entwickelnden Kleinhirn von Säugetieren nachzuverfolgen. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Biologinnen und Biologen der Universität Heidelberg sowie des Vlaams Instituut voor Biotechnologie und der KU Leuven (Belgien) hat dafür fortschrittliche KI-Modelle entwickelt. Sie sind in der Lage, die Aktivität dieser Elemente allein anhand ihrer DNA-Sequenz vorherzusagen. So konnten die Wissenschaftler die evolutionären Veränderungen in den Kontrollprogrammen nachvollziehen und dabei auch jene Elemente identifizieren, die spezifisch für die menschliche Entwicklungslinie sind.
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Wenn Künstliche Intelligenz eine stärkere emotionale Nähe erzeugt als der Mensch
Menschen können zu Künstlicher Intelligenz (KI) emotionale Nähe aufbauen, unter bestimmten Bedingungen sogar stärker als zu einem menschlichen Gegenüber. Das zeigen Untersuchungen, die Prof. Dr. Bastian Schiller vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg gemeinsam mit Kollegen der Universität Freiburg durchgeführt hat. Ein Gefühl von Nähe empfanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von zwei Online-Studien vor allem dann, wenn ihnen nicht bewusst war, dass sie mit einem KI-Chatbot kommunizierten. Als „sozialer Akteur“ besitzt KI damit großes Potential, aber es bedarf nach den Worten der Wissenschaftler klarer Leitlinien, um den missbräuchlichen Einsatz solcher Systeme zu verhindern.

Heidelbergs vergessene Opfer
Am Historischen Seminar der Ruperto Carola ist im Rahmen einer Masterarbeit eine Studie zu einem vernachlässigten Kapitel der Heidelberger Geschichte entstanden. Die Historikerin Diana Kail hat erforscht, wie das nationalsozialistische Zwangssterilisationsprogramm in Heidelberg umgesetzt wurde – eine Arbeit, die inzwischen auch als Buch erschienen ist. Das grausame Programm zielte darauf ab, Menschen, die als „erbkrank“ oder „minderwertig“ diffamiert wurden, durch staatlich angeordnete Eingriffe an der Fortpflanzung zu hindern, um die nationalsozialistische Ideologie einer vermeintlichen „rassischen Reinheit“ durchzusetzen. Im Zentrum der damaligen NS-Maßnahmen standen die sogenannten Erbgesundheitsgerichte. Auch die Universität spielte bei den Verfahren eine unrühmliche Rolle, wie Diana Kail im Interview erläutert.

Forschungsförderung
„Forschungswerkstatt“: Förderung für Heidelberger Nachwuchswissenschaftlerin
Um eine innovative Forschungsidee zu einem langfristig angelegten Forschungsprojekt auszuarbeiten, erhält Charlotte Blattner, aktuell Doktorandin am Heidelberg Center for Ibero-American Studies (HCIAS), eine Förderung der Baden-Württemberg Stiftung. Als Mitglied des am HCIAS angesiedelten Observatory of Spanish in Europe (OSE) will sie künftig die kommunikativen Sprachpraktiken des Spanischen im europäischen Migrationskontext untersuchen. Für die Ausarbeitung ihres Forschungsvorhabens erhält sie im Rahmen des Programms „Die Forschungswerkstatt – Deine Idee für Morgen“ über einen Zeitraum von zwölf Monaten Fördermittel in Höhe von rund 100.000 Euro.

Studium
Mentor:innen-Tandems für Erststudierende gesucht
Studierende zu fördern, die als Erste in ihrer Familie den Weg an die Universität finden, ist Ziel des New Potentials Programms von UNIFY, der zentralen Einrichtung der Universität Heidelberg für Familie, Vielfalt, Gleichstellung und Antidiskriminierung. Dafür finanziert UNIFY bis zu zehn Hiwi-Stellen für Erststudierende aus nicht-akademischen Elternhäusern mit einer Laufzeit von einem Jahr. Zwischen dem 1. und 30. April ist die Bewerbung als New Potentials Tandem (Professor:in gemeinsam mit einem/einer wissenschaftlichen Mitarbeiter:in) möglich. Die Tandems begleiten Studierende aus dem eigenen Fach, die eine Hiwi-Stelle am entsprechenden Institut erhalten.

Universitätsbibliothek lädt ein zur „Langen Nacht der Hausarbeiten“
Schreibprojekte brauchen manchmal neuen Schwung – genau das bietet die „Lange Nacht der Hausarbeiten“: Am 19. Februar 2026 lädt die Universitätsbibliothek Heidelberg von 17 bis 22 Uhr Studierende aller Fachrichtungen ein, sich Unterstützung und Motivation fürs Schreiben zu holen. Bereits zum 13. Mal findet das beliebte Format statt – vor Ort in den Räumen der Bibliothek und online per Live-Stream. Neben Beratungen, Kursen und Schreibworkshops steht in diesem Jahr die Freude am Schreiben im Mittelpunkt. Den Eröffnungsvortrag hält Dr. Frank-Hagen Hofmann von der Psychosozialen Beratung des Studierendenwerks Heidelberg; er spricht über Schreibmotivation und wie sie sich (wieder) wecken lässt.

„Chinesisch war die Herausforderung, die ich gebraucht habe“
Einen außergewöhnlichen Erfolg auf internationaler Bühne hat Eva-Anne Kirst erzielt: Als erste deutsche Teilnehmerin gewann die 24-Jährige das Weltfinale des Sprachwettbewerbs „Chinese Bridge“, der inoffiziell als Chinesisch-Weltmeisterschaft gilt. Eva-Anne Kirst, die Ostasienwissenschaften mit Schwerpunkt Sinologie an der Universität Heidelberg studiert hat, setzte sich in der Endrunde gegen 154 Studierende aus mehr als 130 Ländern durch. Im Interview berichtet sie, wie ihre Faszination für die chinesische Sprache entstand und wie sie sich im Finale durchsetzen konnte.

Auf dem Campus
Eröffnung des neuen Hörsaal- und Lernzentrums audiMAX
Das neue Hörsaal- und Lernzentrum audiMAX der Universität Heidelberg wird am Donnerstag, 16. April 2026, auf den Campus Im Neuenheimer Feld feierlich eröffnet. Der von der Klaus Tschira Stiftung errichtete Gebäudekomplex setzt ein Zeichen für modernes, zukunftsorientiertes Lehren und Lernen. Er bietet Raum für große Lehrveranstaltungen, flexible Lernformate und Begegnungen über Fächergrenzen hinweg. Unter dem Titel heiCOLLECTIONS wird im Foyer des audiMAX zudem ein Schaufenster für die universitären Sammlungen und Museen eingerichtet. Darin werden im Rahmen einer kleinen Wechselausstellung – analog und digital – vielseitige Einblicke in die Welt der wissenschaftlichen Exponate ermöglicht.

Ideenwettbewerb 2026 für Forschungsergebnisse mit Anwendungspotenzial
Innovative Ideen und Forschungsergebnisse mit großem Verwertungs- oder Veränderungspotenzial sind beim Ideenwettbewerb 2026 der Universität Heidelberg gesucht. Mitglieder der Ruperto Carola können Projekte in einer von zwei Kategorien einreichen: „Gesundheit und Zukunftstechnologien“ sowie „Impact Innovation“. Bewerbungsschluss des Wettbewerbs von hei_INNOVATION, der Transferagentur der Universität, ist der 15. März 2026. Vorgestellt und prämiert werden die besten Ideen während des diesjährigen IMPACT DAY, der am Mittwoch, 20. Mai 2026, stattfinden wird.

VERANSTALTUNGSTIPPS
Collegium Musicum präsentiert geistliches Vokalwerk und Sinfonie von Antonín Dvořák
Antonín Dvořáks Messe in D-Dur sowie seine 8. Sinfonie werden in zwei Konzerten an der Universität Heidelberg zu hören sein. Dazu lädt zum Abschluss des Wintersemesters das Collegium Musicum – das Universitätsorchester und der Universitätschor – am 7. und 8. Februar 2026 in die Aula der Neuen Universität, Grabengasse 3-5, ein. Das Programm verbindet ein schlicht gehaltenes geistliches Vokalwerk des tschechischen Komponisten mit einer seiner groß angelegten sinfonischen Kompositionen. Die musikalische Leitung hat Universitätsmusikdirektor Michael Sekulla.

Universität lädt zu Vergabe des Marie-Luise Jung-Preises
Mit dem Marie-Luise Jung-Preis wird zum vierten Mal eine herausragende Masterabsolventin der Universität Heidelberg in den Biowissenschaften gewürdigt. Die von der Universität gemeinsam mit der Verfassten Studierendenschaft und dem Doktorandenkonvent initiierte Auszeichnung wird von der Fakultät für Biowissenschaften verliehen; sie erinnert an die bei einer Amoktat im Jahr 2022 getötete Biologiestudentin Marie-Luise Jung, deren ausdrücklicher Wunsch es war, einen Weg in die Wissenschaft an der Universität Heidelberg einzuschlagen. Die akademische Feier zur Preisverleihung findet am Dienstag, 21. April 2026, in der Aula der Alten Universität, Grabengasse 1, statt. Beginn ist um 17 Uhr.



