Sprachwettbewerb „Chinesisch war die Herausforderung, die ich gebraucht habe“
4. Februar 2026
Heidelberger Studentin Eva-Anne Kirst hat den internationalen Sprachwettbewerb „Chinese Bridge“ gewonnen
Einen außergewöhnlichen Erfolg auf internationaler Bühne hat Eva-Anne Kirst erzielt: Als erste deutsche Teilnehmerin gewann die 24-Jährige das Weltfinale des Sprachwettbewerbs „Chinese Bridge“, der inoffiziell als Chinesisch-Weltmeisterschaft gilt. Eva-Anne Kirst, die Ostasienwissenschaften mit Schwerpunkt Sinologie an der Universität Heidelberg studiert hat, setzte sich in der Endrunde gegen 154 Studierende aus mehr als 130 Ländern durch. „Chinese Bridge“ wird jährlich vom Center for Language Education and Cooperation ausgerichtet. Die Veranstaltung mit tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählt international zu den größten Sprachwettbewerben. Im Interview berichtet Eva-Anne Kirst, wie ihre Faszination für die chinesische Sprache entstand und wie sie in China im vergangenen Jahr beim Finale, das als Gameshow ausgetragen und im Fernsehen gezeigt wurde, ruhig bleiben konnte.

Chinesisch gilt als eine der am schwersten erlernbaren Sprachen der Welt. Sie dürfen sich nun Weltmeisterin in dieser Sprache nennen. Wie kam es zu dieser Begeisterung?
Eva-Anne Kirst: Schon in der Schulzeit habe ich mich für Ostasien interessiert; ich habe Karate gemacht und mir japanische Animes und chinesische Kung Fu-Filme angeschaut. Meine Mutter hat mich dann auf das Angebot eines Chinesisch-Sprachkurses beim Freiburger Konfuzius-Institut hingewiesen. Das war mit einer zweiwöchigen Bildungsreise nach China verbunden. Ich war sofort Feuer und Flamme und habe mir gedacht: „Wenn du das lernen kannst, schaffst du alles andere auch.“ Chinesisch war einfach die Herausforderung, die ich gebraucht habe. Da war ich 16 Jahre alt.
Wie haben Sie die Sprache nach dem Kurs weiter gelernt?
Eva-Anne Kirst: Chinesisch wurde sozusagen mein Hobby, noch vor Ende meiner Schulzeit. Ich habe viel in meiner Freizeit gelernt – mit Apps, später mit Büchern und Serien mit chinesischen Untertiteln. Die Schriftzeichen haben mich besonders fasziniert, weil sie ein ganz anderes System als unsere Buchstaben sind. Aus diesem Interesse heraus habe ich dann 2021 auch mein Studium der Ostasienwissenschaften in Heidelberg begonnen, mit Sinologie als Schwerpunkt.
Der „Chinese Bridge“-Wettbewerb verlief in zwei Phasen – zunächst die deutsche Qualifikation und dann der internationale Entscheid in China. Wie war das jeweils?
Eva-Anne Kirst: Beim deutschen Vorentscheid in München musste ich Fragen zu Sprache, Kultur und Sehenswürdigkeiten beantworten, eine dreiminütige Rede auf Chinesisch halten und eine künstlerische Darbietung mit Bezug zu China zeigen: Ich habe ein chinesisches Lied gesungen. Beim Vorentscheid wusste ich, dass ich Chancen hatte, zu gewinnen – auch, weil ich mich nur gegen 13 andere durchsetzen musste. In China sind wir dann erst einmal zwei Wochen durch das Land gereist, zwischendurch gab es immer wieder Prüfungen wie schriftliche Tests zu Hörverständnis und Grammatik, wir mussten eine Rede über eine chinesische Sehenswürdigkeit schreiben und auswendig vortragen. Aus jedem Kontinent wurden die Besten für die Top 30 ausgewählt. Da ich dazugehörte, durfte ich auch die dritte Woche bleiben und an weiteren Wettbewerben in Pingtan teilnehmen. Ich konnte vom Viertel- ins Halbfinale einziehen und wurde europäische Finalistin.
Wie verlief das Finale?
Eva-Anne Kirst: Das Finale wurde – wie auch das Viertel- und Halbfinale – in einem Fernsehstudio in Pingtan ausgetragen, in Form einer Gameshow. Die Aufgaben waren unterschiedlich: Wir mussten zum Beispiel Wissensfragen beantworten oder innerhalb eines Tages 50 vorgegebene Sprichwörter auswendig lernen. Da war nicht viel Zeit für anderes außer zu lernen, zu proben, zu schlafen und zu essen. Zum Glück bin ich auch unter Druck ruhig geblieben. Beim Finale der besten Fünf habe ich eine badische Tracht aus meinem Heimatort Eichstetten getragen – und gewonnen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mit einem Platz unter den Top 30 wäre ich total zufrieden gewesen, zumal einige Teilnehmer ein besseres Sprachniveau hatten als ich.
Als Preis erhalten Sie ein Stipendium für ein Masterstudium in China im Bereich „Chinesisch als Fremdsprache“. Wann und wo werden Sie dieses antreten?
Eva-Anne Kirst: Ende Oktober 2025 habe ich meine Bachelorarbeit zum Thema „Chinesisches Ringen“ abgegeben. Das Stipendium ist ein Geschenk und eine große Chance für mich. Ein Auslandsstudium so weit entfernt von der Heimat muss aber gut überlegt und geplant sein. 2023 war ich ja schon einmal für meinen Auslandsaufenthalt im Rahmen des Sinologiestudiums zehn Monate in Peking. Ich überlege, ob ich mich für den Master an der Peking Universität oder Tsinghua bewerben soll, die beide als hervorragende Universitäten bekannt sind. Momentan halten mich noch andere Gründe in Deutschland und so werde ich das Stipendium vermutlich 2027 oder 2028 antreten.
Der „Chinese Bridge“-Wettbewerb wird seit 2002 jährlich vom Center for Language Education and Cooperation – einer Kulturorganisation, die dem chinesischen Bildungsministerium untersteht – ausgetragen und besteht aus zwei Phasen: den Vorrunden in den einzelnen Ländern und dem Finale in China.