Philosophische FakultätAssyriologie

Studierende des Faches Assyriologie (Altorientalistik) beschäftigen sich mit der Kultur von Sumerern, Babyloniern, Assyrern und Hethitern in ihrer beeindruckenden Vielfalt.

Die Assyriologie (bzw. altorientalische Philologie) befasst sich mit den Hochkulturen des alten Vorderasiens und ihren Sprachen, ihrer Geschichte, Religion, Wissenschaft, Literatur, Wirtschaft, Gesellschaft und ihrem Recht. Der Schlüssel zu den Sprachen und Kulturen des Alten Orients ist die Keilschrift. Das Keilschriftsystem entstand im südlichen Mesopotamien, also im Gebiet zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris im heutigen Irak, im ausgehenden 4. Jahrtausend vor Christus. Die Keilschrift war über drei Jahrtausende das vorherrschende Schriftsystem Vorderasiens und diente mehreren Sprachen als Ausdruckmittel: dem Sumerischen und Akkadischen in Mesopotamien, dem Hethitischen in Anatolien, dem Elamischen im Iran und anderen. Um die Zeitwende wurde die Keilschrift von der aramäischen und der griechischen Schrift verdrängt. Die altorientalischen Kulturen gingen im hellenistischen Orient auf. Durch ihren großen Einfluss auf die griechisch-römische und christlich-jüdische Kultur haben sie jedoch Weltbild, Religionen und Wissenschaften der Gegenwart mitgeprägt.

Besonderheiten und Merkmale

Die Universität Heidelberg zählt zu den ersten Universitäten Deutschlands, die die Notwendigkeit erkannten, die Assyriologie in das Fächerspektrum der Universität aufzunehmen. Bereits 1894 wurde der erste Assyriologe (Carl Bezold [1859–1922]) nach Heidelberg berufen. Heute ist die Abteilung Assyriologie mit zwei Professuren (Professur für Assyriologie; Professur für Assyriologie mit dem Schwerpunkt Sumerologie) und der Stelle einer Akademischen Rätin bzw. eines Akademischen Rats ausgestattet. Sie ist in das Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients eingebunden, in dem es außerdem eine Abteilung für Semitistik und eine Abteilung für Islamwissenschaft gibt.

Die Abteilung Assyriologie verfügt nicht nur über eine der weltweit besten Bibliotheken für Altorientalistik, sondern auch über wissenschaftlich bedeutsame Sammlungen. Die Uruk-Warka-Sammlung beispielsweise verfügt über etwa 2000, nur zum Teil erforschte, Keilschrifttafeln, welche die mehr als dreitausendjährige Schriftgeschichte des Alten Orients veranschaulichen.

Forschung

Die Assyriologie ist ein sehr lebendiger Ort der Forschung und der wissenschaftlichen Begegnung: sie beheimatet die Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften „Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur“ und ist in den Sonderforschungsbereich 933 („Materiale Textkulturen“) eingebunden, sowie der Standort für eine ganze Reihe weiterer Forschungsvorhaben. Hier studieren angehende Gelehrte aus der ganzen Welt. Hier entstehen darüber hinaus Dissertations- und Habilitationsschriften aus dem gesamten Bereich der Altorientalistik.

Berufsfelder

Da ein einheitliches Berufsbild des Assyriologen oder der Assyriologin nicht existiert, ergeben sich die Berufsmöglichkeiten aus der Schwerpunktsetzung innerhalb des Fachs (Akkadisch, Sumerisch, Hethitisch) einerseits und der Wahl der Begleitfächer andererseits. In der Regel führt das Hauptfachstudium der Assyriologie zu einer akademischen Laufbahn an einem Universitäts- oder Forschungsinstitut im In- oder Ausland. Eine Promotion und gegebenenfalls eine Habilitation sind hierfür erforderlich. Außerhalb der Universität finden Absolventinnen und Absolventen der Assyriologie Beschäftigung in Museen, in Bibliotheken, im Verlagswesen, im diplomatischen Dienst, bei Presse, Funk, Fernsehen und bei Unternehmen für Studienreisen.

Insights

In der Assyriologie beschäftigt man sich mit Hochkulturen des Alten Orients und erforscht werden Tontafeln, die es seit etwa 3200 vor Christus gibt und von denen Tausende noch nicht studiert oder systematisch untersucht wurden. Dabei ist Assyriologie ein sehr junges, spannendes und internationales Fach und die Heidelberger Institutsbibliothek sehr gut ausgestattet.

Ali Al-Magasees, 28, Assyriologie, Ph.D.

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