Veranstaltungsreihe Vortrag: Wann werden Bürger zu guten Demokraten?
Pressemitteilung Nr. 68/2026
25. Juni 2026
In der Ruperto Carola Ringvorlesung spricht Thomas Maissen über demokratische Gebilde der europäischen Vormoderne
Unter welchen Bedingungen werden Bürgerinnen und Bürger zu Demokratinnen und Demokraten? Und wie können politische Theorie und historische Vorbilder helfen, demokratische Modelle zu entwickeln, die widerstandsfähig sind gegen autoritäre Anfechtungen und ökonomische Krisen? Diesen Fragen geht der Heidelberger Historiker Prof. Dr. Thomas Maissen in einem Vortrag nach. Sein Beitrag ist Teil der Ruperto Carola Ringvorlesung „Wehrhafte Demokratie – Resilienz, Sicherheit, Verteidigung“, zu der die Universität Heidelberg in diesem Sommersemester einlädt. Die Veranstaltung „Können arme Bürger gute Demokraten sein? Historische Erfahrungen für aktuelle Herausforderungen“ mit Prof. Maissen findet am Montag, 29. Juni 2026, in der Aula der Alten Universität statt; Beginn ist um 18.15 Uhr.

Die Ausbreitung von demokratischen Verfassungen seit dem 19. Jahrhundert und vor allem nach 1989 ist für den Referenten keine zwangsläufige Entwicklung hin zu politischer Emanzipation und Freiheit. Er sieht in der Demokratisierung vielmehr eine „Gegenleistung“ für einen immer stärkeren Zugriff staatlicher Institutionen auf das Individuum. Insbesondere in der europäischen Vormoderne befürchtete man weithin, dass Bürger sich nur so lange als gute Demokraten erweisen würden, als sie sich durch politische Partizipation materiellen Nutzen erhoffen konnten. Ausgerechnet in armen, peripheren Regionen bewiesen einige demokratische Gemeinwesen nach den Worten von Prof. Maissen jedoch erstaunliche Widerstandsfähigkeit – so etwa die Landsgemeinden in der alpinen Schweiz, die nicht nur bis in die Zeit der Französischen Revolution, sondern als staatliche Gebilde bis heute überdauert haben. Ob solche historischen Erfahrungen Antworten auf aktuelle Herausforderungen für demokratische Gesellschaften liefern können, ist Thema des Vortrags. Thomas Maissen ist Professor für Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Dort forscht er unter anderem zur Geschichte des politischen Denkens in der europäischen Vormoderne.
Die Ruperto Carola Ringvorlesung ist Teil eines Konzepts von Fokusthemen. Damit will die Universität Heidelberg zweimal jährlich gesellschaftlich relevante Forschungsfragen in unterschiedlichen Formaten an die breite Öffentlichkeit herantragen. In der aktuellen Reihe befassen sich Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven mit den vielschichtigen Herausforderungen, vor denen Demokratien heute stehen. Anliegen der Ringvorlesung ist es, mit der interessierten Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über die Zukunft unseres demokratischen Zusammenlebens nachzudenken.
Der Veranstaltung mit Prof. Maissen folgen zwei weitere Vorträge mit Heidelberger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Sie sprechen über die Bedeutung von Demokratiebildung in migrationsdiversen Gesellschaften und die verfassungsrechtlichen Grundlagen der wehrhaften Demokratie. Die Veranstaltungen finden montags in der Aula der Alten Universität statt. Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr. Aufzeichnungen der Beiträge sind zu einem späteren Zeitpunkt abrufbar auf heiONLINE, dem zentralen Portal der Universität Heidelberg mit Vorträgen, Diskussionsrunden und Veranstaltungen in digitalen Formaten.