Veranstaltungsreihe Film- und Vortragsreihe: Heimatfilm transnational
15. Oktober 2026
Veranstaltungsreihe des Instituts für Europäische Kunstgeschichte und des Romanischen Seminars befasst sich mit dem Thema Zugehörigkeit
Mit Fragen der Zugehörigkeit befasst sich die Film- und Vortragsreihe „Heimatfilm transnational“, zu der das Institut für Europäische Kunstgeschichte und das Romanische Seminar der Universität Heidelberg im Wintersemester 2026/2027 einladen; Kooperationspartner ist das GLORIA-Filmkunsttheater. Die insgesamt fünf Veranstaltungen werden jeweils von einem Vortrag und einem Publikumsgespräch begleitet und wenden sich insbesondere auch an die breite Öffentlichkeit. Zum Auftakt am 21. Oktober 2026 steht mit „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ (2026) das aktuelle Drama von Regisseur Volker Schlöndorff auf dem Programm. Den Impulsvortrag hält der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Malte Hagener von der Universität Marburg.

Deutsche Heimatfilme werden schnell mit idyllischen Panoramen von grünen Wäldern, hochalpinen Landschaften oder blühenden Heideflächen in Verbindung gebracht. Vielseitigere Perspektiven eröffnet ein transnationales Verständnis, das Heimat nicht als vermeintlich selbstverständliche Größe begreift, sondern als etwas Bewegliches und auch Widersprüchliches, wie Dr. Alexandra Vinzenz und Prof. Dr. Daniel Winkler hervorheben. Sie haben die Film- und Vortragsreihe gemeinsam mit Prof. Dr. Henry Keazor konzipiert. Heimat, so die Wissenschaftler, entsteht aus Beziehungen zwischen Menschen und Orten, wird erinnert und imaginiert, kann verloren gehen und neu gefunden, aber auch verweigert werden. Den Spannungsfeldern aus Aufbruch und Ankunft, Fremdheit und Vertrautheit, Ausgrenzung und Gemeinschaft widmet sich die Film- und Vortragsreihe „Heimatfilm transnational“ aus unterschiedlichen historischen und geografischen Perspektiven.
Die Heimsuchung – hier verstanden als Suche nach einem Heim und dem Ausgeliefertsein gegenüber einem Schicksalsschlag – steht im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung am 21. Oktober. Es folgt eine Vorführung von Roberto Rossellinis Film „Stromboli – Terra di Dio“ (1950), der am 4. November zu sehen ist. Darin wird eine aus Litauen stammende Geflüchtete mit einer neuen „Heimat“ konfrontiert, die ihr fremd und verschlossen bleibt. Über Flucht, Zugehörigkeit und eine „gescheiterte Beheimatung“ spricht in ihrem einleitenden Vortrag Prof. Dr. Beate Ochsner von der Universität Konstanz. Piel Jutzis in Heidelberg-Schlierbach gedrehter Western „Feuerteufel“ (1920) erzählt von Auswanderung, Entwurzelung und familiärer Entfremdung. Er wird am 9. Dezember gezeigt. Mit dem Neckartal als imaginierter amerikanischer Fremde, in der „Heimat“ filmisch wie geografisch transnational wird, befasst sich in seinem Impulsvortrag der Heidelberger Lokal- und Filmhistoriker Jo-Hannes Bauer.
Der Frage, wer man ist, wohin man gehört und wie viel Abweichung eine von historischen Verletzungen geprägte Gemeinschaft aushält geht die Regisseurin Evi Romen nach. Am 16. Dezember wird ihr Drama „Hochwald“ (2020) gezeigt, in dem ein junger Mann auf der Suche nach sich selbst aus der Enge seines Herkunftsortes ausbricht und schließlich dorthin zurückkehrt. Den Abschluss der Reihe bildet am 21. Januar 2027 eine Vorführung von Xavier Dolans Drama „Mommy“ (2014). Darin erscheint „Heimat“ nicht als geografischer Ort, sondern als fragile emotionale Konstellation aus Nähe, Fürsorge, Konflikt und dem Wunsch nach einem anderen Leben. Sie spiegelt sich in der schwierigen Beziehung zwischen einer alleinerziehenden Mutter und ihrem verhaltensauffälligen Sohn. Die Romanistin Prof. Dr. Dagmar Schmelzer von der Universität Regensburg führt in den Film ein.
Die Film- und Vortragsreihe „Heimatfilm transnational“ ist Teil des Projekts „Visuelle Chiffren von Heimat in Bildender Kunst, Literatur und Film“, das im Sonderforschungsbereich 1671 „Heimat(en)“ der Universität Heidelberg angesiedelt ist. Die Veranstaltungen finden jeweils mittwochs im GLORIA-Filmkunsttheater, Hauptstraße 146, in Heidelberg statt; Beginn ist um 18.00 Uhr. Tickets sind zu elf Euro (ermäßigt neun Euro) erhältlich, Studierende zahlen acht Euro. Für Filme mit Überlänge wird ein Zuschlag erhoben.