Interdisziplinäre Diskussionsrunde Marsilius kontrovers: „Der vermessene Mensch“
Pressemitteilung Nr. 96/2026
17. September 2026
Interdisziplinäre Diskussionsrunde befasst sich mit den Grenzen von medizinischer Diagnose, Prävention und Selbstoptimierung
Die Möglichkeiten, den menschlichen Körper zu vermessen, wachsen stetig – und mit ihnen die Hoffnung, Gesundheit immer besser zu verstehen, vorherzusagen und gezielt zu beeinflussen. Über Chancen und Grenzen der Quantifizierung des Menschen diskutieren die Medizinerin Prof. Dr. Claudia Denkinger, die Historikerin Prof. Dr. Stefanie Gänger, der Theologe Prof. Dr. Thorsten Moos und der Biophysiker Prof. Dr. Ulrich Schwarz. Die Podiumsdiskussion „Der vermessene Mensch. Zwischen medizinischer Diagnose, Prävention und Selbstoptimierung“ ist Teil der Reihe „Marsilius kontrovers“, zu der das Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg in Kooperation mit der Rhein-Neckar-Zeitung einlädt. Die Veranstaltung am 24. September 2026 findet im Hörsaal des Marsilius-Kollegs, Im Neuenheimer Feld 130.1, statt und beginnt um 19 Uhr. Zusätzlich werden ein Livestream und eine Simultanübersetzung auf Englisch angeboten.

Die Geschichte der Medizin ist eng mit ihren Messverfahren verbunden – vom Fiebermessen über Blutanalysen bis zur Auswertung genetischer Daten. Heute machen Smartwatches und weitere digitale Geräte Körperdaten auch im Alltag verfügbar und zum Instrument der Selbstoptimierung. Was bedeutet diese Entwicklung für unser Verständnis von Gesundheit? Und wie zuverlässig und sinnvoll sind die gewonnenen Daten? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion fragen nach den Chancen und Herausforderungen der Vermessung des Menschen und danach, wie sie die Gesellschaft und unser Menschenbild verändert. Das Publikum ist eingeladen, sich in die Diskussion einzubringen.
Claudia Denkinger ist Ärztliche Direktorin am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiterin der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin; sie forscht zu Diagnose, Risikobestimmung und Prävention von Infektionskrankheiten. Am Historischen Seminar der Ruperto Carlo beschäftigt sich Stefanie Gänger unter anderem mit der Geschichte der Fieberkrankheiten. Thorsten Moos ist Wissenschaftler am Theologischen Seminar und Leiter des Camilla-und-Georg-Jellinek Zentrum für Ethik der Universität Heidelberg. Die mathematische Modellierung biologischer Systeme ist Forschungsthema von Ulrich Schwarz, der am Institut für Theoretische Physik und am BioQuant-Zentrum tätig ist. Moderiert wird die Veranstaltung von den beiden Direktoren des Marsilius-Kollegs, der Theologin Prof. Dr. Friederike Nüssel und dem Genomforscher Prof. Dr. Michael Boutros.
Das Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg ist darauf ausgerichtet, ausgewählte Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Wissenschaftskulturen zusammenzuführen und damit den forschungsbezogenen Dialog zwischen Geistes-, Rechts- und Sozialwissenschaften einerseits und den Natur- und Lebenswissenschaften andererseits zu fördern. Die in Zusammenarbeit mit der Rhein-Neckar-Zeitung veranstaltete Reihe „Marsilius kontrovers“ verfolgt das Ziel, gesellschaftlich relevante Fragen der interdisziplinären Forschung stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.
Die aktuelle Diskussionsveranstaltung ist zugleich Teil der Marsilius-Akademie „Feel the Heat: Science and Histories of Fever“, die vom 20. bis 25. September an der Universität Heidelberg stattfindet. Sie vereint Perspektiven aus den Lebens- und Naturwissenschaften sowie den Geisteswissenschaften, um die Vielschichtigkeit des Themas Fieber aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Der Livestream der Podiumsdiskussion „Der vermessene Mensch. Zwischen Diagnose, Prävention und Selbstoptimierung“ wird über die Internetseite des Marsilius-Kollegs abrufbar sein.