Förderpreise Heidelberger Akademie der Wissenschaften prämiert junge Forscher
26. Juni 2026
Eine Biowissenschaftlerin und zwei Historiker der Ruperto Carola mit Förderpreisen ausgezeichnet
Eine Biowissenschaftlerin und zwei Historiker der Ruperto Carola wurden von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für herausragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Einen Preis für ihre Forschung zum Malaria-Erreger erhielt Dr. Franziska Hentzschel. Privatdozent Dr. Christian A. Neumann wurde für seine Habilitationsschrift „Alte Herrscher des Mittelalters: Könige, Dogen und Päpste“ prämiert. Einen weiteren Preis erhielt Joey Rauschenberger für seine Dissertation, in der er sich mit Entschädigungsverfahren für Sinti und Roma nach der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat. Die Akademie hat in diesem Jahr insgesamt acht Förderpreise an exzellente junge Forscherinnen und Forscher in Baden-Württemberg vergeben.
Den mit 15.000 Euro dotierten Otto-Schmeil-Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der biologischen und medizinischen Forschung erhielt Dr. Franziska Hentzschel. Die Biowissenschaftlerin erforscht, wie sich die Vermehrung des Malaria-Erregers verhindern lässt. Dabei entdeckte sie, dass der Malaria-Erreger eine besondere Variante des Proteinkomplexes Arp2/3 besitzt. Der Komplex spielt eine entscheidende Rolle bei der Verteilung des Erbguts in den sich entwickelnden männlichen Geschlechtszellen des Parasiten in der Mücke. Besonders bedeutsam ist die Erkenntnis, dass Plasmodien ohne diesen Komplex in einem frühen Entwicklungsstadium absterben. Die Forschungsergebnisse eröffnen neue Ansatzpunkte, um den Lebenszyklus des Malaria-Erregers gezielt zu unterbrechen. Dr. Hentzschel ist Wissenschaftlerin an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und leitet eine Arbeitsgruppe in der Abteilung Parasitologie am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Privatdozent Dr. Christian A. Neumann hat den mit 10.000 Euro dotierten Manfred-Fuchs-Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Baden-Württemberg erhalten. In seiner Habilitationsschrift untersucht er das hohe Alter und den Alterungsprozess mittelalterlicher Herrscher als vielschichtiges Phänomen im Spannungsfeld von Natur und Kultur. Für die Analyse hat er einen neuen interdisziplinären Ansatz entwickelt, der an der Schnittstelle zwischen historischer Mediävistik und moderner Gerontologie liegt, die „Gerontomediävistik“. Damit werden zwei sehr verschiedene Wissenschaftstraditionen miteinander verbunden, um neue empirische Erkenntnisse zu gewinnen, diese theoretisch zu fundieren und gerontologische Konzepte am vormodernen Material zu prüfen. Eine zentrale Frage ist, inwiefern das Lebensalter politisches Handeln und Herrschaftspraxis beeinflusste. Analysiert werden unterschiedliche Altersdiskurse, darunter medizinische Vorstellungen, Konzepte des idealen Herrschaftsalters, narrative Darstellungen alternder Herrscher sowie deren konkreter Umgang mit dem eigenen Altern. Privatdozent Dr. Neumann ist Akademischer Rat auf Zeit am Historischen Seminar der Universität Heidelberg.

Der Manfred Lautenschläger-Preis im Bereich Geistes- und Kulturwissenschaften, der ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert ist, wurde an Joey Rauschenberger für seine an der Forschungsstelle Antiziganismus der Ruperto Carola entstandene Dissertation vergeben. Die Arbeit untersucht am Beispiel Baden-Württembergs erstmals umfassend die Entschädigung von Sinti und Roma in der Bundesrepublik. Sie zeichnet dabei ein deutlich differenzierteres Bild als bislang angenommen: Die große Mehrheit der Antragstellenden erhielt Zahlungen, die häufig substanziell ausfielen. Zugleich werden in der Studie die Verfahren in ihren administrativen Kontexten verortet. Dabei wird deutlich, wie alltägliche Interaktionen, Erwartungen, Vorurteile und situative Entscheidungen die konkrete Umsetzung und Wahrnehmung von Wiedergutmachung prägten. Diese Erfahrungen überlagerten dabei nicht selten die tatsächlich geleisteten Entschädigungen. Joey Rauschenberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Heidelberg.
Mit den Auszeichnungen sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase ermutigt und in ihrer Forschung unterstützt werden. Die acht Preise mit einer Gesamtsumme von 85.000 Euro wurden im Rahmen der Jahresfeier der Heidelberger Akademie der Wissenschaften am 20. Juni 2026 in der Aula der Alten Universität Heidelberg verliehen.