Ruperto Carola Ringvorlesung Resilienz demokratischer Systeme – Deutschland im internationalen Vergleich
15. Juni 2026
Liberale Demokratien stehen weltweit unter erheblichem Druck. Autoritär-populistische Kräfte gewinnen an Einfluss, politische Polarisierung nimmt zu, und digitale Öffentlichkeiten erschweren die demokratische Meinungsbildung. Diese Entwicklungen werfen auch für Deutschland die Frage auf, wie widerstandsfähig demokratische Systeme gegenüber Krisen, Erosionsprozessen und autoritären Herausforderungen sind. Der Vortrag untersucht das Konzept der demokratischen Resilienz und fragt, warum manche Demokratien Belastungen erfolgreich bewältigen, während andere demokratische Qualität verlieren oder sogar scheitern. Demokratische Resilienz wird dabei als Prozess verstanden, der auf dem Zusammenspiel institutioneller, parteipolitischer, gesellschaftlicher und normativer Ressourcen sowie Mechanismen demokratischer Selbstverteidigung, Selbstkorrektur und Anpassung beruht. Anhand vergleichender Beispiele aus Europa, Nordamerika und Asien werden unterschiedliche Muster demokratischer Resilienz analysiert. Vor diesem Hintergrund bewertet der Vortrag die Resilienz der Bundesrepublik im internationalen Vergleich und diskutiert, welche Herausforderungen und Stärken die deutsche Demokratie gegenwärtig prägen.
Aurel Croissant
Aurel Croissant ist seit 2006 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Heidelberg. Zuvor war er Assistant Professor an der Naval Postgraduate School in Monterey (USA). Er ist affiliiert mit der Ewha Womans University und der Sogang University (beide in Seoul, Korea), der National Taiwan University sowie der Chulalongkorn University (Thailand). Er ist Fellow der CAPRI Foundation, der Taiwan Foundation for Democracy, der National Endowment for Democracy sowie des East-West Center Honolulu. Er ist Mitglied der wissenschaftlichen Beiräten der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), des Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), der Sustainable Governance Indicators (SGI) sowie des Bertelsmann Transformation Index (BTI). Seit 2012 ist er Chefredakteur der Fachzeitschrift Democratization.
Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der vergleichende Autoritarismus- und Autokratisierungsforschung, zivil-militärische Beziehungen, Demokratisierungs- und Demokratieforschung sowie die vergleichende Politikwissenschaft Ost- und Südostasiens. Seine Forschungsergebnisse sind in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen in deutscher, englischer, indonesischer, russischer und spanischer Sprache dokumentiert. Aktuell hat er die Ko-Leitung in zwei deutsch-koreanischen Forschungsprojekten zu Demokratischer Resilienz.