Kunst und Wissenschaft Science and Art Residency: Theater trifft Physik
13. Mai 2026
Autorin Sarah Calörtscher im Dialog mit der quantenphysikalischen Forschung des SFB 1225 ISOQUANT
Wie sich komplexe quantenphysikalische Konzepte mithilfe von künstlerischen Perspektiven für die breite Öffentlichkeit erfahrbar machen lassen, zeigt ein neues Werk der Schweizer Autorin, Dramaturgin und Musikerin Sarah Calörtscher. Als Artist-in-Residence am Sonderforschungsbereich 1225 „Isolierte Quantensysteme und Universalität unter extremen Bedingungen“ (SFB ISOQUANT) der Universität Heidelberg hat sie sich intensiv mit zentralen Prinzipien der Quantenmechanik auseinandergesetzt. Die Ergebnisse dieser Science and Art Residency in Kooperation mit dem Nationaltheater Mannheim sind in ein szenisches Werk eingeflossen, das Kunst und Wissenschaft miteinander verbindet. Es wird am 16. Mai 2026 in einer ersten Lesung der Öffentlichkeit präsentiert.

Für ihre künstlerische Recherche verbrachte Sarah Calörtscher sechs Monate als Gast des SFB 1225 ISOQUANT in Heidelberg, um im Dialog mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern neue Perspektiven auf aktuelle Fragen der physikalischen Grundlagenforschung zu erschließen. Aus diesem Austausch ist das szenische Werk „Die Physikerinnen – weit weg vom Gleichgewicht“ entstanden. Darin übersetzt die Autorin quantenphysikalische Konzepte wie Überlagerung, Unschärfe, Verschränkung, Beobachtung und Kollaps in theatrale Denkfiguren. Ihre Arbeit knüpft an Friedrich Dürrenmatts Drama „Die Physiker“ an und führt dessen Frage nach der ethischen Verantwortung von Wissenschaft aus einer feministischen Perspektive und im Kontext aktueller Debatten – etwa über die Rückkehr zur Atomkraft – in die Gegenwart weiter.
Die szenische Lesung aus „Die Physikerinnen – weit weg vom Gleichgewicht“ findet am 16. Mai 2026 im Studio Werkhaus des Nationaltheaters Mannheim statt. Im Anschluss diskutiert Sarah Calörtscher mit Dramaturgin Franziska Betz und Prof. Dr. Matthias Bartelmann, Theoretischer Astrophysiker an der Universität Heidelberg, über die Begegnung von Kunst und Quantenphysik. Im Mittelpunkt ihres Gesprächs steht die Frage, wie theatrale Formen wissenschaftliche Ideen erfahrbar machen können. Beginn der Veranstaltung ist um 20.00 Uhr; Tickets sind über die Webseite des Nationaltheaters erhältlich.

Sarah Calörtscher studierte zunächst Musik und Bewegung sowie anschließend Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste (Schweiz). Sie arbeitet als Autorin, Dramaturgin und Musikerin oft an der Schnittstelle dieser Felder. In ihren literarischen Stücken, die unter anderem am Deutschen Theater in Berlin, am Luzerner Theater (Schweiz) sowie am Staatstheater Nürnberg uraufgeführt wurden, verknüpft sie wissenschaftliche und philosophische Themen mit Fundstücken aus den Randbereichen des Internets.
Mit den Science and Art Residencies will der SFB 1225 ISOQUANT eine nachhaltige Plattform für den Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft etablieren. Betreut und weiterentwickelt wird das Programm von Tina Kuka, Koordinatorin des Sonderforschungsbereichs, gemeinsam mit den Wissenschaftskommunikatorinnen Dr. Lisa Ringena und Ursula Schöllkopf. Zu den bisherigen Absolventen gehören der Leipziger Fotograf Philip Kanwischer, die ukrainisch-niederländische Künstlerin Alexandra Hunts sowie aktuell die Installationskünstlerin Elisa Storelli.