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Das „Fremde“ im Film Entfremdung als Subversion

  • Date in the past
  • Wednesday, 10. December 2025, 18:00
  • GLORIA-Kino, Hauptstraße 146, 69117 Heidelberg
    • Prof. Dr. Henry Keazor, Universität Heidelberg, Institut für Europäische Kunstgeschichte

Orson Welles Film „The Stranger“ weist – jenseits des bereits bezeichnenden Titels – eine Vielzahl von Beziehungen zur Thematik dieser Reihe auf: So ist das Werk selbst das Produkt eines Entfremdungsprozesses zwischen Hollywood und dem Regisseur – Welles reagiert auf vorherige Kritik, indem er mit diesem Film indirekt zu beweisen versuchte, dass er entsprechend der Bedingungen des Systems funktionieren könne. Zugleich handelt der Film selbst von Entfremdungen, die sowohl das Verhältnis der Figuren untereinander prägen, als auch das Idyll einer amerikanischen Kleinstadt unterwandern und traumatisieren. Außerdem bezieht „The Stranger“ der eigenen Spielfilm-Gattung strenggenommen „fremdes“ Dokumentarmaterial mit ein.

Das „Fremde“ im Film

Film

The Stranger (USA, 1946, Orson Welles, OmU)
95 Min., Film Noir

Ticketinformationen

Tickets zu 11 Euro (regulär), 9 Euro (ermäßigt) und 8 Euro (für Studierende) sind beim GLORIA-Kino erhältlich.

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Film- und Vortragsreihe

„Fremdheit“ ist ein Begriff, der aktuell in vielen politischen Debatten verwendet wird. Dabei wird er von der einen Seite immer wieder als Begründung für betriebene Ausgrenzung genutzt, von der anderen Seite hingegen zur Bezeichnung einer häufig dadurch bedingten Leidenserfahrung beklagt. Tatsächlich jedoch kann Fremdheit darüber hinaus noch sehr viele andere, vielschichtige Dimensionen aufweisen: Moralische Fremdheit wird empfunden, wenn unterschiedliche Werte und Normen aufeinandertreffen. Sie kann wiederum zu einer Entfremdung selbst zwischen sich scheinbar zunächst nahestehenden Menschen führen. Genauso wie physische Fremdheit eine Grenze zwischen dem vertrauten „Eigenen“ und dem vermeintlich „Anderen“ ziehen kann: Vertrautes kann so plötzlich fremd wirken. Diese Grenze zwischen Vertrautem und Anderem prägt auch die Idee einer kulturellen Fremdheit, bei der Sprache, Zeichen, Praktiken und Denkweisen als außerhalb des eigenen Erfahrungshorizonts liegend wahrgenommen werden. Gerade hier zeigt sich die produktive Seite des „Fremden“, denn es provoziert dazu, sich der Deutungsmuster bewusst zu werden, welche die eigene Identität prägen. Es kann dazu anregen, Überschneidungen, Parallelen oder Möglichkeiten der Bereicherung bei einer Begegnung der Kulturen zu erkennen: Das Fremde bedeutet nicht zwingend nur statische Distanz, sondern es kann bei näherer Begegnung zunehmend vertraut werden. Fremdheit ist mithin nicht ausschließlich als Defizit und Herausforderung zu begreifen, sondern auch als Chance, da durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden eigene Routinen in Frage gestellt und neue Perspektiven gewonnen werden können.

Die Reihe „Das ,Fremde' im Film“ verhandelt die verschiedenen Facetten einer dynamischen Wahrnehmung des Fremden anhand einer Auswahl von Filmen, in denen das Phänomen einer moralischen Fremdwerdung („The Stranger“) ebenso Thema ist wie die Chancen, die sich bei einer Erfahrung des Fremden auftun („Lost in Translation“, „Sweet Rabbit”). Diese Aspekte ebenso wie der Blick auf die möglichen Konsequenzen von Ausgrenzung („Im Land dazwischen“, „Obervogelsang“, „The Exhibition“, „District 9“) werden dabei an einer Vielfalt von Werken präsentiert, die ältere wie neuere Spiel-, Dokumentar-, Kurz-, und Animationsfilme umfassen. Begleitet werden die Vorführungen von einleitenden Vorträgen, abschließenden Publikumsdiskussionen sowie Gesprächen mit einzelnen Regisseur:innen.

Zu der Film- und Vortragsreihe lädt das Institut für Europäische Kunstgeschichte (IEK) der Universität Heidelberg in Kooperation mit dem GLORIA-Kino – Filmkunst in Heidelberg ein. Die Filmvorführungen mit Vortrag und Publikumsgespräch finden im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs 1671 „Heimat(en): Phänomene, Praktiken, Darstellungen“ statt. Organisator:innen sind Prof. Dr. Henry Keazor und Dr. Alexandra Vinzenz vom IEK.