Philosophische FakultätGräzistik/Klassische Philologie

Studierende der Gräzistik beschäftigen sich mit dem Altgriechischen aus literatur- und sprachwissenschaftlicher Perspektive. Auch die Kulturgeschichte des antiken Griechenlands ist für das Verständnis der überlieferten Texte von Bedeutung.

Die Zuständigkeit der Griechischen Philologie endet zeitlich an der Schwelle zum Mittelalter, etwa im 6. Jahrhundert nach Christus. Für die Methoden des Faches sind zwei Fragestellungen wichtig, die sich wechselseitig ergänzen: die historische und die literarische. Die historische Fragestellung hat das Ziel, einen Text, seine Entstehung und seine Wirkung aus den Bedingungen seiner Zeit zu begreifen. Diese Fragestellung verbindet die Griechische Philologie mit anderen Altertumswissenschaften, insbesondere der Alten Geschichte, der Klassischen Archäologie und der Indogermanistik. Mit ihnen zusammen verfolgt sie das Ziel, die Kultur des griechisch-römischen Raumes in der Antike zu erschließen. Die literarische Untersuchung konzentriert sich auf den Text an sich, seine Form, seinen Aussagegehalt und seine stilistisch-ästhetischen Qualitäten. Sie stellt die Verbindung mit den anderen philologischen Fächern her, die in ihren Gebieten analoge Sachverhalte erforschen. Der Bezug der Griechischen Philologie zur Gegenwart ist für den Sinn des Faches selbst und des Studiums wesentlich.

Besonderheiten und Merkmale

Das leitende Interesse der Heidelberger Klassischen Philologie ist die textbasierte sprach-, kultur- und literaturwissenschaftliche Theoriebildung. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Studium der Fortwirkung der antiken Texte in der modernen Welt.

Studierende des Bachelorstudiengangs Griechische Philologie erhalten entsprechend Einblicke in:

  • die Griechische Literaturwissenschaft, die sich aus literatur- und kulturhistorischer Perspektive mit der gesamten griechischen Literatur von Homer bis Heliodor auseinandersetzt.
  • die Griechische Sprachwissenschaft, die sich unter systematischen und historischen Gesichtspunkten der formalen Beschreibung der Texte widmet, besonders der Erklärung des sprachtheoretischen Denkens der Griechen, aber auch der Rhetorik, der Erzählforschung, der Prosodik und Metrik, der Textkritik und Editionsphilologie.

Forschung

Die Heidelberger Griechische Literaturwissenschaft setzt sich in der Forschung mit einer Vielzahl von Autoren, von Homer bis Heliodor, auseinander; einen Schwerpunkt legt sie auf das Epos, die Geschichtsschreibung, den Roman und die antike Literaturkritik. Dabei verfolgt sie ein starkes Interesse an gegenwärtiger Literaturtheorie, nicht zuletzt an narratologischen, phänomenologischen und kognitionswissenschaftlichen Ansätzen.

Die Sprachwissenschaft widmet sich unter anderem dem sprachtheoretischen Denken der Griechen; auch ist sie mit der Erforschung der prosodisch-metrischen Gesetzmäßigkeiten griechischer Dichtung befasst. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Editionsphilologie und Textkritik.

Berufsfelder

Ein Großteil der Studierenden entscheidet sich für das Studium der Gräzistik, um dieses Fach als Lehrerin oder Lehrer an einem Gymnasium zu unterrichten. Neben einer Tätigkeit an der Schule gibt es aber noch weitere Berufsfelder für Gräzistinnen und Gräzisten: Es besteht die Möglichkeit, nach Beendigung des Studiums zu promovieren und als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler im Bereich Forschung und Lehre an einer Universität zu arbeiten. Auch sind Bibliotheken, (Schulbuch-)Verlage oder Museen weitere Tätigkeitsfelder. Die überfachlichen Kompetenzen, die beim Studium der Gräzistik erworben werden (z.B. Fähigkeit zur Einarbeitung in neue Themengebiete, Kombinationsfähigkeit) qualifizieren die Absolventinnen und Absolventen aber auch zu Tätigkeiten in Bereichen wie Unternehmensberatung oder Organisationsmanagement.

Insights

Eine abenteuerlich fremde Welt voller Sinnlichkeit und lebendiger Gottheiten eröffnete mir das Studium der griechischen Philologie. Den besonderen Reiz dieses Fachs macht für mich die zeitliche und kulturelle Distanz zu Tagespolitik und zeitgenössischer Polemik aus, mit der menschliche Grundfragen nach dem rechtmäßigen Handeln und der Möglichkeit von Erkenntnis verhandelt werden. Die Heidelberger Gräzistik wird geprägt durch die große Nähe des jungen Lehrkörpers zu maßgeblichen angloamerikanischen Forschungsansätzen wie der Narratologie und auch durch herausragende Semestervorträge international renommierter Professoren.

Tobias Hirsch, 24, Klassische Philologie, 8. Semester Lehramt

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