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Adina Mitschele Zwischen Bibliothek und Bühne

Adina Mitschele balanciert Jura-Examen und Musikkarriere

Porträt Adina Mitschele

»Erfolg ist kein Selbstzweck. Erfolg wird dich nie final glücklich machen.« Adina Mitschele studiert Jura an der Universität Heidelberg und baut gleichzeitig ihre Karriere als Musikerin auf. Die 27-Jährige balanciert zwei Welten: Examensvorbereitung und Plattenvertrag, Bibliothek und Bühne. An einem grauen Vormittag im September sitzt sie mit ihrem »Habersack« – dem Standardwerk der Sammlungen deutscher Gesetze – in ihrer Heidelberger Wohnung und lernt für ihr erstes Staatsexamen. Noch vor wenigen Monaten stand sie beim Vorentscheid »Chefsache ESC 2025« auf der Bühne.

Adina Mitschele gehört zu den 24 Künstlerinnen und Künstlern, die die Chance hatten, Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest zu vertreten. Mit ihrem Mashup von Phil Collins’ »In the Air Tonight« begeisterte sie das Publikum und schaffte es bis in die zweite Show. Auch wenn sie das Finale nicht erreichte, hat sie wertvolle Erfahrungen mitgenommen: »Es ist wichtig, zu hundert Prozent bei sich zu bleiben und den eigenen Wert in sich selbst zu festigen, anstatt über äußeren Erfolg.« Für Adina war das Ausscheiden kein Ende, sondern vielmehr ein Anfang. Ihre Gesangskarriere hat sich seitdem nicht nur fortgesetzt, sondern eine ganz neue Dynamik gewonnen. Es folgten weitere Auftritte, etwa beim Macher-Festival im August.

Bemerkenswert ist ihr jüngster Song ›Spürst du das auch?‹ mit dem österreichischen Musiker Alexander Eder, dessen Musik sie sehr schätzt. Er hatte ihr den Song geschickt, sie war sofort begeistert – so entstand schließlich die gemeinsame Aufnahme. »Es haben sich immer Türen geöffnet«, beschreibt Adina Mitschele ihre bisherige musikalische Laufbahn. Die Präsenz auf Social Media ist für sie dabei selbstverständlicher Teil ihres künstlerischen Berufs, auch wenn die ständige Inszenierung nicht immer einfach ist: »TikTok ist Reichweite, Instagram meine Visitenkarte.«

Was für andere unvereinbar klingt, Jura und Popmusik, fügt sich für Adina zu einem stimmigen Bild: »In der Musikindustrie geht es ständig um Verträge. Das passt erstaunlich gut zusammen.« Wer mit ihr spricht, merkt schnell: Disziplin ist ihr Schlüssel zum Erfolg. Früh um sechs Uhr beginnt ihr Lerntag. Bis elf Uhr widmet sie sich juristischen Kommentaren und Fallbüchern, danach geht es ans Songwriting. Auch unterwegs bleibt sie konsequent. Ob in Zügen, Flugzeugen oder Hotelzimmern, überall wird gelernt. Während des ESC-Vorentscheids sei der Lernplan allerdings ins Wanken geraten. Dennoch hält sie an ihrem Ziel fest, im kommenden Jahr die Examensarbeit zu schreiben. Für das Referendariat erwägt sie, einen Musikrechtsanwalt zu begleiten, um so einen möglichen juristischen Karriereweg innerhalb der Musikszene einzuschlagen. Ihr akademisches Profil ist ohnehin breit angelegt: Neben dem Jurastudium in Heidelberg hat sie parallel einen Bachelor in Philosophie absolviert und ihre Abschlussarbeit über den ontologischen Gottesbeweis verfasst.

Musik ist schon seit frühester Kindheit Teil ihres Lebens. Mit vier Jahren beginnt Adina, Geige zu spielen, und mit 16 entdeckt sie die Popmusik für sich, ausgelöst durch den Tod ihres großen Idols Michael Jackson. Ihre Musikkarriere nimmt Fahrt auf, als ein Produzent aus Mannheim – Teil der »Söhne Mannheims« – auf sie aufmerksam wird. Der entscheidende Wendepunkt kommt jedoch in der Coronazeit. Damals beginnt Adina, ihre Texte selbst zu schreiben, um einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen zu gewinnen. 2022 erhält sie schließlich einen Plattenvertrag und veröffentlicht ihre ersten eigenen Songs.

In der Musikindustrie geht es ständig um Verträge. Das passt erstaunlich gut zusammen.

Adina Mitschele

Heute, vier Jahre und fünf Singles später, lebt sie von ihrer Musik. Dafür fährt sie häufig an den Wochenenden nach Berlin, um ihre Songs aufzunehmen. Immer wieder rät man ihr, nach Berlin zu ziehen, um im Zentrum der deutschen Musikindustrie präsenter zu sein. Doch Adina bleibt bewusst in Heidelberg. Sie mag es überschaubar, nahbar und bodenständig, auch weil ihre Familie in der Region lebt und ihr eine große Unterstützung ist. Dabei ist Adina Mitschele auch international bereits unterwegs gewesen. Als Sängerin von Coverbands trat sie in den USA, in Brasilien und in Albanien auf. Besonders eindrücklich war für sie das Konzert in Brasilien, wo sie vor 35.000 Menschen an einem Strand singen durfte.

In ihren Texten verarbeitet Adina Themen, die sie bewegen. Einer ihrer letzten eigenen Songs mit dem Titel »Angst« handelt von Verlust und Overthinking – einem Zustand, in dem die Gedanken endlos kreisen. »Mit Musik konserviert man Gefühle und bringt sie den Menschen zurück ins Herz«, sagt sie. Besonders berührend sei für sie, wenn das Publikum sich in ihren Texten wiederfindet. Diese Momente bestärken sie auf dem Weg, der vor ihr liegt. Zu ihren Zielen zählen eine eigene Tour, ein Album und eine Chartplatzierung.

Bis es so weit ist, setzt sie auch künftig auf kleine Schritte, klare Lernpläne und viel Sport wie Akrobatik und Tanzen. »Struktur ist mein Coping-Mechanismus«, erklärt sie. Und doch, bei allem Ehrgeiz und aller Disziplin, hält sie inne und betont: »Ich darf jetzt schon an vielen Träumen teilhaben.«

Der Text wurde verfasst von Maja Laue

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