Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation Nature Marsilius Gastprofessur

Die im Wintersemester 2018/2019 eingerichtete Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation ist eine gemeinsame Initiative von Holtzbrinck Berlin, der Klaus Tschira Stiftung (KTS) und der Ruperto Carola.

Mit Förderung der KTS werden ausgewiesene Experten an die Universität Heidelberg eingeladen, um in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten zu vermitteln, was eine qualitativ hochwertige Berichterstattung über wissenschaftliche Arbeit und wissenschaftliche Erkenntnisse ausmacht. Zugleich sollen sie eine breit angelegte Diskussion über neue Formen des Austauschs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anstoßen.

Mit der Einrichtung der Gastprofessur möchten die drei Partner das Bewusstsein für die stark gewachsene Bedeutung von Wissenschaftskommunikation schärfen. Die Gastprofessur soll einen Beitrag dazu leisten, angesichts einer immer komplexer werdenden Forschungslandschaft die gesellschaftliche Teilhabe an der Gestaltung von Zukunft durch Wissenschaft zu ermöglichen.

Als Gastprofessor:innen werden Persönlichkeiten berufen, die für exzellente Wissenschaftskommunikation und Qualitätsjournalismus stehen. Neben der Förderung dieser Bereiche sollen Nachwuchswissenschaftler:innen darin geschult werden, ihre Forschung und ihre Forschungsergebnisse besser an die Öffentlichkeit zu vermitteln. Angesiedelt ist die „Nature Marsilius Gastprofessur“ am Marsilius-Kolleg der Ruperto Carola, eine Einrichtung der Exzellenzuniversität, die interdisziplinäre Brücken zwischen den Wissenschaftskulturen am Standort Heidelberg fördert.

Dreizehnte Nature Marsilius Gastprofessur: Katharina von Ruschkowski

Katharina von Ruschkowski arbeitet als freie Autorin und Wissenschaftsjournalistin. Sie schreibt über Artenschutz und Anatomie, über Züchtungstechniken und Ötzi – für Erwachsene und Kinder. Sie studierte Journalistik, Geschichte und ein bisschen Physik in Dortmund und Bochum. Volontariat beim WDR in Köln. Von 2006 bis 2016 war sie Redakteurin für das Kinderwissensmagazin GEOlino und verantwortete zuletzt als Redaktionsleiterin die „Extra-hefte“. Seit 2016 arbeitet sie freiberuflich als Journalistin – und als Bio-Bäuerin. Katharina von Ruschkowski hat mit ihrem Mann den Familienhof in Ostwestfalen übernommen und auf Ökolandbau umgestellt, um nicht nur Besserwisserin, sondern auch Bessermacherin zu sein. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus.

Porträt Katharina von Ruschkowski

Fireside-Chat

Das Kamingespräch im Rahmen der 13. Nature Marsilius Gastprofessur findet am Montag, den 7. Dezember 2026, gemeinsam mit Kollegiat:innen des Marsilius-Kollegs statt.

Öffentlicher Vortrag

STADT-LAND-MÄRCHEN
ODER: WIE MAN FERNE ZIELGRUPPEN WIEDER ERREICHT

Mittwoch, 20.1.2027, 19:00 Uhr, Saal des Marsilius-Kollegs, Im Neuenheimer Feld 130.1, 69120 Heidelberg

Von der Stadt aus betrachtet, scheint das Land oft weit weg - auch für Kommunikatoren. Die Stadt-Land-Dichotomie ist uralt und in vielen Punkten auch nicht von der Hand zu weisen. In der Mediennutzung etwa zeigt sich das Gefälle deutlich. Auch in der Skepsis Eliten und „den Medien“ gegenüber. Das hat sehr viele Gründe. Einer dieser Gründe ist, dass das sogenannte „Land“ nicht gesehen wird – zumindest nicht so, wie es wirklich ist. Dass die Menschen selten gehört werden, jedenfalls nicht mit ihren eigentlichen Herausforderungen und Leistungen. 

Medienleute, selbst Wissenschaftler und damit ausgerechnet Menschen, die für ihre Neugier und Offenheit bezahlt werden, halten sich verblüffend oft an Klischees und überholten Erzählungen fest. Denn die Provinz, wo etwa die Hälfte der Deutschen lebt, ist keineswegs ein abgelegener, abgehängter, apolitischer Raum. Im Gegenteil: Viele drängende Themen wie Natur- und Klimaschutz, Ernährung, Energiewende bündeln sich gerade auf dem Land und werden auch dort entschieden. Trotzdem wird noch immer viel über die Menschen geschrieben und für sie entschieden – statt mit ihnen. Das sorgt für Frust und Skepsis, mit der es sich alle Seiten zu leicht machen.

Wissenschaftsjournalistin Katharina von Ruschkowski kennt die Stadt und das Land. In Ihrem Vortrag spricht sie über heikle Voreinstellungen, eigene Bias-Probleme – und warum gerade Wissenschaftsjournalist:innen immer wieder eigene Bilder und Eitelkeiten überprüfen sollten. Für sie ergibt sich daraus eine Regel, die weit über die Stadt-Land-Erzählung hinausgreift: Wer gehört werden will, muss nicht nur laut rufen – sondern das Gespräch suchen. 

Nature Marsilius Gastprofessur Vortrag von Ruschkowski

Kurse

KURS 1: INTERAKTIVES SEMINAR

Wenn Wissen(-svermittlung) Jobs schafft 

Dienstag, 01.12.2026, 09:00 – 13:00 Uhr 
INF 130.1, Hörsaal, EG – Marsilius-Kolleg

Zielgruppe: Masterstudierende, Doktorand:innen, Postdocs
Teilnehmer:innen: 30 
Zeitrahmen: 4 Stunden
Kurssprache: Deutsch

Journalisten, Influencer, Museums-Pädagogen, Pressesprecher, Science-Slammer: Es gibt mittlerweile viele Jobs, in denen Menschen Wissenschaft einem breiteren Publikum vermitteln. Was macht den Job der Wissenschaftsjournalistin aus – gerade in dieser Zeit, in der bloßes Erklären zunehmend von KI übernommen wird? Was prägt die anderen Berufe? Und wäre einer davon der richtige für mich? Das Seminar gibt ehrliche Einblicke ins Berufsfeld Wissenschaftsjournalismus – mit vielen Stimmen, Tipps und Tricks aus anderen Wissens-Gewerken. 

KURS 2: WORKSHOP (ZWEITEILIG) 

„Wo ist die Geschichte?“ - 
Wie präsentiere ich Forschung so, dass Journalist:innen sich dafür interessieren?

Donnerstag, 03.12.2026, 10:00 – 12:00 Uhr (Teil 1)
Donnerstag, 10.12.2026, 09:00 – 13:00 Uhr (Teil 2)
INF 130.1, Seminarraum 2, 1. OG – Marsilius-Kolleg 

Zielgruppe: Doktorand:innen, Postdocs, Professor:innen, Wissenschaftskommunikator:innen
Teilnehmer:innen: 15 
Zeitrahmen: Teil I 2 Stunden; Teil II 4 Stunden
Kurssprache: Deutsch 

Das Paper mit den Ergebnissen jahrelanger Arbeit ist raus, in einem renommierten Fachblatt, und es wird innerhalb der Wissenschaftscommunity viel zitiert. Doch Journalistinnen und Journalisten interessieren sich kaum dafür. Sie sehen „die Geschichte“ nicht. In den meisten Fällen könnten Sie auch die liefern. Wissenschaft bringt nie nur Entdeckungen oder Ergebnisse hervor, sondern eben auch: Forschungsgeschichten. Vorausgesetzt: Forschende geben Einblicke in das, was ihren Alltag doch auch und vor allem prägt: Zweifel, Rückschläge, Neuansetzen, Weitermachen – mit ungewissem Ausgang. Solche Geschichten vermitteln bewiesenermaßen nicht nur Wissen, sondern auch Verständnis für die Wissenschaft. Dieser Workshop will eine Brücke zu schlagen zwischen Wissenschafts- und Medienlogik. Nach einer Einführung in Alltag und Arbeitsweisen des Wissenschaftsjournalismus im ersten Teil des Workshops wollen wir im zweiten Teil nach Ihren Geschichten suchen. 

KURS 3: WORKSHOP

„Ich bräuchte nur `nen kurzen O-Ton“
Was passiert, wenn Journalist:innen anfragen

Dienstag, 08.12.2026, 10:00 – 12:00 Uhr 
INF 130.2, PlusPunkt Saal

Zielgruppe: Doktorand:innen, Postdocs, Professoren
Teilnehmer:innen: 30 
Zeitrahmen: 2 Stunden
Kurssprache: Deutsch

Die Anfrage eines Journalisten, einer Journalistin ploppt in Ihrem E-Mail-Postfach auf. Was tun? Einerseits ist es eine Chance, sich selbst und die eigene Arbeit sichtbar zu machen. Andererseits gilt: Wer sich raus, gar eine These wagt, kann angegriffen, missverstanden, auch fasch wiedergegeben werden. Was also erwartet Sie mit einer Medienanfrage? Welche Vorbereitung, welche Vorabsprachen sind wichtig, damit Sie und ihre Themen richtig ankommen? Was sollten Sie „liefern“, was dürfen Sie im Vor- wie im Nachhinein auch fordern? Um solche Fragen geht es in diesem Workshop.

Kurs 4: Workshop (zweiteilig) 

Nicht Kinderkram, sondern Königsdisziplin: 
Wissensvermittlung für Kinder 

Montag, 11.01.2027, 10:00 – 12:00 Uhr (Teil 1)
Montag, 18.01.2027, 09:00 – 13:00 Uhr (Teil 2)
INF 130.1, Seminarraum 2, 1. OG – Marsilius-Kolleg

Zielgruppe: Masterstudierende, Doktorand:innen, Postdocs
Teilnehmer:innen: 15 
Zeitrahmen: Teil I 2 Stunden; Teil II 4 Stunden
Kurssprache: Deutsch

Wissen an Kinder zu vermitteln, ist ganz leicht und ganz schwer zugleich. Jungen und Mädchen sind neugierig und offen. Sie lassen sich für vieles begeistern – vorausgesetzt, es gelingt, das Thema mit ihrer Lebenswelt und ihrem Wissensstand zu verknüpfen. Wenn es gelingt zu vereinfachen, ohne zu verfälschen, zugewandt, ohne anbiedernd zu sein, spielerisch zu schreiben, aber nicht kindisch. Das alles sind Qualitäten, die guten Wissenschaftsjournalismus an sich aus machen. Kinderjournalismus ist darum eine verkannte Königsdisziplin und eine gute Schule. Der Workshop bietet Best-Practise-Beispiele – und zugleich Gelegenheit, die eigene Forschung einfach spannend zu beschreiben. Denn solche Texte sprechen längst nicht nur Kinder an. 

Kurs 5: Workshop

Schreib‘s einfach auf!
Schreib- und Stilübungen 

Donnerstag, 14.01.2027, 09:00 – 13:00 Uhr 
INF 130.1, Seminarraum 2, 1. OG – Marsilius-Kolleg

Zielgruppe: Bachelor-, Masterstudierende, Doktorand:innen, Postdocs
Teilnehmer:innen: 20 
Zeitrahmen: 4 Stunden
Kurssprache: Deutsch

Forschende können so vieles. Einfach und verständlich schreiben, nicht in jedem Fall – was wiederum verständlich ist:  In der Forschung ist es wichtig, immer, alles, möglichst präzise und korrekt zu benennen. Im Journalismus ist das zwar auch ein Ideal, bloß darf man dabei die Rezipient:innen nicht verlieren. Wie schafft man es, verständlich zu sein? Wie findet man den Ton, der zur eigenen Forschung und zu einem selbst passt? Ein Experimentierlabor, das viel Raum bietet für mutiges Ausprobieren, fürs An- und Ablegen von Schreibregeln, für handfeste Tipps und viele Spielerein. 

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