Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation Nature Marsilius Gastprofessur

Die im Wintersemester 2018/2019 eingerichtete Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation ist eine gemeinsame Initiative von Holtzbrinck Berlin, der Klaus Tschira Stiftung (KTS) und der Ruperto Carola.

Mit Förderung der KTS werden ausgewiesene Experten an die Universität Heidelberg eingeladen, um in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten zu vermitteln, was eine qualitativ hochwertige Berichterstattung über wissenschaftliche Arbeit und wissenschaftliche Erkenntnisse ausmacht. Zugleich sollen sie eine breit angelegte Diskussion über neue Formen des Austauschs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anstoßen.

Mit der Einrichtung der Gastprofessur möchten die drei Partner das Bewusstsein für die stark gewachsene Bedeutung von Wissenschaftskommunikation schärfen. Die Gastprofessur soll einen Beitrag dazu leisten, angesichts einer immer komplexer werdenden Forschungslandschaft die gesellschaftliche Teilhabe an der Gestaltung von Zukunft durch Wissenschaft zu ermöglichen.

Als Gastprofessor:innen werden Persönlichkeiten berufen, die für exzellente Wissenschaftskommunikation und Qualitätsjournalismus stehen. Neben der Förderung dieser Bereiche sollen Nachwuchswissenschaftler:innen darin geschult werden, ihre Forschung und ihre Forschungsergebnisse besser an die Öffentlichkeit zu vermitteln. Angesiedelt ist die „Nature Marsilius Gastprofessur“ am Marsilius-Kolleg der Ruperto Carola, eine Einrichtung der Exzellenzuniversität, die interdisziplinäre Brücken zwischen den Wissenschaftskulturen am Standort Heidelberg fördert.

Zwölfte Nature Marsilius Gastprofessur: Leonid Klimov

Leonid A. Klimov arbeitet als Redakteur und Produzent von Medienprojekten an der Schnittstelle von Wissenschaft und Journalismus. Nach Studium und Promotion in Kultur- und Literaturwissenschaft in Sankt Petersburg absolvierte er ein weiteres Masterstudium in Kultur- und Medienmanagement in Hamburg. Seit 2015 ist er Redakteur beim Online-Magazin dekoder.org. Dort konzipiert und produziert er in Kooperation mit Forschungsinstituten komplexe multimediale Formate (Grimme Online Award 2021, Nominierung 2024). Zudem war er Fellow an der Hamburg Media School (Journalism Innovators Program) sowie am MediaLab Bayern (Future of News) und lehrte Wissenschaftskommunikation an Universitäten in Berlin, Basel und St. Gallen.

Porträt Leonid Klimov

Fireside-Chat

Den Auftakt der 12. Nature Marsilius Gastprofessur bildet ein Kamingespräch mit Kollegiat:innen des Marsilius-Kollegs am Montag, 27. April 2026.

Öffentlicher Vortrag

Freude an der Komplexität, oder warum wir die Wissenschaftskommunikation (radikal) neu denken müssen

Dienstag, 16. Juni 2026, 19:00 Uhr, Saal des Marsilius-Kollegs, Im Neuenheimer Feld 130.1, 69120 Heidelberg

Komplexität hat einen schlechten Ruf: Komplexe Sachverhalte sind schwer greifbar, und ihre Lösungen liegen nicht auf der Hand. Gleichzeitig sind viele Dinge, die wir schätzen, komplex. Womöglich schätzen wir sie nicht gerade deshalb, weil sie komplex sind. Doch ihre Komplexität macht sie zu dem, was wir schätzen. Ein Beispiel: die Demokratie. Sie ist verdammt anstrengend.

Doch wir leben in einer Welt, in der Komplexität von vielen Seiten reduziert wird. Dabei geht es nicht nur um Populismus mit seinen simplen Narrativen oder um gezielte Desinformation. Vieles deutet darauf hin, dass die etablierten Mechanismen des intellektuellen Wissenstransfers allein nicht (mehr) in der Lage sind, ein belastbares und zugleich differenziertes Bild der ebenso komplexen Realität zu vermitteln. Das gilt nicht zuletzt für den Journalismus: Im Kampf um Aufmerksamkeit wird Komplexität meist entweder vereinfacht oder zerstreut – in der Regel jedoch beides. Doch die Welt bleibt genau so komplex. Und diese Komplexität ist ein Wert.

Welche Rolle sollen dabei Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation spielen? Besteht ihre Aufgabe tatsächlich schlicht darin, „die Allgemeinheit in geeigneter Form über die Erkenntnisse zu informieren“? Oder geht es um mehr?

In seinem Vortrag spricht der Wissenschaftsredakteur und Formatentwickler Leonid A. Klimov über Medienarbeit an der Schnittstelle von Wissenschaft und Journalismus, über Komplexität und über eine ihrer Eigenschaften, die Journalistinnen, Wissenschaftlerinnen und Leser*innen verbinden kann: kognitive Freude.

Plakat zur Veranstaltung

Kurse

Seminar 1

Von der Recherche zur Story: Einführung in die Narratologie wissenschaftsbasierter Texte

Montag, 04.05.2026, 10:00 – 12:00 Uhr (Termin 1)
INF 130.1, Seminarraum 2, 1. OG
Kurssprache: Deutsch

Freitag, 08.05.2026, 10:00 – 12:00 Uhr (Termin 2)
INF 130.1, Seminarraum 1, EG
Kurssprache: Englisch

Zielgruppe: Alle Interessierten

Menschen merken sich Geschichten, nicht Tatsachen. Doch wie lassen sich die häufig abstrakten wissenschaftlichen Erkenntnisse in eine packende Story übersetzen? Was macht eine gute Geschichte aus? Und wie gelingt es, dass sie auch komplexe Inhalte transportiert? In diesem Seminar gehen wir die Schritte von der Recherche bis zur Entwicklung eines Narrativs durch, schauen uns Best Practices an und werfen einen Blick auf die Struktur wissenschaftsbasierter Stories.

 

Workshop 1

tl;dr: Longreads in Zeiten von Reels und Shorts

Mittwoch, 29.04.2026, 10:00 – 12:00 Uhr (Teil 1)
Mittwoch, 06.05.2026, 10:00 – 12:00 Uhr (Teil 2)
INF 130.1, Seminarraum 2, 1. OG

Zielgruppe: Alle Interessierten

Kurssprache: Deutsch

In der digitalen Welt gilt: Aufmerksamkeit ist knapp. Gleichzeitig bleibt die Welt komplex – und gute Wissenschaftskommunikation braucht oft mehr als ein paar Sekunden. Wie schreibt man einen Longread so, dass Leser:innen dranbleiben und im besten Fall das Zeitgefühl verlieren? Mit welchen Textstrategien lässt sich die Aufmerksamkeitsspanne gezielt „ausschaukeln“? Und was haben „Rateinseln“ und Sequenzierung damit zu tun? Gemeinsam schauen wir in den Werkzeugkasten hinein, mit dem sich auch längere wissenschaftliche Inhalte lesbar, spannend und strukturiert erzählen lassen.

Workshop 2

WissKomm-Hacks: Tipps und Tricks, wie man sich selbst aus dem Elfenbeinturm herauslockt

Mittwoch, 10.06.2026, 16:00 – 20:00 Uhr
Treffpunkt: eine Bar

Zielgruppe: Bachelorstudierende, Masterstudierende, Doktorand:innen, Postdocs

Kurssprache: Deutsch

Wenn man über die eigene Forschung spricht, gerät man oft schnell in einen wissenschaftlichen Duktus. Diese Verschiebung passiert gleichsam reflexartig und gewissermaßen beinahe zwangsläufig: durch terminologische Präzisionsbestrebungen, konzeptuelle Verdichtungen, eine nicht unerhebliche Neigung zur Substantivierung – in der Regel definiert als die Umwandlung anderer Wortarten (meist Verben oder Adjektive) in Substantive (Nomen) – sowie durch eine beim Verfassen unterschiedlicher Arten wissenschaftlicher Texte antrainierte Fähigkeit, Schachtelsätze zu bauen, die ihrerseits – wie beispielsweise dieser Satz – von den Rezipient:innen dieses Abstracts bestimmt zwei Mal gelesen werden müssen, bis man kapiert, worum es gerade geht.

Eigentlich muss das nicht sein. Das ist nicht grundsätzlich schlecht – wissenschaftlich gesehen drückt man sich so oft korrekter aus. Das Problem: Außerhalb der Wissenschaft wird man damit häufig nicht verstanden. Oft ist nicht einmal klar, worum es gerade geht – auch wenn alle so tun, als wäre alles selbstverständlich.

Wie kann man über Wissenschaft so sprechen, dass man wirklich verstanden wird? Und wie kann ich mich darauf vorbereiten? Dafür gibt es ein paar hilfreiche Übungen.

Workshop 3

To whom it may concern: Audience und Audience Research in der Wissenschaftskommunikation

Montag, 08.06.2026, 10:00 – 12:00 Uhr (Teil 1)
INF 130.1, Seminarraum 2, 1. OG
Montag, 15.06.2026, 10:00 – 12:00 Uhr (Teil 2)
INF 130.1, Clubraum, 1. OG

Zielgruppe: Doktorand:innen, Postdocs, Professor:innen, Wissenschaftskommunikator:innen

Kurssprache: Deutsch

Typischerweise richtet sich Wissenschaftskommunikation an die „breite Öffentlichkeit“. Das Problem ist: Diese „breite Öffentlichkeit“ existiert gar nicht. Stattdessen gibt es viele unterschiedliche Zielgruppen – und für jede sollte man anders schreiben. Wie entscheidet man, wen man ansprechen will? Wie schneidet man einen Text auf eine konkrete Zielgruppe zu? Und warum erreicht man oft mehr Menschen, wenn die Zielgruppe enger (aber klarer) definiert ist?

Nature Marsilius Gastprofessur - Klimov

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