Sammlungen der institutionellen Mitglieder des HCCH

Papyrussammlung
CMS
Ur- und Frühgeschichte
Fotothek
SemArch
Nubische Keramik
Universitätsarchiv
Islamwissenschaft

Papyrussammlung (Institut für Papyrologie)

Papyri2Das Institut für Papyrologie beherbergt eine etwa 11.000 Stücke umfassende Sammlung von Papyri, Pergamenten, Hadernpapieren und Ostraka aus Ägypten, die seit den ersten Ankäufen im Jahre 1897 kontinuierlich ausgebaut wurde. Die Sammlung ist inzwischen die zweitgrößte ihrer Art in Deutschland und wurde schon um die Jahrtausendwende als eine der ersten Papyrussammlungen weltweit vollständig digitalisiert. Die seither online zugänglichen Kataloge werden derzeit unter der Überschrift „Heidelberger Papyrussammlung - digital" in ein neues Format an der UB Heidelberg überführt. Zusammen mit dieser Sammlung ist im Laufe der letzten mehr als 100 Jahre eine umfangreiche wissenschaftliche Spezialbibliothek zur Papyrologie entstanden. Zudem werden hier die Grundlagenprojekte des Faches betreut, was das Heidelberger Institut innerhalb der papyrologischen Forschung zu einem internationalen Zentrum ersten Ranges macht.

Corpus der minoischen und mykenischen Siegel (Institut für Klassische Archäologie)

I 016 2Im Archiv des Corpus der minoischen und mykenischen Siegel werden moderne Abdrucke/Abgüsse, Fotografien, Zeichnungen und weitere Informationen von ca. 95% der ägäischen Siegel bzw. Siegelabdrücke, die heute bekannt sind, aufbewahrt. Die Sammlung ist im Rahmen eines gleichnamigen Projekts in Marburg zusammengestellt worden, dessen Ziel es war, die Gesamtheit der ägäischen Siegel und Siegelabdrücke in einer wissenschaftlichen Reihe zu publizieren. Die jetzt in Heidelberg aufbewahrte Sammlung dient sowohl als Kern verschiedener laufender Projekte, die ihre Bestände erweitern und zum Nutzen der Forschung beitragen, als auch als bedeutendes Forschungs- und Lehrinstrument. Sie ist insofern weltweit einzigartig, als dass sie an einem einzigen Ort beinahe die Gesamtheit einer Gattung exemplarisch dokumentiert.

Sammlung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie

Dscn9551 Kopie Den Grundstock der Sammlung bildet eine Dauerleihgabe der von Victor und Leontine Goldschmidt gegründeten Von-Portheim-Stiftung, die dem Seminar für Ur- und Frühgeschichte zu Lehrzwecken überlassen wurde. Diese setzt sich wiederum zusammen aus der Privatsammlung Verworn mit Funden aus dem französischen Paläolithikum, mitteldeutschen Neolithikum und südeuropäischen Einzelstücken, der Sammlung Gutmann mit neolithischen, metallzeitlichen bis frühmittelalterlichen Funden aus dem Oberelsass und der Sammlung Kallius mit paläolithischen und nordischen Steingeräten. Die umfangreichen Kollektionen wurden am Ende des 19. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durch Ankauf und Ausgrabungen zusammengetragen. Im Jahre 1950 wurden sie um die Sammlung Schoetensack mit Funden des Paläolithikums erweitert.

Fotothek des Instituts für Europäische Kunstgeschichte

Unbekannt, Dom von Florenz, 1860-70, Albuminpapier auf KartonDie Fotothek des Instituts für Europäische Kunstgeschichte ist eine fotografische Lehr- und Studiensammlung zur europäischen Kunstgeschichtevon der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Der  umfangreiche Bestand von rund 75.000 Aufnahmen besteht vor allem aus Fotopositiven auf Papier, als Glasplattendias sowie Drucke. Er ist unter anderem in die Sektionen Topographie, Malerei, Mosaik und Buchmalerei eingeteilt. Neben den Reproduktionen von Malerei und Zeichnung bilden die Topographiebestände Italiens, Deutschlands und Frankreichs den Hauptbestandteil der Sammlung. Die Fotothek beinhaltet unter anderem qualitätsvolle und frühe Beispiele kunsthistorischer Dokumentarfotografie ab den 1850er Jahren, wie von den Alinari, Giorgio Sommer, Carlo Naya und Adolphe Braun.
 
Die Anfänge der Fotothek des IEK sind auf das Ende des 19. Jahrhunderts zu datieren. Henry Thode, erster Ordinarius für Kunstgeschichte in der Abteilung für neue Kunst am Institut für Klassische Archäologie (1896-1911) prägte bereits zu dieser Zeit wesentlich die Sammlung durch seine Ankäufe von Fotomaterial zur italienischen Kunst. 1911 erfolgte die Gründung des Instituts für Kunstgeschichte und der Ausbau der Sammlung, unter anderem durch Walter Paatz, Professor und Leiter des Instituts für Kunstgeschichte (1942-67). Auch andere Sammlungen und Schenkungen fanden den Weg in die Fotothek, wie unter anderem von dem Heidelberger Goldschmied Gustav Trübner und Gustav Hartlaub, ehem. Mannheimer Museumsdirektor und Lehrbeauftragter sowie Honorar-Professor am IEK ab dem Wintersemester 1945/46.

SemArch: Das Semitische Tonarchiv (Institut für Semitistik)

Das SemArch - Semitisches Tonarchiv ist hervorgegangen aus einem von der DFG geförderten Projekt zur digitalen Archivierung von Tonaufnahmen semitischer Sprachen und Dialekte und deren Publizierung im Internet. Es wird getragen vom Lehrstuhl für Semitistik an der Universität Heidelberg. Sämtliche noch erhaltenen Tonaufnahmen semitischer Sprachen und Dialekte, die in zahlreichen insbesondere durch die DFG geförderten Forschungsprojekte entstanden sind, werden durch zentrale, digitale Archivierung an der Universität Heidelberg vor dem Verlust bewahrt und durch Publizierung im Internet allen Lehrenden und Forschenden im Bereich der Semitistik und Sprachwissenschaft zur Verfügung gestellt.

Die Webpräsenz der SemArch befindet sich derzeit im Umbau und ist ab dem Frühjahr 2019 wieder erreichbar.

Sammlungen des Universitätsarchivs

Urkunde 185x90 Im Universitätsarchiv finden Sie Schätze zur Geschichte der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Bilder, Siegel, Medaillen und Museales entreißen Vergangenes auch visuell dem Vergessen. Flugblätter, Pla­ka­te und Zeitungen lassen Zeitgeschichte lebendig werden. Mit seinen umfang­reichen Beständen - auch den klassischen Archivalien - bildet es einen wichtigen Teil der Überlieferung der Universität und wird oft von der Forschung für Ausstellungen und Publikationen in Anspruch genommen.

Als Stabsstelle des Rektorats verwahrt das Archiv nicht nur die bis in das 13. Jahrhundert zurückreichenden Altbestände. Es übernimmt zudem laufend ausgewählte Unterlagen, die von den universitären Dienststellen und Instituten nicht mehr für aktuelle Aufgaben in Verwaltung, Forschung und Lehre benötigt werden und zugleich bleibenden Wert für das „Gedächtnis der Universität“ haben.

Sammlung nubischer Keramik (Institut für Byzantinische Archäologie und Kunstgeschichte)

Aquarell Bernd DiebnerDas Instiut für Byzantinische Archäologie und Kunstgeschichte beheimatet eine Sammlung nubischer Keramik. Was es mit dieser kleinen, aber exquisiten Sammlung und Namen wie Kulb, Sunnarti, Turmukki und Tangur auf sich hat, wurde von Studierenden des Instituts während einer Übung im Wintersemester 2010/11 geklärt. Die Spur führte schnell zu dem Heidelberger Neutestamentler Erich Dinkler (1909-1981), der als Christlicher Archäologe von 1967 bis 1969 an den Notgrabungen und Surveys im sudanesischen Niltal beteiligt war. Die UNESCO hatte dazu aufgerufen, als spätestens mit der 1964 begonnenen Flutung des Assuan-Staudamms absehbar war, dass die alte Kulturlandschaft am oberen Nillauf unwiederbringlich zerstört werden würde. Ein Resultat war die spektakuläre Translozierung der Tempel von Abu Simbel. Für einen Großteil der Monumente kam eine derartige 'Rettung' jedoch nicht in Frage. Vor allem waren die Nubier von der Flutung betroffen, deren historische Siedlungen dem Untergang preisgegeben wurden. Die Kirchen von Faras und Alt-Dongola sind wegen ihrer mittelalterlichen Wandmalereien einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Kulb, Sunnarti, Turmukki und Tangur hingegen, die Dinkler für seine Untersuchungen ausgewählt hatte, hatten keine derartigen kunsthistorischen Überraschungen zu bieten. Sie sind jedoch für die Vielfalt der nubischen Siedlungsformen bemerkenswert und erinnern an eine alte christliche Kultur, deren Anfänge in der Missionszeit des 6. Jahrhunderts liegen.

Die bei der Heidelberger Nubienunternehmung gemachten archäologischen Funde sind Zeugnisse der rund tausend Jahre andauernden christlichen Geschichte des mittleren Nilufers, welche heutzutage selbst in Fachkreisen weitgehend unbekannt ist.

Sammlungen der Abteilung Islamwissenschaft (Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients)

Die Abteilung Islamwissenschaft des Seminars für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients betreut derzeit insgesamt vier Sammlungen: die Forschungsstelle „Handschriften aus alevitischen Familienarchiven“, die Sammlung „Ethnographische Filme und Fotographien zum Alevitentum“, die Sammlung „Osmanische Drucke bis 1928“ sowie die Sammelstelle „Nahöstliches Pressewesen“ inkl. Sammlung von Zeitungen der Provinz Sivas (Sammlung „Unbehaun“).

Die Forschungsstelle „Handschriften aus alevitischen Familienarchiven“ geht auf das Teilprojekt C7 „Ritualtransfer bei marginalisierten religiösen Gruppen des Vorderen Orients“ im Rahmen des SFB 619: „Ritualdynamik“ zurück. Kern der Sammlung bildet eine ca. 30 Manuskripte und 20 historische Drucke umfassende Leihgabe des alevitischen Şah İbrahim Veli Ocağı (Malatya, Türkei), die das private Archiv einer alevitischen Dede-Familie umfasst. Dabei handelt es sich u. a. um individuelle Aufzeichnungen, die oral tradierte Inhalte erstmalig schriftlich fixieren und somit keiner direkten schriftlichen Vorlage entstammen. Daneben finden sich Abschriften bisher unbekannter religiöser Texte des Alevitentums, aber auch Kopien bekannter Divan-Werke oder religiöser Traktate. Die Forschungsstelle steht alevitischen Familien, die über Handschriften und Dokumente verfügen, als Anlaufstelle zur Verfügung.

Mit der Sammlung „Ethnographische Filme und Fotographien zum Alevitentum“, die ebenfalls aus dem o.g. Forschungsprojekt hervorging, verfügt die Abteilung über eine umfangreiche Kollektion von Video-Mitschnitten alevitischer ritueller Performanzen aus der Türkei, Bulgarien und Deutschland v. a. aus dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Die derzeit 320 Videoaufnahmen (ca. 200 Stunden) und 1070 Fotographien umfassende Sammlung dokumentiert die Entwicklung alevitischer Rituale und religiöser Praktiken (Cem, Sema, Opferungen, Gedenk- und Kulturveranstaltungen) unter den Bedingungen nationaler und transnationaler Migration und umfasst außerdem Vergleichsmaterial aus jesidischen Ritualtraditionen. Hinzu kommt Interviewmaterial zur Oral History des Şah İbrahim Veli Ocağı aus Malatya, das auch für die Kontextualisierung der Bestände der Forschungsstelle „Handschriften aus alevitischen Familienarchiven“ von eminenter Bedeutung ist.

Die Sammlung „Osmanische Drucke bis 1928“ stellt einen Sonderstandort der Abteilungsbibliothek Islamwissenschaft dar. Unter der Signaturengruppe LH werden osmanische Druckwerke des 19. und 20. Jahrhunderts gesammelt und Studierenden und Lehrenden auf Antrag zugänglich gemacht. Die Sammlung umfasst neben literarischen Werken vor allem politisches, historiographisches, religiöses und juristisches Schrifttum sowie eine Kollektion von Kleinschriften (Broschüren, Flugschriften, Pamphlete) aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Die Sammelstelle „Nahöstliches Pressewesen“ wurde bereits in den späteren 1990er-Jahren ins Leben gerufen und sammelt insbesondere osmanisch- und türkischsprachige Presseerzeugnisse des 19. und früheren 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt auf der Provinzpresse des Osmanischen Reiches. Kern der Sammlung bildet eine umfangreiche Schenkung von Prof. Dr. Horst Unbehaun (Nürnberg), die praktisch alle in der Provinz Sivas gedruckten Periodika vom 19. Jahrhundert bis ca. 1940 umfasst. Daneben beherbergt die Sammelstelle auch zahlreiche Mikrofilme.

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Letzte Änderung: 22.01.2019
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