hei_ONLINEVortrag: Neuer Antisemitismus

Pressemitteilung Nr. 67/2021
8. Juli 2021

Ruperto Carola Ringvorlesung erinnert im Sommersemester an den Biochemiker Otto Meyerhof

Zum Thema „Neuer Antisemitismus: Eine Spurensuche“ spricht der Soziologe Prof. Dr. Natan Sznaider, Wissenschaftler am Academic College of Tel Aviv-Yaffo (Israel). Sein Vortrag ist Teil der Ruperto Carola Ringvorlesung „Otto Meyerhof – Ein Wissenschaftlerleben zwischen Ruhm und Vertreibung“, mit der die Universität Heidelberg im Sommersemester an einen der bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts erinnert. Von 1929 an als Forscher in Heidelberg tätig, entzogen die Nationalsozialisten Otto Meyerhof 1935 die Lehrbefugnis und zwangen ihn zu Emigration und Flucht. Die Videoaufzeichnung des Vortrags ist von Montag, 12. Juli 2021, an abrufbar über heiONLINE – das zentrale Portal der Universität mit Vorträgen, Diskussionsrunden und Veranstaltungen in digitalen Formaten, die sich an eine breite Öffentlichkeit wenden.

heiONLINE: RuCa Ringvorlesung Otto Meyerhof

Um Antisemitismus begreifen zu können, so der Referent, muss zunächst danach gefragt werden, was damit gemeint ist – ein Gefühl, eine Haltung, ein Gerücht oder nur ein Vorurteil über eine bestimmte soziale und kulturelle Gruppe, die Juden genannt wird. In seinem Vortrag wird Prof. Sznaider anhand von gängigen Antisemitismusdefinitionen den Folgen antisemitischer Ressentiments nachgehen, die er nicht allein als jüdisches Problem, sondern als Bedrohung für die Pluralität im globalen Zeitalter an sich sieht. Im Antisemitismus offenbart sich der Hass auf das gleichzeitig Universale und Partikulare der modernen menschlichen Existenz, betont der Wissenschaftler. Natan Sznaider ist Professor für Soziologie am Academic College of Tel Aviv-Yaffo. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Fragen der Holocaust-Erinnerung, die Soziologie der Emotionen, das Thema Globalisierung und die politische Theorie von Hannah Arendt.

Der Biochemiker Otto Meyerhof, 1922 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, hatte an der Heidelberger Universität studiert und wurde hier auch promoviert. 1929 übernahm er in Heidelberg die Leitung des Instituts für Physiologie am neugegründeten Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung und wurde zum ordentlichen Honorarprofessor der Medizinischen Fakultät ernannt. Als sich die Arbeitsbedingungen für den jüdischen Wissenschaftler zunehmend verschlechterten, beschloss er 1938, Deutschland zu verlassen. Er forschte in Paris, musste jedoch 1940 über Spanien und Portugal in die USA fliehen, wo er an der Pennsylvania University einen Lehrstuhl für Physiologische Chemie erhielt. Otto Meyerhof starb 1951 in Philadelphia.

Die Ruperto Carola Ringvorlesung ist Teil eines Konzepts von Fokusthemen. Damit wird die Universität Heidelberg zweimal jährlich gesellschaftlich relevante Forschungsfragen in unterschiedlichen Formaten an die breite Öffentlichkeit herantragen. Die Ringvorlesung zu Otto Meyerhof wurde gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Schmitt von der Medizinischen Fakultät Heidelberg konzipiert. Sie ist Teil des Fokusthemas „Freund und Feind“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen setzen sich aus der Sicht ihrer Disziplin mit drängenden Fragen von Antisemitismus und Diskriminierung auseinander. Die Vorträge, zu denen aktuell keine Zuhörer in Präsenz zugelassen sind, werden aufgezeichnet und sind als Video jeweils montags über das Portal heiONLINE abrufbar.