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Forschungsstelle Antiziganismus

Forschungsstelle Antiziganismus

Kommende Veranstaltungen:

Fachgespräch und Konferenz

Antiziganismus und Film

Vom 21. bis 23. Februar 2018 findet in Berlin die Tagung Antiziganismus und Film statt, an der die Forschungsstelle Antiziganismus  neben dem goEast Festival in Wiesbaden als Kooperationspartner mitwirkt.

Die Tagung wird vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, der Gesellschaft für Antiziganismusforschung und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma gemeinsam veranstaltet und von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie Leben!“, der Freudenberg Stiftung und der Amadeu Antonio Stiftung gefördert.

Thema und Hintergrund

Das Thema Antiziganismus und Film ist hochaktuell, gleichwohl steht eine tiefergehende Auseinandersetzung dazu bislang aus. In den letzten Monaten gab es größere öffentliche Aufmerksamkeit und kritische Debatten zu aktuellen Kinoproduktionen. Zum einen kritisierte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma die inhaltliche Ausrichtung sowie die Produktionsbedingungen des Kinder- und Jugendfilms „Nellys Abenteuer“. Zum anderen löste der der französische Film „À bras ouverts“ („Hereinspaziert“) bereits Anfang des Jahres in Frankreich eine Kontroverse über Rassismus im Kino aus.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma“ und damit auch das Thema „Antiziganismus“  in der Filmbranche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza“ („Aus dem Leben eines Schrottsammlers“), „Csak a szél“ („Just the wind“) oder „Aferim!“, die antiziganistische Denkmuster und Praktiken kritisch hinterfragen, erlangten Preise auf den großen Filmfestspielen. Auf der anderen Seite gibt es aufwendige Kinoproduktionen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows“ („Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“) oder „Chocolat“ („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“ ), die sich eben jener antiziganistischer Stereotype bedienen. Erinnert sei auch an die kontroversen Diskussionen über die Tatort-Folgen „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008). Filme, die explizit aus einer Romani-Perspektive produziert und erzählt werden, schaffen es hingegen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

Geplantes Programm

Fachgespräch: Die Ethik des Filmemachens – von, mit oder über Sinti und Roma

Datum: 21. Februar 2018, 14-17 Uhr

Veranstaltungsort: Landesvertretung Bayern, Behrenstraße 21/22, 10117 Berlin

2017 wurde eine Reihe aktueller Filme, die zum Teil aus Steuergeldern über die Filmfördereinrichtungen finanziert und in den öffentlich-rechtlichen Anstalten gesendet wurden, aufgrund ihrer antiziganistischen Inhalte massiv kritisiert.  Die Auftaktveranstaltung in der Bayerischen Landesvertretung wird den ethischen Dimensionen im Verhältnis von Filmemachern und Minderheit nachgehen. Das Eingangsstatement gibt Peter Nestler, der schon 1970 in seinem Dokumentarfilm „Zigeuner sein“ den verschwiegenen und verleugneten NS-Völkermord an den Sinti und Roma thematisierte und den Überlebenden eine Stimme gab.

 
Konferenz: Antiziganismus und Film

Datum: 22.-23. Februar 2018

Veranstaltungsort: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma – Berliner Büro, Aufbau Haus, Prinzenstr. 84.2., 10969 Berlin

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Antiziganismus im Film ist bisher randständig geblieben. Eine systematische Analyse, die insbesondere die Entwicklungen des europäischen Kinos der letzten zehn Jahre einschließt, liegt in weiter Ferne. Die internationale Tagung soll dazu beitragen, wissenschaftliche Grundlagen zu schaffen, auf deren Basis sich die Antiziganismusforschung sowie die Filmwissenschaften kritisch mit den Themen „Roma“ und „Antiziganismus“ im Film aus verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen können. Zudem soll ein Austausch derjenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich bereits kritisch mit Aspekten des Themenfeldes befassen, gefördert werden.

Geplante Panels sind:

Panel 1: Analyseansätze für Antiziganismus in Filmen

Panel 2: Spielfilm und Geschichte

Panel 3: Ursprünge in Literatur und bildenden Künsten

Panel 4: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Panel 5: Gut gemeint ist nicht gut gemacht: Wirkung und Rezeption von Filmen (Englisch)

Panel 6: Narrative Muster und filmische Mittel (Englisch)

Ein Workshop mit Filmschaffenden organisiert von Oppose Othering!

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Vergangene Veranstaltungen:

Buchvorstellung

"Sinti und Roma. Geschichte einer Minderheit"

Cover Fings Sinti und Roma

7. Dezember 2017, 18.15 Uhr im Hörsaal des Historischen Seminars

Die Historikerin Karola Fings hat sich in ihrem Buch der nicht einfachen Aufgabe gestellt, die 600-jährige „Geschichte einer Minderheit“ auf nur 120 Seiten übersichtlich und differenziert zugleich zu schreiben.

Da die Minderheitengeschichte stets von Vorurteilen und Ausgrenzung begleitet war, bringt die Autorin ihrer Leserschaft auch die neuen Erkenntnisse der interdisziplinär angelegten Antiziganismusforschung nahe. Trotz seiner konzentrierten Form besticht das Werk durch eine sensibilisierte und problemorientierte Ausführung, die einen idealen Einstieg in die Thematik und zugleich eine reflektierte Gesamtdarstellung zur Geschichte der Sinti und Roma bietet.


Neben der Vorstellung des Bandes sprach die Autorin auch über die methodischen Fallstricke ihrer Arbeit: So sei jedes Schreiben über Sinti und Roma, auch wenn es in aufklärerischer Absicht geschieht, „ein Akt von Diskursmacht“ und laufe Gefahr zu homogenisieren sowie Stereotype zu reproduzieren. Karola Fings wird zeigen, wie es dennoch gelingen kann, durch eine um Dekonstruktion bemühte Beschreibung exemplarischer Prozesse und Ereignisse tradierte Wissensbestände in Frage zu stellen.

 

Zur Autorin:Karola Fings

Dr. Karola Fings ist Historikerin und stellvertretende Direktorin des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Sie hat an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit einer Studie über das System der Konzentrationslager promoviert. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung von Sinti und Roma sowie der Antiziganismus nach 1945.

Seit den 1990er Jahren hat sie hierzu v.a. wichtige Lokal- und Regionaluntersuchungen, Studien zu den NS-Zwangslagern für Sinti und Roma sowie zur Genese des Genozids an der Minderheit veröffentlicht. Ihre aktuelle Publikation "Sinti und Roma. Geschichte einer Minderheit" wurde von Seiten der Forschung als "inhaltsschwere, wissenschaftlich fundierte wie gut lesbare Darstellung" (Wolfgang Benz) besprochen.
 

[Plakat] [Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung]

Bild: Umschlag »Sinti und Roma. Geschichte einer Minderheit« © chbeck

 

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma statt. Logo Dokuz

 

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Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 04.01.2018
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