Forschungsstelle Antiziganismus

Laufende Drittmittelprojekte:

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Asperg_Deportation

Deportation südwestdeutscher Sinti und Roma aus Asperg ins besetzte Polen, 22. Mai 1940.

Quelle: Bundesarchiv, R 165 Bild-244-42.

 

Das internationale Projekt untersucht erstmals die europäische Dimension des nationalsozialistischen Genozids an Sinti und Roma in Europa. Das weit verstreute und oft nicht zugängliche historische Wissen zum Völkermord wird in einer großangelegten Enzyklopädie zusammengeführt und für die Forschung sowie die breite Öffentlichkeit bereitgestellt.


Die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland erstellten Fachbeiträge werden zunächst online präsentiert. Darauf aufbauend entsteht ein mehrbändiges Handbuch in gedruckter Fassung. Das Auswärtige Amt fördert die fünfjährigen Forschungsarbeiten mit rund 1,2 Millionen Euro.


Die Enzyklopädie wird alphabetisch aufgebaut sein und rund 750 Stichwörter umfassen. Für die Handbuchbeiträge sollen beispielsweise überblicksartige Darstellungen zu einzelnen Ländern und Orten, zu Ghettos und Lagern, zur rassistischen Gesetzgebung und zu Verfolgungsmaßnahmen wie Deportationen und Zwangssterilisation erarbeitet werden. Auch Ereignisse wie die Ermordung der Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau oder die Massaker an der Roma-Bevölkerung in von der Wehrmacht besetzten Ländern werden aufgenommen, ebenso Biographien und weitere Themen wie beispielsweise die juristische Ahndung der Verbrechen.


An der Enzyklopädie wirken als Kooperationspartner die Bundeszentrale für politische Bildung, das Center für Digitale Systeme an der FU Berlin (CeDiS), das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, das Fritz Bauer Institut und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit. Ein wissenschaftlicher Beirat begleitet die Entstehung der Enzyklopädie.

 

Projektleitung

Dr. Karola Fings

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Sarah Kleinmann

Studentische Hilfskraft

Nils Lützen, B.A.

Diana Partel

 

 

Siehe auch:

Pressemitteilung der Universität Heidelberg vom 29. Juli 2020 zum Start des Projekts.

Artikel und Interview mit Dr. Karola Fings in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 13.9.2020.

Zusammensetzung des wissenschaftlichen Beirats.

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Artistic Alternatives to the Antigypsy Gaze

 

Artistic Alternatives

Das Leitmedium Film spielt eine entscheidende Rolle für die Entstehung und Verbreitung von antiziganistischen Bildern. Vor diesem Hintergrund untersucht das zweijährige Explorer Project künstlerische Strategien, die den filmischen Antiziganismus – als „blinden Fleck“ unseres kulturellen Erbes – kritisch hinterfragen. Gefördert wird das Vorhaben vom Research Council Field of Focus 3.


Das Projekt legt einen Fokus auf den Vergleich zwischen Antiziganismus und anderen Formen des Rassismus, vor allem des Antisemitismus, und beleuchtet unter anderem die Auswirkungen des Themas Holocaust auf Filmerzählungen und visuelle Ästhetiken. Spezifische künstlerische Strategien des Mediums Film, die darauf abzielen, unterdrückenden Diskursen entgegenzuwirken, werden im Vergleich zu solchen in anderen visuellen Medien (Gemälde, Drucke, Comics, Videospiele usw.) betrachtet. Dabei kommen insbesondere Methoden der Kritischen Weißseinsforschung zur Anwendung. Ziel ist es, über die Analyse stereotypisierender Wahrnehmungsraster hinaus wirksame Gegenstrategien zu entwickeln. Durch die enge Kooperation mit außeruniversitären Partnern liegt ein starker Akzent auf dem Transfer in die Zivilgesellschaft: Die Forschungsergebnisse werden über ein Film-Toolkit mit Fallstudien öffentlich zugänglich gemacht. Zielgruppe sind neben Akteuren aus den Bereichen Kultur und historisch-politischer Bildung insbesondere Experten der Filmindustrie und Selbstorganisationen der Sinti und Roma.

Projektkoordination

Dr. Radmila Mladenova

Studentische Hilfskraft

Merle Niemeyer

 

Siehe auch:

Call for Papers: Counterstrategies to Antigypsyism in Film.

Programm zum Workshop: Künstlerische Alternativen zum antiziganistischen Blick.

Bericht zum Workshop.

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Antiziganistische Kontinuitäten in Baden-Württemberg nach 1945

 

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Der Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes bedeutete für die deutschen Sinti und Roma keineswegs ein Ende von Diskriminierung, denn vor allem auf staatlicher Ebene waren antiziganistische Vorurteilsstrukturen weiterhin handlungsleitend. Der NS-Völkermord an der Minderheit wurde von Behörden, Politik und Gesellschaft jahrzehntelang nicht anerkannt. Besonders im Polizeiapparat lassen sich personelle wie ideologische Kontinuitäten feststellen.

Das Projekt untersucht, wie Behörden und staatliche Mitarbeiter des Landes Baden-Württemberg an vormalige Praktiken der Ausgrenzung und Kriminalisierung von Sinti und Roma anknüpften. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, inwieweit sich antiziganistische Denkmuster auf die finanzielle Entschädigung der Völkermordüberlebenden auswirkten. Darüber hinaus geht das Vorhaben auf diskriminierende Diskurse und Exklusionsprozesse im Bereich der Legislative, auf kommunaler Ebene sowie im Bereich von Wissenschaft und Universität ein. Nicht zuletzt widmet sich das Projekt der justiziellen Ahndung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen und dem Umgang mit jenen vormaligen Beamten, die den NS-Völkermord mit ins Werk gesetzt hatten.

 

Das Forschungsvorhaben wird von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert und ist Teil des an den Universitäten Heidelberg und Stuttgart angesiedelten Verbundforschungsprojekts „Reintegration, Schuldzuweisung und Entschädigung – Bewältigung und Nicht-Bewältigung der NS-Vergangenheit in den drei Vorgängerländern Baden-Württembergs 1945-1952“.

Projektmitarbeiter:

Joey Rauschenberger, M.A.

 

 

Siehe auch:

Online-Portal des Verbundforschungsprojekts mit Blogbeiträgen und Informationen zu den Teilprojekten, Projektleitern und MitarbeiterInnen.

 

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Abgeschlossene Drittmittelprojekte:

Stigma „Zigeuner“. Visuelle Dimensionen des Antiziganismus


Laufzeit: 1/2018-12/2018

 

Nolpe_Kinderraub
Simon de Vlieger, Pieter Nolpe, Roma vrouw Majombe met Konstance, 1643, etching/engraving, 129 × 106 mm. Rijksmuseum, Object No RP-P-1883-A-6907.

Visuelle Medien spielen seit der Frühen Neuzeit eine Schlüsselrolle für die Genese des Antiziganismus. Das interdisziplinär angelegte Forschungsprojekt untersuchte mit vergleichenden Analysemethoden die zentralen Motive und Semantiken von „Zigeuner“-Bildern in unterschiedlichen visuellen Repräsentationsformen wie bildender Kunst, Fotografie oder Film. Der Research Council des Field of Focus 3 der Universität Heidelberg förderte das Vorhaben.

In Form einer Fallstudie zu einem besonders wirkmächtigen Motiv – dem „Zigeunern“ zugeschriebenen Kinderraub – unternahm das Projekt einen ersten Schritt zu einer intermedialen Phänomenologie des „Zigeuner“-Bildes und der damit verbundenen Ausgrenzungsmechanismen in visuellen Medien. Das Motiv lässt sich in der Literatur bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachweisen. Von zentraler Bedeutung für seine Genese war eine Erzählung von Cervantes mit dem Titel „La gitanilla“, die 1613 erschien. In den darauffolgenden Jahrhunderten finden sich zahllose literarische Variationen. Die Fallstudie eruierte, wie dieses ursprünglich literarische Motiv in unterschiedliche visuelle Repräsentationsformen überführt wurde und welche spezifischen Adaptionen und Transformationen damit einhergingen. Auf diese Weise wurden die Kontinuitätslinien, Vernetzungen und Brüche eines zentralen „Zigeuner“-Motivs über vier Jahrhunderte hinweg verfolgt und analytisch eingeordnet. Radmila Mladenova publizierte die Ergebnisse der Fallstudie 2019 in der Monografie Patterns of Symbolic Violence. The Motif of 'Gypsy' Child-theft across Visual Media.

Zum Abschluss des Projekts fand eine Fachtagung (15.-16. November 2018) statt, in deren Rahmen etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus dem In- und Ausland aktuelle Forschungsergebnisse zur Rolle des Visuellen in der Genese des Antiziganismus präsentierten. Die Verbindung von historischen Fragestellungen mit bild- bzw. kunstwissenschaftlichen und medientheoretischen Ansätzen führte unterschiedliche methodische Zugänge zusammen. Die Vorträge werden 2021 in Form eines Tagungsbandes publiziert.


Projektkoordination

Radmila Mladenova

 

 

Siehe auch:

Tagungsbericht von Laura Hankeln.

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 07.06.2022
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