Identität und TraditionHeidelberger Universitätssiegel

Als Schutzpatron der Universität ist, in der Mitte unter einem Baldachin sitzend, der Apostel Petrus dargestellt. Die beiden knienden Ritter dürften Kurfürst Ruprecht I. (im Wachsabdruck rechts) und sein Neffe, Mitregent und Nachfolger Ruprecht II. (links) sein.

 

Sie übergeben Teile ihres Besitzes, symbolisiert durch Wappenschilde, in die Obhut des Schutzpatrons. Der linke Schild zeigt die bayerische Rauten, auf dem rechten ist der pfälzische Löwe abgebildet. Schon am 18. November 1386 wurde ein silberner Siegelstempel in Auftrag gegeben, der als prachtvolle handwerkliche Arbeit lange zu den Insignien der Universität zählte. Ende des 17.Jahrhunderts allerdings ging das Stück in den Wirren des Pfälzischen Erbfolgekrieges verloren. Nachdem es Jahrzehnte später im Kunsthandel wieder "entdeckt" worden war, gelangte es im 19. Jahrhundert schließlich in den Besitz des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Dort befindet es sich noch heute.

Auch um das silberne Prunksiegel zu schonen, hat die Universität für dasselbe Siegelbild bereits früh schlichte Gebrauchsstempel anfertigen lassen – wie viele im Laufe der Zeit und wann genau, ist allerdings nicht klar. Erhalten sind drei einfache Metall-Stempel; einen (mit schlichtem Griff) hat das Universitätsarchiv 2004 aus Privatbesitz erwerben können (siehe Abb.).

Der Durchmesser des kreisrunden Siegels beträgt 70 mm. Die Umschrift beginnt oben, leicht neben der Mitte, und lautet: "+s[igillum] universitatis [Rankenwerk] studii [Rankenwerk] heydelbergensis [Rankenwerk]". Das Schriftband ist nach außen und innen von Perlenschnüren umgrenzt. In Anlehnung an diese gestalterischen Elemente wird heute das Siegelbild vorrangig in gedruckter Form verwendet. Inzwischen entkernt und durch klare Linien stilisiert ist es als Teil der Wort-Bildmarke allgegenwärtig – genutzt etwa für Jubiläumsmedaillen (1961, 1986), Bucheinbände oder Schilder und spielt selbstverständlich im Corporate Design der Universität eine zentrale Rolle.

Werner Moritz
Der Autor war von 1996 bis 2010 Direktor des Heidelberger Universitätsarchivs.

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