Vortrag am 18. November 2019Luxus und Gabentausch: Die Geburt der Gesellschaft aus der Verschwendung

Referent: Prof. Dr. Guido Sprenger, Universität Heidelberg

Die moderne Ökonomie ist eine Lehre der Knappheit, Luxus steht stets im Ruch von schädlicher Verschwendung und ungerechtfertigtem Privileg. Einige ethnologische Befunde können die Selbstverständlichkeit dieser Annahme unterwandern. Üppige Geschenke und rauschende Feste können die Gemeinschaft stabilisieren und den Frieden zwischen den Menschen wie auch zwischen Menschen und Göttern erhalten. Aber auch eine andere Sichtweise ist denkbar. Hinter Gaben und Festen kann auch eine Ökonomie der Verausgabung stehen, eine Logik der Abgabe von Energie als Grundlage der Weltordnung. Diese Perspektive erlaubt überraschende Einsichten nicht nur in Gesellschaften, die uns fremd erscheinen, sondern auch in die Moderne. Tieropfer in Südostasien, Gabenfeste in Nordamerika und Werbegeschenke in Israel können so neuartig verstanden werden.

Guido Sprenger

Prof. Dr. Guido Sprenger lehrt seit 2010 Ethnologie an der Universität Heidelberg. Inhaltlich befasst er sich mit Ritualsystemen, Austauschprozessen, Animismus und Mensch-Umwelt-Beziehungen. Sein regionaler Schwerpunkt liegt auf dem südostasiatischen Festland, insbesondere Laos, wo er über zweieinhalb Jahre geforscht hat. Studiert und promoviert hat er in Münster/Westfalen, danach folgten Stellen in Taipei und erneut Münster.

Prof. Dr. Guido Sprenger