TagungKarl Jaspers in Heidelberg

Pressemitteilung Nr. 113/2019
4. November 2019

Tagung beschäftigt sich mit biographischen Aspekten sowie zentralen Themen seines Schaffens – Öffentlicher Abendvortrag am 7. November

Der Heidelberger Lebensabschnitt von Karl Jaspers (1883 bis 1969), einem der wichtigsten deutschsprachigen Philosophen des 20. Jahrhunderts, steht im Mittelpunkt einer zweitägigen Tagung, zu der das Universitätsarchiv Heidelberg einlädt. Den Auftakt macht am 7. November 2019 ein öffentlicher Abendvortrag, die weiteren Vorträge finden am 8. November statt. Die Tagung befasst sich mit biographischen und zeitgeschichtlichen Aspekten sowie zentralen Themen seines psychiatrischen, psychologischen und philosophischen Schaffens. Sie wird in Kooperation mit dem Gemeinschaftsprojekt „Karl-Jaspers-Gesamtausgabe“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen durchgeführt und gehört zu mehreren Veranstaltungen im Jaspers-Gedenkjahr anlässlich seines 50. Todestages.

Karl Jaspers

In seiner wissenschaftlichen Arbeit als Psychologe und Psychiater beschäftigte sich Karl Jaspers zunehmend mit philosophischen Fragen. Mit seinen allgemeinverständlichen Beiträgen zur Philosophie stieß er auf große öffentliche Resonanz, ebenso mit seinen kritischen Schriften zu politischen Fragen wie der Demokratieentwicklung in Deutschland, der Debatte um eine deutsche Wiedervereinigung oder der europäischen Einigung. Zu den Vortragsthemen der Tagung „Karl Jaspers in Heidelberg – Leben und Denken“ gehören unter anderem Jaspers‘ Psychologie der Weltanschauungen, die Entwicklung seines Philosophiebegriffs sowie sein unvollendetes „Deutschlandbuch“. Dazu referieren Wissenschaftler aus Heidelberg, Göttingen, Marbach und Oldenburg.

Karl Jaspers lebte von 1906 bis 1948 in Heidelberg. Promoviert in Medizin, habilitiert für Psychologie, war er von 1922 an bis zu seiner Entlassung durch das NS-Regime 1937 Ordinarius für Philosophie an der Universität Heidelberg. Seine Frau Gertrud entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie und konnte nur dank der Ehe mit Jaspers trotz erheblicher Repressalien für beide überleben. Nach Kriegsende gehörte Karl Jaspers dem sogenannten Dreizehnerausschuss an, der den Neuaufbau der Universität organisierte. Er nahm seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Ruperto Carola wieder auf, die ihm 1946 die Ehrensenatorenwürde verlieh. Auch aus Enttäuschung über die politische Entwicklung in der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der keine ernsthafte Diskussion über die NS-Zeit stattfand, wechselte Jaspers 1948 an die Universität Basel und wurde 1967 Schweizer Staatsbürger.

Den öffentlichen Abendvortrag am 7. November zum Auftakt der Tagung hält Dr. Bernd Weidmann von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Er wird zum Thema „Alltag des Denkens. Jaspers in seiner Heidelberger Zeit“ sprechen. Der Vortrag findet im Universitätsarchiv, Akademiestraße 4-8, statt und beginnt um 18.30 Uhr. Die weiteren Vorträge finden am 8. November ebenfalls in den Räumen des Archivs statt. Das Programm startet um 9 Uhr.

Noch bis zum Jahresende wird die Ausstellung „Karl Jaspers – (Ein)Blick aus dem Universitätsarchiv“ gezeigt. Sie präsentiert Dokumente von und über den Wissenschaftler, die im Universitätsarchiv verwahrt werden, unter anderem zu seiner Studienzeit und seiner Lehrtätigkeit an der Ruperto Carola, aber auch zu seiner Rehabilitierung nach dem Ende des Nationalsozialismus. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf seiner studentischen Hörerschaft, unter der sich zahlreiche berühmte Namen wie Hannah Arendt und Dolf Sternberger wiederfinden. Die Ausstellung im Foyer des Universitätsarchivs kann dienstags und mittwochs von 9 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr besichtigt werden. Die Veranstaltungen des Karl-Jaspers-Gedenkjahres sind Teil der „UNESCO City of Literature“-Aktivitäten der Stadt Heidelberg.