KooperationForschungszentrum Hof – Musik – Stadt

Pressemitteilung Nr. 11/2021
5. Februar 2021

Neues Kooperationsprojekt mit Beteiligung von Musikwissenschaftlern der Universität Heidelberg

Das Forschungszentrum „Hof – Musik – Stadt“, eine Kooperation zwischen dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg, der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim sowie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, hat zu Jahresbeginn seine Arbeit aufgenommen. Unter dem Dach der gemeinsamen Einrichtung werden Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler der Frage nachgehen, wie sich höfische und städtische Musik im südwestdeutschen Raum entwickelt und wechselseitig beeinflusst haben. Zentraler Bestandteil der Aktivitäten ist außerdem die Weiterentwicklung der universitären Lehre im Fach Musikwissenschaft, etwa im Bereich der Digitalen Edition. Das in Schwetzingen angesiedelte Zentrum wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt (Heidelberg) und Prof. Dr. Panja Mücke (Mannheim) geleitet.

Vom ausgehenden Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der Hof ein wichtiger Träger des Musiklebens. „Im heutigen Land Baden-Württemberg finden sich zahlreiche Residenzen unterschiedlicher Größe, an denen sich die Entwicklung der Hofmusik vom Mittel der fürstlichen Repräsentation hin zu Stadt- und Staatsorchestern mit Bildungsauftrag vollzog“, erläutert Prof. Wiesenfeldt, die am Musikwissenschaftlichen Seminar der Ruperto Carola lehrt und forscht. An dieser Schnittstelle wollen die am Zentrum beteiligten Wissenschaftler ansetzen und die Verflechtungen zwischen höfischer und bürgerlicher Musikkultur näher untersuchen. „Bislang geht die Forschung davon aus, dass es sich um zwei mehr oder weniger voneinander getrennte Ereignisfelder handelt“, so Prof. Wiesenfeldt. „Aspekte der Hofmusikkultur lebten jedoch auch nach dem Residenzverlust fort und die bürgerliche Musikkultur verdankt der Hofmusik zahlreiche Strukturen, Themen und auch Gattungen. Diese Dynamiken, die zu den bisher unerforschten Gebieten der Musikkultur um das Jahr 1800 gehören, stehen im Mittelpunkt unserer Forschungsarbeiten.“

Ihre Expertise wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch in die Lehre an der Universität Heidelberg und der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim einbringen. „Im Fokus wird dabei insbesondere die Digitale Edition stehen, eines der wichtigsten Zukunftsfelder des Faches Musikwissenschaft“, sagt Prof. Mücke. Vorgesehen sind darüber hinaus Summer Schools für internationale Studierende und Doktoranden, die alle zwei Jahre stattfinden und Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit geben sollen, das südwestdeutsche Repertoire und seine Ereignisorte kennenzulernen. Zentral wird darüber hinaus der Brückenschlag zur Praxis und der musikinteressierten Öffentlichkeit sein, etwa durch die Beratung von Musikern und Ensembles oder den Verleih von Aufführungsmaterial. Mitarbeiter des Forschungszentrums ist Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst, der bereits für das Vorgängerprojekt tätig war.

Das neu eingerichtete Forschungszentrum ist Nachfolger der Forschungsstelle „Südwestdeutsche Hofmusik“, die die Heidelberger Akademie der Wissenschaften von 2006 bis 2020 gefördert hat. Aufbereitet und untersucht wurden im Rahmen des Projekts unter anderem Quellen zur Sozial- und Institutionsgeschichte der südwestdeutschen Hofkapellen. Weitere Fragestellungen der Forschung waren die Entwicklungsgeschichte des modernen Orchesters, Neuerungen im Instrumentenbau des 18. Jahrhunderts sowie die historische Aufführungspraxis. Auch die Forschungsstelle war bereits mit Unterstützung der Stadt in Schwetzingen – einst ein bedeutender Ort der kurpfälzischen Hofmusik – angesiedelt.