Prägende PersönlichkeitenHeidelberger Nobelpreisträger

Seit 1901 wird der Nobelpreis in den Kategorien Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Friedensbemühungen verliehen. Der Nobelpreis gilt weltweit als höchste Auszeichnung in den verschiedenen Disziplinen. Seit Bestehen der Ehrung haben 57 Persönlichkeiten, deren Lebensläufe mit der Universität oder der Stadt Heidelberg verbunden sind, den Nobelpreis erhalten.

Heidelberger Nobelpreisträger: Professoren der Universität

2014 • Stefan W. Hell • Chemie

geboren 1962 in Arad, Rumänien
Professor an der Universität Heidelberg: seit 2003

2014 erhielt er den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten zur Entwicklung der superauflösenden Fluoreszenzmikroskopie. Seit 2003 leitet er eine Abteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum (Heidelberg) und forscht an der Universität Heidelberg, zunächst als außerplanmäßiger Professor und seit 2017 als Honorarprofessor. An der Universität Heidelberg wurde er 1990 im Fach Physik promoviert. 1996 habilitierte er sich an der Ruperto Carola.

Stefan W. Hell • 2014 • Chemie

2008 • Harald zur Hausen • Medizin

geboren 1936 in Gelsenkirchen
Professor an der Universität Heidelberg: seit 1988

Von 1983 bis 2003 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (Heidelberg) und seit 1988 Honorarprofessor der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. 2008 erhielt er den Nobelpreis für Medizin für seine Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Infektionen mit humanen Papilloma-Viren und Gebärmutterhalskrebs.

Harald zur Hausen • 2008 • Medizin

1991 • Bert Sakmann • Medizin

geboren 1942 in Stuttgart
Professor an der Universität Heidelberg: seit 1990

Forschte von 1974 bis 1989 am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen, danach bis 2008 am MPI für medizinische Forschung in Heidelberg. Seit 2008 am MPI für Neurobiologie in Martinsried. Er erhielt 1991 zusammen mit Erwin Neher den Nobelpreis für Medizin für die Entwicklung einer Methode zur Untersuchung der Funktion einzelner zellulärer Ionenkanäle.

Bert Sakmann • 1991 • Medizin

1979 • Georg Wittig • Chemie

geboren 1897 in Berlin, gestorben 1987 in Heidelberg
Professor an der Universität Heidelberg: 1956–1967

Entwickelte ein Verfahren zur Synthese organischer Verbindungen. Aus dieser „Wittig-Reaktion“ zieht heute noch die industrielle Herstellung von Vitamin A praktischen Nutzen. Er erhielt dafür gemeinsam mit dem US-Amerikaner Herbert C. Brown 1979 den Nobelpreis für Chemie.

Georg Wittig • 1979 • Chemie

1963 • Hans Jensen • Physik

geboren 1907 in Hamburg, gestorben 1973 in Heidelberg
Professor an der Universität Heidelberg: 1949–1973

Maßgeblich am Aufbau des Instituts für Theoretische Physik beteiligt. Er entwickelte das Schalenmodell zur Erklärung der Stabilität von Atomkernen bei bestimmten Nukleonenzahlen und erhielt (zusammen mit Maria Goeppert-Mayer) für diese Arbeit 1963 den Nobelpreis für Physik.

Hans Jensen • 1963 • Physik

1963 • Karl Ziegler • Chemie

geboren 1898 in Helsa, gestorben 1973 in Mülheim/Ruhr
Professor an der Universität Heidelberg: 1928–1936

Begann seine Forschungen im Bereich der Kohlechemie als Professor an der Universität Heidelberg. Von 1943 an war er Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, später Max-Planck-Institut. Er erhielt 1963 gemeinsam mit Giulio Natta den Nobelpreis für Chemie für die wegweisenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Polymere.

Karl Ziegler • 1963 • Chemie

1954 • Walther Bothe • Physik

geboren 1891 in Oranienburg, gestorben 1957 in Heidelberg
Professor an der Universität Heidelberg: 1932–1953

Vor seinem Ruf nach Heidelberg zunächst Professor in Berlin und Gießen. Von 1934 an Direktor der Abteilung für Physik am Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung, später Max-Planck-Institut. 1954 erhielt er für die Entwicklung der Koinzidenzmethode und der mit ihr gemachten Entdeckungen den Nobelpreis für Physik.

Walther Bothe • 1954 • Physik

1938 • Richard Kuhn • Chemie

geboren 1900 in Wien, gestorben 1967 in Heidelberg
Professor an der Universität Heidelberg: 1929–1945, 1946–1950, 1950–1967

Von 1929 bis 1967 Direktor der Abteilung für Chemie des Kaiser-Wilhelm-Instituts für medizinische Forschung, später Max-Planck-Institut. Er erhielt für seine Arbeiten über Carotinoide und Vitamine 1938 den Nobelpreis. Kuhn war ein erklärter Anhänger des Nationalsozialismus. Dennoch wurde ihm die Annahme des Preises von den damaligen Machthabern untersagt. Erst 1949 wurde der Preis überreicht.

Richard Kuhn • 1938 • Chemie

1922 • Otto Meyerhof • Medizin

geboren 1884 in Hannover, gestorben 1951 im US-amerikanischen Philadelphia
Professor an der Universität Heidelberg: 1929–1935, 1949–1951

Erhielt 1922 den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung energetisch wichtiger Zyklen in biologischen Reaktionsketten. Von 1929 bis 1938 war er Direktor der Abteilung für Physiologie am Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung, später Max-Planck-Institut. Nach Entzug der Lehrbefugnis 1935 aus „rassischen“ Gründen emigrierte er 1938 über Paris in die USA.

Otto Meyerhof • 1922 • Medizin

1910 • Albrecht Kossel • Medizin

geboren 1853 in Rostock, gestorben 1927 in Heidelberg
Professor an der Universität Heidelberg: 1901–1923

Professor für Physiologie. Einer der Ersten, der die Methoden der organischen Chemie auf die Untersuchung biologischer Systeme anwandte. Er erhielt 1910 den Nobelpreis für Medizin für seine Arbeiten über Proteine und insbesondere Nukleinsäuren.

Albrecht Kossel

1905 • Philipp Lenard • Physik

geboren 1862 in Preßburg, gestorben 1947 in Messelhausen
Professor an der Universität Heidelberg: 1896–1898, 1907–1931

Erhielt 1905 den Nobelpreis für Physik für seine bahnbrechenden Arbeiten über die Natur der Kathodenstrahlen. Im Widerspruch zu seiner wissenschaftlichen Kompetenz stand allerdings in den späteren Lebensjahren sein Einsatz für die „Deutsche Physik“, die sich zum Ziel gesetzt hatte, alles „Jüdische“, insbesondere die Relativitätstheorie, aus der Physik zu entfernen.

Philipp Lenard • 1905 • Physik

Heidelberger Nobelpreisträger und der Nationalsozialismus

Analog zu den Entscheidungen des Nobelpreis-Komitees in Stockholm sieht es die Universität Heidelberg nicht als ihre Aufgabe an, den mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Forschern, die gleichzeitig mehr oder weniger offen Anhänger der Nationalsozialisten oder ihres ideologischen Gedankenguts waren, diesen Preis nachträglich abzuerkennen. Ebenso wenig will die Universität sie und ihre Verflechtungen mit dem Unrechtsregime totschweigen.

Die Ruperto Carola sieht sich vielmehr in der Verantwortung, nicht isoliert wissenschaftliche Verdienste, sondern ebenso politisches Tun zu dokumentieren, es ohne Beschönigungen darzustellen und die unselige Verbindung von Teilen der Wissenschaft mit der Nazidiktatur im Gedächtnis lebendig zu erhalten.

Dies steht in direktem Zusammenhang mit dem übergreifenden Anspruch, den unauflöslichen Zusammenhang von wissenschaftlichem Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung zu leben, wie die Ruperto Carola ihn im 2008 beschlossenen Leitbild der Ruprecht-Karls-Universität niedergelegt hat.

Hinweis: Die Darstellungen der Laureaten sind mit den Geschichtswissenschaftlern der Universität im Benehmen mit dem Universitätsarchiv abgestimmt.

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