WörterbuchVom Aussterben bedroht

7. November 2019

Werner Arnold legt Wörterbuch zum neuwestaramäischen Dialekt in Syrien vor – Publikation wird am 13. November vorgestellt

Eine wertvolle Grundlage für die Beschäftigung mit der aramäischen Sprache bietet das gerade erschienene Wörterbuch Neuwestaramäisch-Deutsch von Prof. Dr. Werner Arnold, der als Wissenschaftler am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg tätig ist. Damit wird ein Zugang zu dem lediglich noch in Syrien gesprochenen Dialekt ermöglicht, dessen Überleben infolge der aktuellen Kriegsereignisse stark gefährdet ist. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Publikation wird am 13. November 2019 im Rahmen einer Buchvorstellung präsentiert.

Maʿlūla, Syrien

Das Wörterbuch enthält im Wesentlichen den gesamten Wortschatz der von Prof. Arnold in vier Bänden veröffentlichten Texte aus den etwa 60 km nördlich von Damaskus gelegenen Dörfern Maʿlūla, Baxʿa und Ǧubbʿadīn, in denen dieser Dialekt der aramäischen Sprache – der Muttersprache von Jesus Christus – gesprochen wird. Hinzu kommt der überprüfte Wortschatz der älteren Forschungsliteratur sowie während der Feldforschung gesammeltes, aber in den Texten nicht belegtes Vokabular. Der Bürgerkrieg in Syrien hat dazu geführt, dass zwei dieser Aramäerdörfer von Rebellen besetzt und die Bewohner vertrieben wurden. In ein Dorf konnten die Bewohner teilweise zurückkehren, das andere ist heute unbewohnt. „Ein Wörterbuch, das alle drei Dialekte umfasst, kann es daher in Zukunft nicht mehr geben“, betont der Heidelberger Forscher.

Wie der Wissenschaftler weiter ausführt, ist das Neuwestaramäische in Syrien die einzige überlebende Varietät des Westaramäischen. Das vorgelegte Wörterbuch ist daher für das Verständnis der älteren westaramäischen Dialekte – Jüdisch-Palästinisch, Christlich-Palästinisch und Samaritanisch – von außerordentlicher Wichtigkeit. „Mit seinen zahlreichen etymologischen Angaben stellt das Wörterbuch aber auch ein Hilfsmittel für die vergleichende Aramaistik und Semitistik dar. Sie zeigen die Herkunft des entlehnten Wortschatzes vor allem aus dem Arabischen, aber auch aus zahlreichen anderen Sprachen. Da fast die gesamte Erforschung des Neuwestaramäischen von deutschen Wissenschaftlern geleistet wurde, war die Entscheidung für ein Neuwestaramäisch-Deutsches Wörterbuch selbstverständlich“, so Prof. Arnold. Neben den vier Textbänden ist von dem Heidelberger Wissenschaftler auch eine Grammatik erschienen. Mit dem Wörterbuch ist das sechsteilige Werk nunmehr abgeschlossen und damit die Kenntnis des Neuwestaramäischen erstmals auf eine breite und verlässliche Grundlage gestellt.

Im Rahmen der Vorstellung der Publikation von Werner Arnold „Das Neuwestaramäische. Teil VI: Wörterbuch“ wird Prof. Dr. Steven Fassberg von der Hebräischen Universität Jerusalem einen Vortrag mit dem Titel „The Significance of Western Neo-Aramaic for Semitic and Jewish Studies“ halten. Die Veranstaltung in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften beginnt um 18 Uhr.

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