AuszeichnungHeidelberger Akademie der Wissenschaften zeichnet junge Forscher aus

17. April 2020

Zwei Nachwuchswissenschaftler und ein Doktorand der Ruperto Carola geehrt

Drei junge Forscher der Ruperto Carola werden von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für herausragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Die Biologin Dr. Margarida Cardoso-Moreira erhält einen Preis für ihre Arbeiten zur Dekodierung von Genen, die die Entwicklung der wichtigsten Organe beim Menschen und anderen Säugetieren vor und nach der Geburt bestimmen. Der Astrophysiker Dr. Diederik Kruijssen wird prämiert für seine Beiträge zum Verständnis der Prozesse, die Sternentstehung und Bildung von Sternhaufen in Galaxien im Laufe der kosmischen Geschichte steuern. Zu den Preisträgern gehört außerdem der Islamwissenschaftler Max Stille, der an der Universität Heidelberg promoviert wurde. Er wird für seine Dissertation zu islamischen Volkspredigten in Bangladesch ausgezeichnet. Die Akademie verleiht in diesem Jahr sechs Förderpreise, die an exzellente junge Forscherinnen und Forscher in Baden-Württemberg gehen.

Mit 15.000 Euro dotiert ist der Otto-Schmeil-Preis, der an Dr. Cardoso-Moreira vom Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) geht. Die Wissenschaftlerin entschlüsselte die molekularen Netzwerke, die bereits vor 200 Millionen Jahren die Organentwicklung der frühen Säugetiere kontrollierten. Zudem konnte eine große Anzahl von Genen aufgezeigt werden, deren Aktivitätsmuster bei den verschiedenen Säugetierarten deutlich voneinander abweichen. Diese im Laufe der Evolution entstandenen Unterschiede erklären spezifische Organmerkmale der jeweiligen Spezies. Margarida Cardoso-Moreira schloss ihre Promotion im Jahr 2009 ab. Nach Aufenthalten an Universitäten in den USA und der Schweiz forscht die Wissenschaftlerin seit 2016 am ZMBH. Der Otto-Schmeil-Preis wird alle zwei Jahre verliehen und für herausragende Arbeiten im Bereich der Biologie und der medizinischen Grundlagenforschung vergeben.

Margarida Cardoso-Moreira

Dr. Kruijssen erhält den mit 10.000 Euro dotierten Akademiepreis. Der Astrophysiker hat die zeitliche Abfolge der Sternentstehung in interstellaren Gaswolken rekonstruiert und mit seinen Arbeiten erklärt, unter welchen Bedingungen dieser Prozess zur Bildung der ältesten und massereichsten Sternhaufen führt. Aus den beobachteten Eigenschaften der Sternhaufen hat der Wissenschaftler zudem abgeleitet, wie sich die Milchstraße durch Verschmelzen kleinerer Galaxien zusammensetzt. Diederik Kruijssen wurde im Jahr 2011 an der Universität Utrecht (Niederlande) promoviert. Anschließend war er als Postdoktorand am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München tätig. Seit 2016 leitet er eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe am Astronomischen-Recheninstitut, das zum Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg gehört. Die Preisträger des Akademiepreises werden abwechselnd durch die Mitglieder der Mathematisch-naturwissenschaftlichen und der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vorgeschlagen.

Diederik Kruijssen

Exzellente Arbeiten aus dem Bereich der Geschichts- und Kulturwissenschaften honoriert der mit 6.000 Euro dotierte Walter-Witzenmann-Preis. Gewürdigt wird damit die Doktorarbeit von Max Stille, in der er sich dem bislang wenig erforschten Thema der islamischen Volkspredigten in Bangladesch aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen nähert. Die Institution der sogenannten „waz mahfils“ erfreut sich insbesondere in den sozial schwachen Bevölkerungsschichten großer Beliebtheit, wird jedoch bislang häufig als islamistische Propaganda wahrgenommen und von wissenschaftlicher Seite gemieden. Der Islamwissenschaftler plädiert in seiner Arbeit für eine weitergehende Betrachtung der verschiedenen religiösen, sozialen und poetischen Ebenen dieser Predigtform. Max Stille studierte Arabistik und südasiatische Geschichte an der Universität Heidelberg, an der er im Jahr 2017 auf dem Gebiet der Südasienstudien auch promoviert wurde. Er ist Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und gehört als assoziiertes Mitglied dem Heidelberg Centre for Transcultural Studies an.

Max Stille

Die Preisträgerinnen und Preisträger werden ihre ausgezeichneten Arbeiten im Laufe des Jahres auch der Öffentlichkeit vorstellen. Ein Termin wird noch bekanntgegeben.