Forschungsprojekte

Reichskloster Schuttern
Bodendenkmal Zullestein
MUSIEKE
ILLICID
Römische Steindenkmäler
Ladenburg
Wersau

Verborgenes Kulturerbe sichtbar machen. Visualisierungen von historischen Kultur- und Naturlandschaften am Beispiel des ‚Zullestein‘

Der auf dem Gebiet der Gemeinde Biblis gelegene Zullestein gehört zu den bedeutendsten Denkmälern Südhessens. Die Anlage geht auf eine unweit der Weschnitzmündung in den Rhein erbaute spätrömische Kleinfestung (burgus) zurück, die kontinuierlich von Römerzeit bis in die Frühe Neuzeit genutzt wurde. Im Frühmittelalter gelangte das Königsgut Zullestein in den Besitz des Klosters Lorsch, das hier seinen Rheinhafen (portus) und Markt besaß. Im Mittelalter war die Burg Stein ein regional bedeutender Herrschaftssitz. Nach den Ausgrabungen in der 1970er Jahren blieb die Ruine ein wenig beachtetes Kulturdenkmal inmitten der Rheinauen. Gemeinsam mit der Welterbestätte Kloster Lorsch und dem Landesamt für Denkmalpflege, hessenARCHÄOLOGIE bemüht sich das HCCH um weitere Erforschung des Zullesteins seit 2015. Die neu gewonnenen Erkenntnisse sollen die Basis für ein neues touristisches Nutzungskonzept sein, dass den Ort in der lokalen und in der überregionalen Wahrnehmung als bedeutendes Kulturdenkmal in den Mittelpunkt rückt.

Weitere Informationen zu dem 2019 durchgeführten Kooperationsprojekt, in dessen Rahmen die unten dargestellte neue Visualisierung des spätrömischen burgus angefertigt wurde, finden Sie hier.

 

 

 

Die Burg Wersau – Ein Citizen Science Projekt

Citizen Science WersauDie ehemalige Burg Wersau in Reilingen gehört zu einer der wenigen Niederungsburgen des Rhein- Neckargebietes, die aktiv archäologisch untersucht werden. Die obertägig abgegangene Anlage, die seit ihrer Gründung im frühen Hochmittelalter bis ins 18. Jahrhundert bestand, diente als Zollburg, Jagdschloss und Kellerei der Kurfürsten bei Rhein. Auch nach der Zerstörung der Burg wurde das Gelände noch bis an das Ende des 20. Jahrhunderts durchgehend weiter bewohnt, diente als Mühle, Wirtschaftshof und Wohnort und kann somit auf eine über 800 Jahre währende Geschichte zurückblicken.

Dass Pfalzgraf Ruprecht I. 1386 die Burg Wersau als Ort wählte um die Gründungsurkunde der Universität Heidelberg zu empfangen zeigt, welche besondere Bedeutung man der Anlage im Hochmittelalter zusprach. Damit bietet der Ort einen hervorragenden Ausgangspunkt die Rolle der weitestgehend in Vergessenheit geratenen Niederungsburgen in der Rheinebene, sowie die Geschichte der Kurpfalz anhand der archäologischen Hinterlassenschaften neu zu beleuchten.1675 - Ausschnitt Karte Der Festung Udenheim _hist. Museum Speyer B.s. 3631_

Mit Hilfe eines intensiven ehrenamtlichen Engagements und in Kooperation mit der Gemeinde Reilingen hat sich das HCCH zur Aufgabe gemacht das Gelände der ehemaligen Burg Wersau als regionale Bildungsstätte für Archäologie und Lokalgeschichte wissenschaftlich aufzubereiten und mit Hilfe eines touristischen Nutzungskonzeptes für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Das Reichkloster Schuttern in Mittelalter und Früher Neuzeit

Exkursion Schuttern4Das Kloster Schuttern gehört zur Reihe der frühesten Klostergründungen im deutschen Südwesten. Seine Bedeutung in der karolingischen Epoche ist daran abzulesen, dass es Anfang des 9. Jh. zu den vermögendsten fränkischen Abteien gezählt wurde und in dieser Zeit über ein leistungsfähiges Skriptorium verfügte, aus dem etwa das berühmte ‚Schutterner Evangeliar‘ (heute in London) hervorging. In späterer Zeit, vermutlich im Laufe des 11. Jh., entstand in der Klosterkirche einer der ganz wenigen figürlich gestalteten Mosaikfußböden nördlich der Alpen.

Die Gemeinde Friesenheim, die Universitätsbibliothek Heidelberg und das HCCH haben es sich zum Ziel gesetzt, die Klostergeschichte durch verschiedene Maßnahmen sichtbarer und erfahrbar zu machen. Im Mittelpunkt stehen dabei der Aufbau einer „Virtuelle Klosterbibliothek Schuttern“ an der UB Heidelberg (in Kooperation mit der Abteilung für Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit am Historischen Seminar) und die Neugestaltung der Präsentation eines „Klostermuseums Schuttern“.

Presse

 

 

Multidimensionale Sicht- und Erfahrbarmachung von Kulturerbe (MUSIEKE): Entwicklung einer interdisziplinären Methodik zum Messen, Sehen und Verstehen kulturellen Wandels in realen und virtuellen Räumen 

Wie gehen unterschiedliche Epochen und Disziplinen mit den Relikten der Vergangenheit um? Wie wird ein Gegenstand zum Symbol und zum Kulturerbe? Was wird sichtbar, wenn Kulturerbe digitalisiert wird? Diese Fragen treiben Forscherinnen und Forscher verschiedenster Photo 2015-02-19 18-42-48Fachrichtungen um. Am Beispiel eines Monuments aus dem römischen Lopodunum (Ladenburg) wird versucht, eine umfassende Methodik zur nachhaltigen Sicht- und Erfahrbarmachung von Kulturerbe zu erarbeiten.

Die Jupiter-Giganten-Säule aus Ladenburg ist ein Paradebeispiel dafür, wie Menschen in unterschiedlichen Epochen mit Kulturerbe umgegangen sind. Sie wurde bald nach ihrer Fertigung (ca. 200 n. Chr.) mehrfach beschädigt, restauriert und schließlich in einem Brunnen entsorgt. Erst 1973 wurde sie bei Bauarbeiten in Ladenburg wiederentdeckt und ins Lobdengau-Museum Ladenburg verbracht, aber bislang kaum erforscht.

Dies erfolgt nun in dem Projekt, das im Rahmen der HeiKA-Forschungsbrücke finanziert wurde. So konnte erstmals der archäologische Kontext gesichtet und das Monument aus historischer und kunsthistorischer Sicht gründlich analysiert werden. Gleichzeitig wurde ein neuer, hochauflösender 3D-Scan der Säule erstellt. Schließlich wurde eine Einbettung des Denkmals in die moderne Kulturlandschaft der Stadt Ladenburg erarbeitet. Darüber hinaus leistet das MUSIEKE-Projekt einen Beitrag zur Stärkung zur forschenden Lehre und zur Lebendigkeit der Forschungspartnerschaft zwischen Heidelberg und Karlsruhe.

Koordiniert wurden die Forschungsaktivitäten in der ersten Phase vom ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am KIT Karlsruhe. Beteiligt sind ferner neben dem HCCH das Institut für Photogrammmetrie und Fernerkundung (IPF) am KIT und sowie an der Universität Heidelberg die Geo-Informatik und insbesondere das FCGL - Forensic Computational Geometry Laboratory .

Presse

 

Verfahren zur Erhellung des Dunkelfeldes als Grundlage für Kriminalitätsbekämpfung und -prävention am Beispiel antiker Kulturgüter (ILLICID)

Image001Gewinne aus illegalem Handel mit Kulturgütern sind ein wichtiges Standbein der organisierten Kriminalität. Dabei bestehen Verbindungen zum Rauschgift und Waffenhandel, zur Geldwäsche sowie zur Terrorismusfinanzierung. Zurzeit gibt es weder belastbares Zahlenmaterial zum jährlichen Umfang des illegalen Handels mit Kulturgütern in Deutschland noch leistungsfähige Verfahren zur Erhebung der entsprechenden Fakten.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Berlin), das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt sowie das GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften (Mannheim) erforschen gemeinsam in der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Richtlinie „Schutz vor organisierter Kriminalität“ das Dunkelfeld des illegalen Handels mit Kulturgut. Dabei konzentrieren sich die Projektpartner in einem Pilotprojekt auf antike Kulturgüter aus dem östlichen Mittelmeerraum.

Das HCCH ist als assoziierter Partner in das Verbundvorhaben involviert und hat sich aktiv an der Dissemination der Forschungsergebnisse in der universitären Lehre etwa durch eine Reihe von Summer Schools beteiligt.

 

 

Die römischen Steindenkmäler in den Reiss-Engelhorn-Museen (REM) Mannheim – Wissenschaftliche Dokumentation und Edition

SteindenkmälerremZiel des von der Fitz Thyssen Stiftung geförderten Projektes ist die detaillierte Dokumentation, wissenschaftliche Aufarbeitung und Publikation der römischen Steindenkmäler in den REM Mannheim. Dabei handelt es sich um eine der bedeutendsten Sammlungen römischer Grabsteine, Weihreliefs, Meilensteine, Architekturglieder und weiterer Inschriften in Deutschland, die bis heute nur ausschnitthaft publiziert wurde. Sie besteht aus ca. 120 Objekten, die knapp zur Hälfte aus dem Rhein-Neckar-Raum stammen und Auskunft über die Kulturgeschichte der Region geben. Die andere Hälfte der Stücke gründet sich auf die Sammelleidenschaft des Kurfürsten Carl Theodor und wurde im 18. Jh. von ihm und später durch den Mannheimer Altertumsvereine aus verschiedenen Teilen Deutschlands zusammengekauft. Die Stücke sind somit nicht nur wichtig für die antike Sozial-. Religions- und Mentalitätsgeschichte der Gegend um Mannheim, sondern auch als Zeugnis zunächst höfischer, später bürgerlicher Sammelleidenschaft und somit von außerordentlicher rezeptionsgeschichtlicher Bedeutung.

Das Projekt wird durchgeführt in Kooperation mit dem Institut für Klassische Archäologie Tübingen, den REM Mannheim sowie dem Mannheimer Altertumsverein. Im Frühjahr 2016 fand hierzu ein vom HCCH organisierter Workshop in Mannheim und Ladenburg statt.

 

 

 

Ladenburg und das Neckarmündungsgebiet in den ‚dunklen Jahrhunderten‘ zwischen Antike und Mittelalter

Dsc 0143Das historische Selbstverständnis der Stadt Ladenburg gründet vorrangig auf Zeugnissen aus Römerzeit und Mittelalter, die im Stadtbild bis heute stark präsent sind. Weitgehend unberücksichtigt blieben hingegen bislang die Epochen der Spätantike und des Frühmittelalters, die einzig über die reichen archäologischen Fundbestände aus der Stadt und ihrem Umland, die zu großen Teilen im örtlichen Lobdengau-Museum lagern, erschließbar sind. Bei der Aufarbeitung wichtiger Fundkomplexe aus dem 3. bis 9. Jahrhundert n. Chr. im Rahmen eines kleineren Forschungsprojekts zeigte sich, dass Ladenburg und das Neckarmündungsgebiet eine Schlüsselregion zum Verständnis der verschiedenen historischen Prozesse in diesen Umbruchzeiten bilden. Die Aufarbeitung wurde finanziell unterstützt vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg.

In einer Ausstellung im Lobdengau-Museum unter dem Titel „Große Welten – kleine Welten. Ladenburg und der Lobdengau zwischen Antike und Mittelalter“ (2017/18)  wurden die Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Ein umfangreicher Begleitband  zur Ausstellung fasst die Ergebnisse nicht nur zusammen, sondern verdeutlicht auch die Stellung dieser eher weniger bekannten Epochen in der regionalen und überregionalen Geschichte. Zudem wird Ende 2018 ein Band mit den wichtigsten wissenschaftlichen Ergebnissen einer Tagung, die vom HCCH im November 2014 in Ladenburg veranstaltet wurde, erscheinen, der ebenfalls vom Landesamt für Denkmalpflege unterstützt und finanziert wird.

 

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Letzte Änderung: 06.05.2020
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