Städtische Konfrontationen und Moderationen zum Islam: Co-Radikalisierungsprozesse und die Folgen für eine produktive Islamkritik

Collage

Beteiligte Wissenschaftler:

Dr. Ertuğrul Şahin (Projektwissenschaftler)
Prof. Dr. Thomas Schmitt (Projektleiter)

Forschungsprojekt gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (2021 – 2024)
 

Zum Projekt:

 

Das Projekt erkundet in einem ersten großen Schritt Wechselwirkungen bzw. mögliche Co-Radikalisierungsprozesse in Stadtgesellschaften, nämlich zwischen anti-muslimischen Gruppierungen und Gruppierungen des radikalen Islam, sowie deren Auswirkungen auf weitere Bereiche der Stadtgesellschaft, insbesondere auch auf weitere muslimische Gruppierungen. Hierzu werden diese Prozesse zunächst mittels diskursanalytischer Methoden sowie mittels Einzel- und Gruppeninterviews erfasst. Dabei werden auch Auswirkungen entsprechender Co-Radikalisierungen oder Wechselwirkungen auf unterschiedliche muslimische Milieus eruiert. Auf dieser Grundlage wendet sich das Projekt lokalen, regionalen und überregionalen Kommunikations-, Bearbeitungs- und Moderationsformaten zu, die z.B. als Reaktion auf entsprechende Radikalisierungsprozesse eingerichtet wurden. Diese werden – sofern möglich – u. a. mit Methoden der teilnehmenden Beobachtung begleitet. Dabei konzentriert sich das Projekt auf vier Untersuchungsstädte bzw. Stadtregionen. Hierzu sind nach der Planung zum Projektstart Dresden, Erfurt, Frankfurt a. M. sowie Mannheim/Ludwigshafen vorgesehen. Bewusst werden dabei gleichermaßen ost- wie westdeutsche regionale Kontexte berücksichtigt.

Der zweite große Erhebungs- und Analysebereich des Projekts nimmt die Erfahrungen aus den Stadtregionen als Ausgangspunkt, um in genereller Weise die Frage nach den Möglichkeiten und Bedingungen einer gesellschaftlich produktiven Islamkritik aufzugreifen: einer Islamkritik, welche Problembereiche offen anspricht, aber zugleich (Co-)Radikalisierungsprozesse gerade nicht unterstützt. Die Auswertungen aus den stadtbezogenen Untersuchungen werden dabei gemeinsam mit Expert*innen unterschiedlicher Tätigkeitsfelder (z.B. der Dialogarbeit und Extremismusprävention), mit Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen, mit Muslimen, aber auch mit Islamkritiker*innen diskutiert und im Hinblick auf ihre Verallgemeinerungsfähigkeit und Übertragbarkeit reflektiert. In einer abschließenden empirischen Phase sollen experimentell in Planspielen Ansätze, die aus diesen Überlegungen abgeleitet wurden, getestet werden. Die Erkenntnisse des Projekts werden u.a. mittels Online-Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Das Projekt am HCCH der Universität Heidelberg ist Teil des Verbundantrags „Wechselwirkungen islamistischer Radikalisierung im gesellschaftlichen und politischem Kontext“, welches am Erlanger Zentrum für Islam und Recht im Europa (EZIRE) der Universität Erlangen-Nürnberg angesiedelt ist

E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 21.06.2021
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