Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Forschung


Projektleiter:  PD Dr. Tino LichtGRH Logo

    E-Mail:     tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de
    Telefon:   06221/54-2736   
    Telefax: 06221/54-3701



1. Politische Dichtung der Karolingerzeit. Walahfrid am Hof Ludwigs des Frommen

Projektzusammenfassung:
Der im Kloster Reichenau erzogene Walahfrid Strabo (†849) hat früh ein großes Sprach- und Dichtertalent erkennen lassen. Mit etwa 20 Jahren wurde er zur höheren Ausbildung nach Fulda delegiert und konnte von dort aus eine Anstellung als Dichter am Hof Ludwigs des Frommen erlangen. Zu dieser Zeit verschlechterten sich die politischen Verhältnisse durch den karolingischen Familienzwist rapide; die mehrfache Absetzung des Kaisers und die wechselnden Auseinandersetzungen unter seinen Söhnen führten die karolingische Herrschaft in eine schwere Krise, von der auch die so prominent besetzte Gesellschaft der Hofgelehrten und -literaten erfasst wurde. In seinem ersten Jahr bei Hof (829) schrieb Walahfrid unter dem Eindruck dieser Situation ein umfangreiches Poem, das zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Gedichten seines Œuvres und der karolingischen Dichtung insgesamt gehört. Es handelt sich rein äußerlich um eine Invektive gegen das unter Karl dem Großen aus Ravenna nach Aachen transferierte und vor der Königspfalz aufgestellte Reiterstandbild Theoderichs des Großen (De imagine Tetrici), im Kern aber findet sich ein brisantes Zeugnis politischer Verunsicherung und Neuorientierung, in dem die Risse in der Herrscherfamilie und der Hofgesellschaft kaum überdeckt werden können.

Ziel des Projekts:
  • Neuedition, Übersetzung und Kommentierung
  • Lehr- und Vortragsveranstaltungen zur Erschließung zahlreicher kleinerer Gedichte und weiterer Werke Walahfrids

Projektlaufzeit: 3 Jahre

Zu dem Projekt findet an der Universität Heidelberg am 27./28. September 2018 eine Tagung "Walahfrid Strabo und die politische Literatur des IX. Jahrhunderts" statt.

2. Ein unbeachtetes Bischofsleben aus der Zeit Gregors des Großen. Die Vita des Aredius von Gap

Projektzusammenfassung:
Zu den unbeachteten Werken der frühmittelalterlichen Literatur gehört die Vita des Bischofs Aredius (†ca.608) von Gap in der Provence. Ihre Überlieferung hing am seidenen Faden: Von dem Jesuiten Jacques Sirmond wurde der Text im Jahr 1608 transkribiert und im Jahr 1657 von Phillipe Labbe gedruckt. Das einzige bekannte Manuskript aus der Bibliothek des Klosters Souvigny ging früh verloren. Die Editoren der Acta Sanctorum haben es bei ihrer Ausgabe von 1680 nicht konsultieren können, sondern den Text Sirmonds überarbeitet, zahlreiche Lesarten verworfen und eine 'emendierte' Fassung hergestellt, die noch immer Grundlage für die Beschäftigung mit der Vita ist. Dass die Vita sogar den Editoren der Merowingerbände bei den MGH entgangen ist, zeigt ihre völlige Vernachlässigung. Dabei handelt es sich um ein kultur- und sprachgeschichtlich einzigartiges Zeugnis der Umbruchzeit um 600, mit Schilderungen von Schifffahrt, Jagd, Ernte, Reise, Büchertransfer und dem Ausgreifen der Natur in die spätantiken Städte. Im XI. Jahrhundert ist die Lebensbeschreibung wohl in Grenoble noch einmal als Vita II stilistisch überarbeitet worden.

Ziel des Projekts:
  • Edition, Übersetzung und Kommentierung beider Viten in einem Band
  • Lehrveranstaltungen: Textkonstitution der Vita (WS 11/12; WS 13/14)

Projektlaufzeit: 2 Jahre




          SFB 933 «Materiale Textkulturen»   
          Materialität und Präsenz des Geschrieben

                                                                                                                        

          



A08:
Reliquienauthentiken. Matrialität und Präsenz einer ausgesparten Sonderform frühmittelalterlicher Schriftlichkeit
http://www.materiale-textkulturen.de/#&panel1-11

Teilprojektleiter:

PD Dr. Tino Licht
Telefon:   06221/54-2736        Telefax: 06221/54-3701

Mitarbeiterin:

Dr. Kirsten Wallenwein
Telefon:   06221/54-3028       

Projektzusammenfassung:
  • Grundlagenforschung zu einem unerschlossenen Reservoir der frühmittelalterlichen Schrift- und Kulturgeschichte
  • Über das einzelne Artefaktarrangement hinausgehende wissenschaftliche Dokumentation des Phänomens Reliquienauthentik
  • Hauptaugenmerk auf der Rezeptionspraxis: Zusammenspiel von (dauerhafter) Materialität und (verbergender) Deponierung
  • Meta-Texte zur Reliquientranslation und -verehrung samt 'Identifikationswundern'

A04:

Wissenstransfer von der Antike ins Mittelalter. Bedingungen und Wirkungen dauerhafter Verschriftlichung am Beispiel des Klosters Lorsch

http://www.materiale-textkulturen.de/teilprojekte.php#&panel1-4


Teilprojektleiter:
Prof. Dr. Stefan Weinfurter
Telefon:   06221/54-2293        Telefax:    06221/54-2438

Mitarbeiter/-innen:
Dr. Julia Becker
          Telefon:   06221/54-3028

PD Dr. Tino Licht
Telefon:   06221/54-2736        Telefax: 06221/54-3701

Dr. Natalie Maag
          Telefon:   06221/54-3028    

Dr. Kirsten Wallenwein
Telefon:   06221/54-3028       


Projektzusammenfassung:
  • Die Handschrift als direkter Zugang zur karolingischen Rezeption antiker, spätantiker und frühmittelalterlicher Texte
  • Die karolingischen Bibliothekskataloge zur Rekonstruktion des Handschriftenarrangements
  • Meta-Texte zum Lorscher Bibliotheksbestand
  • Leitfrage: Wie gehen die Gelehrten der Karolingerzeit mit der tradierten Schriftlichkeit und dem verfügbaren Wissen um und wie werden Überlieferungsentscheidungen und Rezeption gesteuert?
Themenschwerpunkte:
  • Wissenstransfer von der Antike ins Mittelalter. Bedingungen und Wirkungen dauerhafter Verschriftlichung am Beispiel des Klosters Lorsch (Bearbeiterin: Dr. Julia Becker)
  • Frühe Schriftkultur im Bodenseeraum. Untersuchungen zur alemannischen Minuskel (Bearbeiterin: Dr. Natalie Maag; das Projekt ist abgeschlossen; die Ergebnisse sind publiziert)
  • Corpus subscriptionum. Verzeichnis der Beglaubigungen von spätantiken und frühmittelalterlichen Textabschriften (Bearbeiterin: Dr. Kirsten Wallenwein; das Projekt ist abgeschlossen; die Ergebnisse sind publiziert)


zum
                  Seitenanfang