Emanuel Grec

Henchmen to Killers: War Criminals and Perpetrators in Romania's Postwar Trials (1945-1948)

Nils Herzog

Russisches Engagement im tadschikischen Bürgerkrieg

Timur Mitrofanov

The legal culture and township courts of the peasants in the Kazan province of late Imperial Russia

Matthias Puchta  

Wehrmacht und sowjetische Kriegsgefangene in Russland, 1941-1944

Wolfgang Schneider

Sowjetische Kollaborationsprozesse gegen Judenräte und Ghettopolizisten

Marina Shcherbakova     

Soviet Jewish museums within the framework of the national policies of  the USSR

Jasmin Söhner

Politisierung und Praxis der deutsch-sowjetischen Justizkooperation im Kalten Krieg

Thomas Somló     

Von einem Wehrersatzdienst für "unzuverlässige Elemente" zu einem "mobilen Schafott" ― Alltag und (Über-) Leben im jüdischen Arbeitsdienst der ungarischen Armee während des Zweiten Weltkrieges im Spiegel von Augenzeugenberichten

Roman Tsirulev

Russian Empire in the Far East: Colonization, Identity and Nation Building, 1855-1905

                                       

 

 


 

Abgeschlossene Dissertationsprojekte seit Oktober 2013

Laura Sembritzki: Atommüllkatastrophen und Strahlenschutz. Nukleares Wissen und Technopolitik in der Region Čeljabinsk, 1949-1991
abgeschlossen Februar 2019

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde mit aller Macht das sowjetische Atomprogramm vorangetrieben. Dies erforderte bald die Etablierung von Strahlenschutznormen, welchen unter den Bedingungen des Kalten Krieges und im diskursiven Spannungsfeld von Fortschritt und Risiko zunehmende Bedeutung für die nukleare Technopolitik zukommen sollte. Das lässt sich besonders anschaulich am Beispiel der Region Čeljabinsk erläutern. Dort entstanden Ende der 1940er Jahre zahlreiche nukleare Forschungs- und Produktionsstätten. Durch deren Betrieb kam es zur radioaktiven Verunreinigung des örtlichen Wassersystems. 1957 führte eine große Atommüllexplosion im Kombinat Majak zur Kontamination weiter Gebiete im Süd-Ural. Zur Bewältigung der Katastrophe entstanden in der Region Čeljabinsk erste administrative Praktiken zum Umgang mit radioaktiver Kontamination sowie eine Reihe biophysikalischer und radiomedizinischer Forschungsinstitute.
Mit einem praxeologischen Ansatz untersucht das Dissertationsprojekt auf der Grundlage neu zugänglicher Archivbestände, wie in diesen neuen Einrichtungen wegweisende Wissensbestände produziert wurden, die dann für die Organisation des zentral beim Gesundheitsministerium der UdSSR angesiedelten Strahlenschutzes sowie bei der wissenschaftlichen Ausarbeitung der Strahlenschutznormierung eine wichtige Rolle spielten. Dieser Praxis- und Wissenstransfer wird auch anhand der Karrierewege mehrerer Akteure aus der Region Čeljabinsk nachgezeichnet, die später in Moskau als führende Experten wichtige Posten im Rahmen der Strahlensicherheit übernahmen.

Ausgehend von der Region richtet sich der Blick auf die unionsweite Organisation des Strahlenschutzes und darüber hinaus auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit auf internationaler Ebene, um auf einem sich neu etablierenden Forschungsfeld die Produktion von nuklearem Wissen sowie dessen Umsetzung in Regulierungen und Praktiken näher zu beschreiben. Thematisiert wird daher auch das Engagement der Čeljabinsker Forscher/innen im Rahmen internationaler Organisationen (ICRP(U), WHO, IAEA, UNSCEAR). Die Analyse der dort geführten wissenschaftlichen Auseinandersetzung über die maximal zulässigen Dosen radioaktiver Strahlung ermöglicht Einblicke in die wissenschaftlich-technologische Verflechtungsgeschichte der geteilten Moderne des Kalten Krieges.

Das Dissertationsprojekt konzentriert sich vor allem auf die Prozesse in den 1950er und 1960er Jahren. Damals fielen richtungsweisende Entscheidungen für die nukleare Technopolitik. In die Analyse einbezogen werden aber auch die Entwicklungen während der Perestrojka-Zeit, als die nukleare Katastrophe von 1957 und ihre weitreichenden Folgen zum Thema unionsweiter Medienberichte und Debatten wurden. Damals gelangten nicht nur lange geheim gehaltene Informationen erstmals an die Öffentlichkeit. Darüber hinaus begannen auch gesellschaftliche Aushandlungsprozesse über nukleares „risk assessment“. Im Zuge der nun thematisierten environmental justice erhielten die rechtlichen Dimensionen und die Frage nach Kompensationsleistungen für Geschädigte wachsende Aufmerksamkeit. In diesen Diskussionen spielten Wissenschaftler/innen aus der Region Čeljabinsk erneut eine wichtige Rolle. Auf gesamtstaatlicher Ebene nahmen sie Einfluss auf die Bestimmung maximaler Strahlendosen und medizinischer Indikatoren. Diese dienten als Grundlage für die Ausarbeitung von Entschädigungsgesetzen, die international Beachtung fanden.

 

Andrii Reshetko: Städtische Selbstverwaltung im Wandel - Ekaterinodar 1870 bis 1914. Frankfurt am Main et al. 2016 (Europäische Hochschulschriften; Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften ; Band 1097), betreut von Prof. Dr. Heinz-Dietrich Löwe, abgeschlossen am 23.04.2015

Die Stadt Ekaterinodar in der südrussischen Provinz des Russischen Reiches steht im Mittelpunkt dieses Buchs, die in vielen Aspekten unter den Provinzstädten einen Sonderfall darstellte. Der Autor untersucht den Veränderungsprozess von staatlicher Administration zu städtischer Selbstverwaltung sowie ihre weitere Entfaltung in Ekaterinodar in einer breiten Perspektive und vergleicht die Ergebnisse mit anderen Städten. Dabei spiegelten sich die Auswirkungen der Städtereform von 1870 und 1892 besonders beispielhaft in Ekaterinodar (heutiges Krasnodar) wider. Die Stadt hat den durch die Reformen gegebenen Entwicklungsimpuls auf beeindruckende Weise und nachhaltig genutzt und sich innerhalb von vierzig Jahren von einer kleinen Kosakenstadt zu einer der größten Städte des Südens entwickelt.

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Letzte Änderung: 16.11.2021
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