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Verena Meier

Forschungsstelle Antiziganismus
 

Funktion/Position

Doktorandin/Stipendiatin der Forschungsstelle Antiziganismus
 

Kontakt

Büro:
Hauptstraße 216

Postanschrift:
Historisches Seminar der Universität Heidelberg
Hauptstraße 216
D-69117 Heidelberg

E-Mail: verena.meier@zegk.uni-heidelberg.de
 

Zur Person

  • Seit 8/2018: Promotionsstipendiatin an der Forschungsstelle Antiziganismus

  • Seit 4/2010: Studium der Erweiterungsfächer Europäische Kunstgeschichte und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Hebrew University Jerusalem (Staatsexamen mit Gymnasiallehramt)

  • 10/2009-5/2016: Studium der Hauptfächer Geschichte und Anglistik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Staatsexamen mit Gymnasiallehramt)

  • 2008: Abitur am Gymnasium Sulingen, Niedersachsen

Stipendien und Auszeichnungen

  • Promotionsstipendiatin an der Forschungsstelle Antiziganismus
  • Erasmus+ Stipendium für zwei Semester an der Hebrew University in Jerusalem, Israel

  • DAAD Kurzzeitstipendium für ein Praktikum an der Deutschen Schule in Nairobi, Kenia

Beschäftigungen und Praktika

Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre

  • Historische Antiziganismus- und Antisemitismusforschung

  • Nationalsozialismus

  • Minderheitengeschichte

  • Ideengeschichte

Dissertationsprojekt: Die Verfolgung von Sinti und Roma in Magdeburg unter nationalsozialistischer Herrschaft (Arbeitstitel)

Neben der umfangreichsten Überlieferung des Kölner Bestandes an kriminalpolizeilichen "Zigeunerpersonalakten" findet sich im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt ein Bestand von über 600 Akten der ehemaligen Magdeburger "Dienststelle für Zigeunerfragen". Dieser Quellentypus gilt in der Forschung als "Schlüsseldokumente für den Völkermord an Sinti und Roma". Sie entstanden im Zuge des Runderlasses von Heinrich Himmler vom 8. Dezember 1938 und dessen Durchführungsbestimmungen von März 1939, womit die systematische Erfassung aller Sinti und Roma im Reichsgebiet angeordnet wurde. Ergebnisse der "rassenbiologischen Untersuchungen", die von den Mitarbeitern der Rassenhygienischen Forschungsstelle (RHF) unter Leitung von Dr. Robert Ritter vorgenommen wurden, fanden ebenfalls Eingang in die "Zigeunerpersonalakten". Damit wurde die Grundlage für die späteren Deportationen in Vernichtungslager geschaffen, welche "rassisch" begründet wurden. Dieser umfangreiche und gesicherte Quellenbestand ist Ausgangspunkt des angestrebten Promotionsprojektes zur regionalgeschichtlichen Untersuchung der nationalsozialistischen Verfolgung von "Zigeunern" in Magdeburg. Das Wechselspiel zwischen lokalen, regionalen und reichsweiten Maßnahmen und der sukzessiven Radikalisierung der nationalsozialistischen Verfolgung in Magdeburg sowie der Einfluss und Handlungsspielraum von kommunalen Behörden und städtischen Institutionen wird in diesem Promotionsprojekt eingehend untersucht. Wie haben lokale Institutionen auf Entscheidungsprozesse übergeordneter Instanzen von Staat und Polizei reagiert? Inwieweit haben sie zuvor Initiativen ergriffen, bevor sie später aufgrund von übergeordneten Verfügungen reichsweit durchgeführt werden sollten? Welche antiziganistischen Grundhaltungen lagen bei den Tätern vor Ort vor und waren diese deckungsgleich mit den größtenteils wissenschaftlich-biologistischen Rassismen der Täter aus den übergeordneten zentralen Apparaten der Verfolgung wie Rassenhygienische Forschungsstelle und dem Reichssicherheitshauptamt ("Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens", ab 1939 Amt V des Reichssicherheitshauptamts)?

Eine Regionalstudie ermöglicht das konkrete Aufzeigen der Verfolgungspraxis sowie eine differenzierte Herausarbeitung der zugrundeliegenden Ideologie der Protagonisten der Verfolgung. Der "wissenschaftlich-polizeiliche" Verfolgungsapparat soll mikroperspektivisch untersucht werden, unter besonderer Berücksichtigung der antiziganistischen Grundhaltungen der Täter, der Reaktionen der "bystander", der praktischen Durchführung sowie der Auswirkungen auf die Opfer. Die Protagonisten der nationalsozialistischen Verfolgung von "Zigeunern" werden in ihrem Beziehungsgeflecht von Akteuren und Institutionen herausgearbeitet. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten trieben lokale Allianzen aus städtischem Verwaltungsapparat, Polizei und NSDAP-Dienststellen die Verfolgung von Sinti und Roma maßgeblich voran. Durch die Zentralisierung des Polizeiapparates 1938 und 1939 wurde auch in Magdeburg eine regionale "Dienststelle für Zigeunerfragen" etabliert. Genauer untersucht werden muss die Praxis der lokalen Ebene, die, wie aus anderen Lokalstudien bekannt ist, mit Impulsen nach oben zu einer Radikalisierung der Verfolgung maßgeblich beitrug. Es wird analysiert, wie der Handlungsspielraum an der behördlichen Basis genutzt wurde und Deportationen nach Auschwitz-Birkenau lokal vorangetrieben oder durch Formen des Widerstands weniger exzessiv betrieben wurden. Darüber hinaus wird der Prozess der Ausgrenzung und Verfolgung der Sinti und Roma in Magdeburg vor 1933 im Promotionsprojekt in den Blick genommen werden, um die Spezifika und Radikalisierung der Verfolgung von "Zigeunern" unter dem Nationalsozialismus herauszuarbeiten. Die Nachkriegskarrieren der Täter aus Magedburg in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und DDR sowie der Umgang mit den Opfern wird außerdem untersucht. Gerade auf dem Gebiet der SBZ und DDR gibt es bislang wenige Forschungsarbeiten im Bereich der Antiziganismusforschung.

 

Veröffentlichungen

  • Herausgeberschaft: Between Collaboration and Resistance. Papers from the 21st Workshop on the History and Memory of National Socialist Camps and Extermination Sites, Berlin 2018/2019 (mit Anneliese Bobeldijk, Karoline Georg, Paula Oppermann). [In Bearbeitung].

  • "Menschliche Arbeitsmaschinen". Philosophische Überlegungen zum Diskurs des NS- Regimes über sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz, in: Daniela Gress (Hg.): Minderheiten und Arbeit im 19. und 20. Jahrhundert. Aspekte einer vielschichtigen Beziehungsgeschichte, Heidelberg 2018.[In Drucklegung].

  • Heidelberg im Nationalsozialismus unter die Lupe genommen – Projektbericht der Heidelberger Lupe e.V., in: Heidelberger Geschichtsverein (Hg.): Jahrbuch 2019, Heidelberg 2018 (mit Felix Pawlowski, Jasmin Elsner-Huber, Nadine Povoden).[In Drucklegung].

  • Jugend und Erziehung im Nationalsozialismus, in: Heidelberger Lupe (Hg.): Spurensuche – Heidelberg im Nationalsozialismus. Materialheft mit lokalhistorischen Quellen, Heidelberg 2017, S. 29–48 (mit Jacqueline Dotzer).

  • Frauen im Nationalsozialismus, in: Heidelberger Lupe (Hg.): Spurensuche – Heidelberg im Nationalsozialismus. Materialheft mit lokalhistorischen Quellen, Heidelberg 2017, S. 49–68 (mit Helen Wiedmeier).

  • NS-Euthanasie, in: Heidelberger Lupe (Hg.): Spurensuche – Heidelberg im Nationalsozia.lismus. Materialheft mit lokalhistorischen Quellen, Heidelberg 2017, S. 127–146 (mit Felix Pawlowski).

  • 'Neither bloody persecution nor well intended civilizing missions changed their nature or their number': A Postcolonial Approach to Protestant 'Zigeuner' Missionary Efforts in the Nineteenth and Twentieth Centuries, in: Maria Bogdan, Jekaterina Dunajeva, Timea Junghaus, Angéla Kóczé, Iulius Rostas, Márton Rövid et al. (Hg.): Critical Romani Studies, S. 86–126, DOI 2018. [Link]

  • Präsentation des Gutachtens zum Forschungsstand zum Thema "Protestantismus und Antiziganismus", in: Gemeinschaftswerk Evangelischer Publizistik (Hg.): Protestantismus und Antiziganismus (Fachtagung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit der Evangelischen Akademie zu Berlin und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, 20. September 2017), epd Dokumentation Nr. 9 (2018), S. 8–16.

  • Gutachten: "Forschungsgegenstand zum Thema 'Protestantismus und Antiziganismus'", im Auftrag des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg 2017. [Link]

  • "We are the masters, you are the slaves". Economic exploitation of Soviet prisoners of war as forced labourers in the propellants factory at Liebena, in: Frédéric Bonnesour, Philipp Dinkelaker, Sarah Kleinmann, Jens Kolata, Anja Reuss (Hg.): Occupation Annihilation Forced Labour. Papers from the 20th Workshop on the History and Memory of National Socialist Concentration Camps, Berlin 2017, S. 148–168.

  • "Wir sind die Herren, ihr seid die Sklaven". Die ökonomische Ausbeutung von sowjetischen Krigesgefangenen als Zwangsarbeiter in der Pulverfabrik Liebenau, in: Frédéric Bonneseour, Philipp Dinkelaker, Sarah Kleinmann, Jens Kolata, Anja Reuss (Hg.): Besatzung – Vernichtung – Zwangsarbeit. Beiträge des 20. Workshops zur Geschichte und Gedächtnisgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Berlin 2017, S. 153–176.

  • Tagungsbericht: 20. Workshop zur Geschichte und Gedächtnisgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager: Besatzung, Zwangsarbeit, Vernichtung (gemeinsam mit Paula Oppermann), H-Soz-Kult, 8.9.2015 . [Link]

  • Was tun? – Möglichkeiten des Handelns in der Ohnmacht, in: Schalom-Шалом, Heidelberg. Magazin der JKGH (2015), Nr. 6, S. 8–9 (mit Ronja Hochstrat, Juliane Hoheisel, Laura Notheisen, Anna Parrisius und Felix Pawlowski).

  • 75 Jahre danach – Ein Blick zurück auf die Deportation der Heidelberger Juden, in: Schalom-Шалом, Heidelberg. Magazin der JKGH (2015), Nr. 4, S. 10–11 (mit  Jessica Krozoska, Laura Notheisen Felix Pawlowski, Angelika Rüger und Anna Valeska Strugalla).

 

Vorträge

  • "'Als sehr gut brauchbar für unser Volkstum oder als ungenügend zu gelten' – Die 'Germanisierung' von Kindern aus dem Banat im Deutschen Reich zwischen Inklusion und Exklusion", Tagung "Zwischen Verfolgung und 'Volksgemeinschaft'. Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus" der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Gedenkstätte Bergen-Belsen, 1.6. – 2.6.2018.
  • Vortrag über die Juden in Nordafrika während des Zweiten Weltkriegs im Zuge des Jom haZikaron laScho'a weLaGwura ("Tag des Gedenkens an den Holocaust und Heldentum"), Rothberg International School der Hebrew University in Jerusalem, Israel  11.4.2018.
  • "In the Memory of 3000 Soviet POWs' – The Camp and Memorial in Gudendorf", Internationales Forum "Cycles of Commemoration. Forced Labor in Europe during World War II." der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) und dem Willy Brandt Center Breslau, Polen 27.9. – 30.9.2017.
  • "Vorstellung des Gutachtens zum Forschungsstand zum Thema 'Protestantismus und Antiziganismus'", Fachtag "Protestantismus und Antiziganismus. Kirche und Wissenschaft im Dialog zum aktuellen Forschungsstand" des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, der Evangelischen Kirche zu Berlin und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus, Berlin 20.9.2017.
  • Projektvorstellung "Forced Labour in Transnational Perspective" im NS-Zwangsarbeit-Dokumentationszentrum in Berlin-Schöneweide, 29.6.2017.
  • "'Neither bloody persecution nor well intended civilizing missions changed their nature or their number'. A postcolonial approach to Protestant gypsy-missionary efforts", Konferenz "Critical Approaches to Romani Studies" der Central European University in Budapest, Ungarn 25.5. – 26.5.2017.
  • "Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Geschichte und Erinnerung an die Ausbeutung von sowjetischen Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter", Nachwuchsworkshop "Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Deutschland und der Ukraine" der Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission in Odessa, Ukraine, 27.10. – 31.10.2016.
  • "Dehumanisierung und Instrumentalisierung von sowjetischen Kriegsgefangenen als 'menschliche Arbeitsmaschine'", Workshop "Zwangsarbeit in Europa unter NS-Herrschaft. Unfreie Arbeit im Transnationalen Vergleich" im Museum Arbeitswelt in Steyr, Österreich, 8.9. – 10.9.2017.
  • "Regional example of forced labor: Powder factory Liebenau and a case study of the exploitation of Soviet POWs", Bilaterales Seminar "Forced Labor during World War II as a Transnational Phenomenon. German-South Korean Seminar for Educators" des NS-Zwangsarbeit Dokumenationszentrums in Berlin und dem Institut für kritische Globalgeschichte an der Sogang University in Seoul, Südkorea, 14.8. – 21.8.2016 (Berlin) und 7.5. – 15.5.2017 (Seoul).
  • Vortrag "Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus: Fremdenfeindlichkeit damals und heute und die Herausforderungen der Bildungsarbeit in Heidelberg" im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus in Heidelberg 2016, 22.3.2016.
  • "Approaches to Holocaust Education with a regional focus exemplified by the city of Heidelberg", Post-Konferenz "International Research Conference on Education about the Holocaust. Concluding Conference of the IHRA Education Research Project" der Pädagogischen Hochschule in Luzern und der International Holocaust Remembrance Alliance in Luzern, Schweiz, 17.2.2016.
  • "Wir sind die Herren, ihr seid die Sklaven – die ökonomische Ausbeutungspolitik von sowjetischen Kriegsgefangenen in der Pulverfabrik Liebenau", Symposium "An die Arbeit! Minderheiten und Erwerbserfahrungen im 19. und 20. Jahrhundert" des Arbeitsbereiches Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa in Heidelberg, Deutschland, 25.6. – 26.6.2015.
  • "The employment of Soviet prisoners of war in the Pulverfabrik Liebenau as a regional example of the organization of forced labor employment of Soviet prisoners of war in Germany’s armaments industry 1941/42", Nachwuchsworkshop, "20th Workshop on the History and Memory of National Socialist Camps and Extermination Sites: Occupation – Forced Labor – Extermination" in Minsk, Belarus, 7.4. – 12.4.2015.
  • Gestaltung der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar im Rathaus der Stadt Heidelberg im Zuge eines Seminars von Daniela Gress, M.A., 27.1.2015.

Mitgliedschaften

Seitenbearbeiter: Notheisen
Letzte Änderung: 26.10.2018
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