Forschungsstelle für Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland

Die Forschungsstelle widmet sich Analysen der Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland im Kontext des multikulturellen und -konfessionellen Vielvölkerstaates Russland bzw. der Sowjetunion. Thematisiert werden u.a. die durch ausländische Siedler gestützte Kolonisationspolitik des russischen Staates;  Germanophobie im Zarenreich und in der UdSSR; nationale und kulturelle Mobilisierung im 20. und im 21. Jh.; Verfolgung und Unterdrückung im Stalinismus; die Geschichte der autonomen Republik der Wolgadeutschen; Widerstand und non-konformes Verhalten im sowjetischen Unrechtsstaat; nationales Selbstbewusstsein und wandelnde Identitäten; Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis und staatliche Geschichtspolitik; die russlanddeutsche Minderheit in den deutsch-sowjetischen Beziehungen; politische, gesellschaftliche und mediale Diskurse in der Bundesrepublik zu den Russlanddeutschen seit Ende der 1980er Jahre.
 
1997-2020 fungierte die Forschungsstelle als budgetlose Einrichtung des Landes Baden-Württemberg unter Federführung von Dr. Viktor Krieger.
 
Seit 2020 fördert das Land Baden-Württemberg die Forschungsstelle.
 
Mitarbeiter*innen ab Oktober 2020:
 
Joshua Kroeker, M.A.
Tanja Hermann
 
 

 

 

 

Publikationen von Dr. Viktor Krieger finden Sie hier.

Auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist im Rahmen des Dossiers "Russlanddeutsche" die Dokumentation Viktor Kriegers "Russlanddeutscher Samisdat" erschienen: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/russlanddeutsche/282064/russlanddeutscher-samisdat

"Zum ersten Mal wird ein Querschnitt der unzensierten politischen Werke der russlanddeutschen Minderheit aus den 1950er - 1980er Jahren in deutscher Übersetzung präsentiert, die sich schwerpunktmäßig mit den Fragen der nationaler Gleichberechtigung, mit der Problematik der Menschen- und Bürgerrechte, mit dem Kampf um die Wiederherstellung der autonomen Republik und dem Recht auf eine freie Ausreise ins Ausland auseinandersetzen. Ein besonderes Augenmerk wird in dieser Edition dem Prozess des erzwungenen Identitätswandels gewidmet, dem oft schmerzhaften Weg von einer im Grunde genommen prosowjetischen zu einer prowestlichen Haltung, von einem durchaus systemloyalen Menschen zu einem möglichen Oppositionellen, einem potenziellen Emigranten. Das ist besonders anschaulich aus dem Dokument 1.10 ersichtlich:

    1.10 Appell der in der Sowjetunion lebenden Bürger deutscher Nationalität an die Organisation der Vereinten Nationen.
   Zusammen mit einem kurzen historischen Überblick über die Deutschen in Russland und mit der Schlussfolgerung über die Notwendigkeit der Ausreise in die historische Heimat, nach Deutschland, 18. Mai 1973

http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/russlanddeutsche/283571/dokument-1-10-appell-der-in-der-sowjetunion-lebenden-buerger-deutscher-nationalitaet-an-die-organisation-der-vereinten-nationen-18-mai-1973

Alle veröffentlichten Quellen sind mit ausführlichen Kommentaren versehen; die Dokumentation enthält zahlreiche Fotos und Abbildungen von Originalmanuskripten. Im Vorwort werden historische Rahmenbedingungen, die Entstehungsgeschichte und Bedeutung dieser Samisdat-Schriften nachgezeichnet. Es handelte sich um 24 Dokumente, die in dieser Quellensammlung in vollem Umfang oder verkürzt dargelegt werden. 

Im Anhang III befinden sich Lebensläufe von solchen prominenten Aktivisten wie Ludmilla Oldenburg, Erich Abel  oder Friedrich Schössler, insgesamt neun Personen.

http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/russlanddeutsche/282068/abschnitt-iii-lebenslaeufe-einiger-nonkonformer-aktivisten-und-dissidenten

Viele Selbstzeugnisse, die sich in privaten Sammlungen befanden oder die man erst vor kurzem in den Unterlagen von politischen Prozessen aus den 1970er - 1980er Jahren entdeckt hat, sind zum ersten Mal hier veröffentlicht worden."

 

Lehrveranstaltungen zur Geschichte der Russlanddeutschen (seit 2007)

  • Politische und kulturelle Mobilisierung der Wolgadeutschen vor dem Ersten Weltkrieg, WS 2017/18 (Übung).
  • Selbstzeugnisse aus dem stalinistischen Zwangsarbeitslager als Quelle für die Alltags- und Mentalitätsgeschichte der Russlanddeutschen, WS 2016/17 (Übung)
  • Die russlanddeutsche Minderheit in deutsch-sowjetischen Beziehungen nach der NS-Machtergreifung, 1933-1939, WS 2015/16 (Quellenübung)
  • Zwangsarbeit im Stalinismus (am Beispiel der russlanddeutschen Minderheit), SS 2014 (Übung)
  • Germanophobie im Zarenreich (1870-1917), SS 2013 (Übung)
  • Jubiläen der Einwanderung der deutschen Siedler in dem Wolga- und Schwarzmeerraum als identitätsstiftende Ereignisse im Zarenreich, WS 2012/13 (Übung)
  • Russlanddeutsche in der Außenpolitik der Sowjetunion und Deutschlands, 1918-1985, SS 2012 (Übung)
  • Russlanddeutsche Minderheit im gesellschaftlichen Diskurs der Weimarer Republik (1918-1932), SS 2011 (Übung)
  • Wolgadeutsche Republik: Mythos und Wirklichkeit. SS 2010 (Proseminar)
  • Deutsche Siedler in der Kolonisationspolitik des Zarenreiches (1763-1860). WS 2008/09 (Proseminar)
  • Widerstand, Protest und Resistenz der Deutschen im Sowjetstaat 1917-1985, SS 2008 (Übung)
  • Deutsche in der UdSSR der Jahre 1941-1985 als Personen minderen Rechts: von der kollektiven Entrechtung zur partiellen Eingliederung in die sowjetische Nachkriegsgesellschaft, WS 2007/08 (Proseminar)
     

 

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 16.09.2020
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