Hanno Tiesbrummel M.A.

Forschungsvorhaben

Dissertation

"Velázquez und die Mythologie"

Betreuer: Prof. Dr. Henry Keazor

In meiner Arbeit untersuche ich – erstmals in monographischem Zusammenhang – die mythologischen Gemälde von Diego Velázquez (1599–1660). Meine Grundthese ist dabei, dass Velázquez’ Werke tradierte Wahrnehmungs- und Deutungsmuster außer Kraft setzen und damit die Frage nach der Funktionsweise von Mythologie wie von Bildern gleichermaßen herausfordern. Entsprechend kann nur ein Ansatz, der kultur- und geistesgeschichtliche mit visuellen und kunsttheoretischen Fragen verbindet, der also immer den ‚Inhalt‘ und die ‚Form‘ gleichzeitig bedenkt, ihnen gerecht werden. Das passiert gerade bei mythologischen Themen selten genug. Nachdem die Forschung der letzten Jahrzehnte sich überwiegend auf den Kontext konzentriert und darüber nicht selten den „Text“ aus den Augen verloren hat, geht es mir darum, diesen, d.h. die Gemälde, wieder ins Zentrum zu stellen und zu Ausgangs- und Zielpunkt aller Überlegungen zu machen.

Damit gehe ich auf den Grundimpuls der Kunstgeschichte zurück: der Mensch vor dem Bild – ein Spannungsmoment, der sich nicht in Bildflucht, sondern im Aushalten entladen soll und in einer sprachlichen Annäherung, die es erlaubt, dem Betrachter das Bild, das sich in der irreführenden Suggestivität seiner dauernden Anwesenheit dem Verständnis geradezu verbirgt, in seiner Ereignishaftigkeit zu eröffnen. Die radikale Konzentration auf nur sechs Werke provoziert im Gegenzug eine Fülle unterschiedlichster Verbindungen, die den Werken einen weiteren Denkraum aufzustoßen versuchen. Herauskommen soll eine Arbeit über Velázquez, über die Möglichkeiten der Mythologie und ihr Verhältnis zum Leben und eine Arbeit als Realisierung einer Methode, die, von Velázquez angestoßen, in jedem Moment eine grundsätzliche und damit allgemeine Reflexion über Bilder ergibt.

Seitenbearbeiter: Webadministrator
Letzte Änderung: 26.02.2019
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