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Joey Rauschenberger

Forschungsstelle Antiziganismus
 

 

Funktion/Position

 

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Verbundsprojekt "Reintegration, Schuldzuweisung und Entschädigung": Teilprojekt "Kontinuitäten des Antiziganismus in Baden-Württemberg nach 1945“, gefördert durch die Baden-Württemberg Stiftung.

Kontakt

Büro:

Hauptstraße 216

 

Postanschrift:

Historisches Seminar der Universität Heidelberg
Postfach 10 57 60
D-69047 Heidelberg

Tel.: 06221/54-37701

E-Mail:  Joey.Rauschenberger@zegk.uni-heidelberg.de

 

Zur Person

  • Seit 2020: Doktorand am Historischen Seminar, Universität Heidelberg
  • 2020: Masterabschluss mit Auszeichnung im Fach Global History an der Universität Heidelberg, Titel der Masterarbeit: "Die NSDAP in Heidelberg. Eine Lokalstudie zu Organisation und Personal der NSDAP im 'Dritten Reich'".
  • 2016: Bachelorabschluss in den Fächern Geschichte und Germanistik an der Universität Heidelberg, Titel der Bachelorarbeit: "'Mitarbeit am Werk unseres Führers'. Eine Biographie Herbert Krafts als Puzzleteil zum Verständnis der nationalsozialistischen Herrschaft".
  • 2012: Abitur am Rabanus-Maurus-Gymnasium in Mainz
  • 1993: geboren in Wiesbaden

Stipendien und Auszeichnungen

  • 2017–2020: Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 2017: Sieger der Preisauslobung der Stadt Wasserburg a. Inn zur Erforschung der Zwangsarbeit in Stadt und Umland im Zweiten Weltkrieg (gem. mit Philipp T. Haase)

Beschäftigungen und Praktika

  • Seit 2020: Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle Antiziganismus am Historischen Seminar, Universität Heidelberg
  • 2020: Wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt "Propaganda – Luftfahrt – Erziehung – Ostgebiete. Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien. Rekrutierung – Karrieren – Nachkriegswege" am Historischen Seminar, Universität Heidelberg
  • 2018–2020: Wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt "Vor- und Stiftungsgeschichte des Hans Thoma Preises" am Historischen Seminar, Universität Heidelberg
  • 2018–2020: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Zeitgeschichte des Historischen Seminars, Universität Heidelberg (Prof. Dr. Edgar Wolfrum)
  • 2017–2020: Wissenschaftliche Hilfskraft und Tutor bei Prof. Dr. Frank Engehausen, Historisches Seminar, Universität Heidelberg
  • 2017-2018: Gutachtertätigkeit für die Stadt Heidelberg, Kommission für Straßenbenennungen

 

Dissertationsprojekt: Die transformierte Kontinuität des Antiziganismus in Baden-Württemberg und seinen Vorgängerländern von der Gründung bis zur Liberalisierung der Demokratie (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt will den Umgang der deutschen Mehrheitsgesellschaft mit der Minderheit der Sinti und Roma von 1945 bis in die frühen 1970er Jahre erforschen. Der Untersuchungszeitraum erfasst einerseits die frühe Nachkriegszeit, für die sich die Frage aufdrängt, wie sich Perzeption und Behandlung der Sinti und Roma vor dem Hintergrund des gerade zurückliegenden Völkermordes ausnahmen. Zugleich reicht er aber auch bis in die Zeit der von der Forschung als „Fundamentalliberalisierung“ (Jürgen Habermas) der Bundesrepublik apostrophierten Jahre um 1968 hinein, wodurch untersucht werden kann, wie sich der politisch-soziale Wandel auf die Wahrnehmung der deutschen Sinti und Roma auswirkte.

Räumlich ist die Studie auf das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs begrenzt, das sich bis zur Gründung des neuen Bundeslandes 1952 auf die drei Vorgängerländer Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und (Süd)-Baden erstreckte. Da die nördlichen Teile des Südweststaates im Mittelpunkt anderer Forschungsvorhaben stehen, soll die südliche Hälfte des Bundeslandes – die ehemaligen Länder Württemberg-Hohenzollern und Baden bzw. die heutigen Regierungsbezirke Tübingen und Freiburg – schwerpunktmäßig behandelt werden, um so einen komplementären Beitrag zur Forschung zu leisten. Mit dem kleinräumigen Zugriff auf das Thema geht zudem eine Nahperspektive auf Quellen und Forschungsgegenstand einher, die eine besonders tiefe Durchdringung, dichte Beschreibung und Analyse der Zusammenhänge erlaubt.

Die Untersuchung beruht auf der Ausgangshypothese, dass der mehrheitsgesellschaftliche Umgang mit den Sinti und Roma in der Nachkriegszeit und den ersten Dekaden der Bundesrepublik grundsätzlich von antiziganistischen Denk- und Handlungsmustern bestimmt war. Im Fokus steht demnach die Entwicklung dieses antiziganistischen Paradigmas über die für die jüngere deutsche Geschichte so zentralen Zäsuren von 1945 und „1968“ hinweg, die sich – so die Arbeitsthese – im Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Transformation, zwischen dem Fortwirken rassistischer Strukturen und ihrer partiellen Anpassung an gewandelte, demokratische bzw. sozialliberale Zeittendenzen bewegte.

Da der Antiziganismus nicht in erster Linie Aufschluss über die exkludierte Fremdgruppe gibt, sondern die Fremdzuschreibungen und ihr Verbreitungsgrad viel über die mentalen Zustände antiziganistischer Dominanzgesellschaften, deren Selbstwahrnehmungen und Binnenkonflikte verraten, liegen die Potentiale der Studie nicht nur in der Aufhellung des Schicksals südwestdeutscher Sinti und Roma nach den Verheerungen des Nationalsozialismus, sondern auch an die allgemeine Geschichte der Nachkriegszeit und der frühen Bundesrepublik ist die Dissertation anschlussfähig.

Methodisch wird ein pluraler Ansatz verfolgt, um den gesellschaftlichen und staatlichen, öffentlichen und halb-öffentlichen, institutionellen und alltäglichen Antiziganismus möglichst breit erfassen zu können. Erstens soll den Kontinuitäten in der wissenschaftlichen Betrachtung der Sinti und Roma nachgespürt und überprüft werden, inwiefern Akteure der nationalsozialistischen „Rassenforschung“ ihre Karrieren an südwestdeutschen Universitäten fortsetzten und für ein Fortbestehen antiziganistischer Deutungsmuster in akademischen Zirkeln sorgten. Neben diesen elitären Diskursen soll zweitens die populäre Perspektive auf Sinti und Roma untersucht werden, die in der medialen Vermittlung greifbar wird. Drittens soll die Entwicklung antiziganistischer Diskriminierungspraxis am Beispiel der auf dem Feld der Minderheitenpolitik nicht zu überschätzenden Ebene kommunaler Politik beleuchtet werden, indem das Verwaltungshandeln vor Ort involvierter Kommunalbehörden fokussiert wird. Zum Umgang mit den überlebenden Sinti und Roma gehört viertens der Umgang mit den früheren Tätern der NS-Zigeunerverfolgung. Hier sollen Mechanismen der politischen Säuberung oder beruflichen Wiedereingliederung abgewogen werden. Schließlich ist fünftens im Hinblick auf die Opfer zu fragen, inwiefern eine Anerkennung des ihnen zugefügten Leids erfolgte, die zuvorderst am Verhalten der Wiedergutmachungsämter gegenüber den Ansprüchen südwestdeutscher Sinti und Roma abgelesen werden kann.

 

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte des Nationalsozialismus
  • NSDAP-Forschung
  • NS-Täterbiographien
  • Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg
  • Südwestdeutsche Landesgeschichte
  • Regional- und Lokalgeschichte
  • Historische Antiziganismusforschung

Veröffentlichungen

Monografie

  • Zwangsarbeit im Landkreis Wasserburg a. Inn 1939–1945. Eine Geschichte des "Ausländereinsatzes" in Oberbayern (Veröffentlichungen des Stadtarchivs, Bd 9), Wasserburg 2019 (gem. mit Philipp T. Haase).

Aufsätze

  • Reformkonservatismus im Kaiserreich? Die sächsischen Konservativen in den Wahlrechtsdebatten 1895/96 bis 1909 als Beispiel, in: Neues Archiv für sächsische Geschichte 91 (2020) [in Vorbereitung].
  • Hydra als Totalitarismus, in: thersites. Journal for Transcultural Presences and Diachronic Identities from Antiquity to Date 6 (2018): Advertising Antiquity, S. 424–429.
  • Herbert Kraft: "Mitarbeit am Werk unseres Führers", in: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter–Helfer–Trittbrettfahrer, Bd. 7: NS-Belastete aus Nordbaden und Nordschwarzwald, Gerstetten 2017, S. 170–197.

Blogbeiträge

  • Der Verbindungsmann des Ostministeriums im „Führerhauptquartier“. Aus dem politischen Lebensweg Werner Koeppens (1910–1994), Teil II: Die Rehabilitierung von Rosenbergs Adjutanten, der „mit diesem Ministerium nichts zu tun“ gehabt haben soll. Fragmente aus der Zeit der Entnazifizierung, 27.11.2020, in: Online-Portal „Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien. [Link]

  • Der Verbindungsmann des Ostministeriums im „Führerhauptquartier“. Aus dem politischen Lebensweg Werner Koeppens (1910–1994), Teil I: Rosenbergs Draht zu Hitler. Vom Aufstieg eines SA-Führers ins Zentrum der Macht des „Dritten Reichs“, 24.11.2020, in: Online-Portal „Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien“. [Link]

  • Der Ministerialrat Herbert Kraft und das französische Auto. Verwaltungspraxis in Karlsruhe und Straßburg zwischen „totalem Krieg“ und profaner Klüngelei, 2.8.2017, in: Online-Portal Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus. [Link]

Vorträge

  • 10/2019: "Zwangsarbeit im Landkreis Wasserburg a. Inn. Eine Geschichte des nationalsozialistischen 'Ausländereinsatzes' in Oberbayern", Buchvorstellung am 28.10.2019 in Wasserburg a. Inn (mit Philipp T. Haase).

  • 07/2019: Leitung des Seminars "'Er ist immer da' - populärkulturelle Hitlerdarstellungen und ihre Auswirkungen auf Geschichtsverständnis und Gesellschaft" der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 26. – 28.07.2019 in Köln (mit Lenard Kramp).

Seitenbearbeiter: Hankeln
Letzte Änderung: 23.02.2021
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