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Sebastian Barth

Lehrstuhl für Zeitgeschichte

 

Funktion

Doktorand

 

Kontakt

E-Mail: Sebastian.Barth@stud.uni-heidelberg.de

 

Zur Person

Sebastian Barth, geboren 1986 in Pforzheim, studierte nach seinem Abitur am Hilda-Gymnasium Pforzheim seit 2007 an der Ruprecht-Karls-Universität Geschichte und Germanistik im Studiengang Lehramt für Gymnasien. Das Erste Staatsexamen legte er 2014 mit Auszeichnung ab. Seine Examensarbeit beschäftigte sich mit der Rezeption des Skandals um die Hitler-Tagebücher. Während seines Studiums arbeitete er als wissenschaftliche studentische Hilfskraft beim DFG-Projekt Sebastian-Brant-Bibliographie (Leitung: Prof. Dr. Thomas Wilhelmi, Heidelberg/Prof. Dr. Joachim Knape, Tübingen, 2008–2013), in der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte (2009–2014) und am Lehrstuhl von Prof. Dr. Barbara Beßlich für Neuere Deutsche Literaturgeschichte am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg (2010–2013).

 

Dissertation


Der Skandal um die Hitler-Tagebücher des Stern im Jahr 1983: Untersuchung seiner Rezeption vor dem Hintergrund des geschichtspolitischen Rahmens und der Diskussion über den Nationalsozialismus in den 1980er Jahren
 

Als zentrales Element der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, zumal der Bonner Republik, wird vielerorts die Abgrenzung vom und die kritische Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Deutschland erachtet. Speziell im Jahrzehnt vor dem Mauerfall mehrten sich Debatten und Ereignisse, die sich um das Verhältnis der bundesdeutschen Gegenwart zum Nationalsozialismus drehten – von der US-amerikanischen Serie Holocaust über den Historikerstreit bis zur Rede des Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger zur fünfzigsten Wiederkehr der Reichspogromnacht. Zugleich hat die Geschichte der Bundesrepublik gezeigt, dass zu keiner Zeit ein anderes Thema so skandalträchtig wie der Nationalsozialismus war; genannt seien beispielhaft der Fall Theodor Oberländer, die Filbinger-Affäre oder die Walser-Bubis-Debatte. Die Dissertation versucht, diese beiden skizzierten Beobachtungen – der Nationalsozialismus im Rahmen der politischen Kultur der 1980er Jahre einerseits, sein Skandalpotential andererseits – anhand eines Beispiels zusammenzuführen und zu untersuchen: des Skandals um die gefälschten Hitler-Tagebücher, die im April und Mai 1983 in der Hamburger Illustrierten Stern veröffentlicht wurden. Die sensationsträchtige Nachricht, dass Tagebücher Hitlers existierten, fand weltweiten Widerhall – befeuert insbesondere durch die Ankündigung des Stern, dass aufgrund des Tagebuchfundes „die Geschichte des Dritten Reiches [...] in großen Teilen neu geschrieben werden“ müsse (Stern) – was zeitgenössisch polemisch als „Geschichtsumschreibe-Befehl“ (Süddeutsche Zeitung) abgelehnt wurde. Exakt zwei Wochen nach dem Lancieren der Nachricht, dass es Tagebücher Hitlers gebe, entlarvten verschiedene Bundesbehörden diese öffentlich als „grotesk plumpe Fälschungen“ (so der Präsident des Bundesarchivs, Hans Booms). In der Dissertation soll untersucht werden, auf welche Weise in diesem konkreten Fall vor dem Hintergrund der geschichtspolitisch gereizten Atmosphäre der 1980er Jahre die mediale Öffentlichkeit – Tages- und Wochenzeitungen, Fernsehen, Radio – auf die Nachricht reagierte, dass es Tagebücher Hitlers gebe. Inwiefern fügt sich die durch die Stern-Publikation ausgelöste Debatte in den zeitgenössischen Diskurs über den Nationalsozialismus ein, gerade angesichts der ambitionierten Geschichtspolitik der Regierung Kohl? Worüber wurde überhaupt berichtet, was wurde diskutiert und was wurde als Skandalon erachtet? Besaß der Skandal das Potential, am etablierten Geschichtsbild Hitlers und des Nationalsozialismus zu rütteln? Wie politisiert waren die Diskussionen – vor und nach dem Bekanntwerden der Tagebücher als Fälschung? Diesen und anderen Fragen soll in der Dissertation nachgegangen werden.

Seitenbearbeiter: Westermann
Letzte Änderung: 24.07.2014
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