Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2016/17

Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittel­alters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Graben­gasse 3-5) statt. Ausgenommen sind das Hauptseminar zum Kloster Schuttern, das in Seminarraum 002 des Kunsthistorischen Instituts stattfindet, und die Erstlektüre für Historiker, die in Übungsraum 3 des Historischen Seminars abgehalten wird.


Oberseminar

KP
Unedierte Dichtungen des kurpfälzischen Humanismus III

2st., Mo 18.30-20.00         Beginn: 17.X.     Prof.Wiegand / PD Licht

Aus den Handschriften der ehemaligen Bibliotheca Palatina und anderen Beständen werden bisher unbeachtete und unpublizierte Dichtungen des XV.-XVII. Jahrhunderts ediert, übersetzt und kommentiert, die eine Verbindung zur frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur der Kurpfalz haben. Neben der editorischen Arbeit bietet sich die Möglichkeit, anhand der Originalüberlieferung die Lesefertigkeit und Paläographie frühneuzeitlicher Schriften zu vertiefen. Handschriften­abbildungen, die Grundlage des Oberseminars sind, werden zur Verfügung gestellt. Interessierte aller Disziplinen, auch Anfänger, seien zur Teilnahme ermuntert.




Hauptseminar

Neulateinische Texte zur religiösen ToleranzNK
2st., Mo 17.00-18.30        Beginn:17.X.       Prof.Wiegand

Die Eroberung Konstantinopels 1453 durch Sultan Mehmet II. bedeutet eine tiefe Zäsur in der Geschichte Europas. Sie regte den Kardinal und Frühhumanisten Nikolaus von Kues (†1464) dazu an, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den großen Schriftreligionen nachzudenken. In seiner Schrift De pace fidei untersuchte er, wie weit ein wechselseitiges Verstehen von Christentum und Islam möglich sei. In einer anderen Situation befanden sich christliche Denker, die angesichts der Glaubensspaltung darüber räsonierten, ob die Einheit der Kirche zu retten sei bzw. wie sich das Verhältnis zwischen den Konfessionen friedlich gestalten lasse. Hierzu hat Erasmus von Rotterdam (†1536) mit seinen Aufrufen zum konfessionellen Frieden das Wort ergriffen. Ein drittes Problem stellte sich, als die christlichen Konfessionen begannen, ihre Gegner als Ketzer zu verfolgen und zu töten. Stellungnahmen dazu gibt es von dem Franzosen Sebastian Castellio (†1563). In dem Seminar werden wir Texte dieser und ergänzend anderer Autoren lesen und interpretieren. Die Texte werden vom Seminarleiter zur Verfügung gestellt.



SC


Frühes Christentum und monastisches Leben am Oberrhein: Das Kloster Schuttern
2st., Di 11.00-12.30        Beginn:25.X.  PD Licht et al.

Das Seminar hat eine zweifache Zielsetzung: Im ersten Teil sollen die Grundlagen der Christianisierung im Gebiet des Hoch- und Oberrheines zwischen der römischen Epoche und dem Hochmittelalter erarbeitet werden. Hauptaugenmerk gilt den Anfängen und der Entfaltung des monastischen Lebens in dieser Region, und zwar sowohl aus historischer, philologischer wie auch aus archäologisch-kunsthistorischer Perspektive. Im zweiten Teil soll dann ein Fallbeispiel behandelt werden, nämlich das Kloster Schuttern in der Ortenau. Aus dessen Frühzeit haben sich umfangreiche bauliche Reste sowie ein eindrucksvolles Mosaik erhalten; hinzu kommen die Erzeugnisse des Schutterner Skriptoriums. Sie alle werden im Rahmen des Seminars auf einer zweitägigen Exkursion erschlossen, bei der auch weitere mittelalterliche Klosteranlagen der Region (etwa auf der Reichenau) besucht werden. Das Seminar dient im zweiten Teil dazu, inhaltliche Vorschläge für eine neue Präsentation des Klosters Schuttern mit Blick auf die Einrichtung eines kleinen Museumszentrums vor Ort zu erarbeiten. Am Ende soll ein realisierbares Konzept stehen, das in Kooperation mit der Gemeinde Friesenheim-Schuttern umgesetzt werden kann. Zur Kontaktaufnahme: W.Berschin/ D.Geuenich/ H.Steuer (Hgg.), Mission und Christianisierung am Hoch- und Oberrhein (6.–8. Jh.), Stuttgart 2000.




Lektüre

EPG II / Lectura Vulgatae: Pauli epistula ad Romanos mit dem Kommentar des AmbrosiasterAP
2st., Mo 11.15-12.45        Beginn:17.X.       Dr.Köhler

Der Brief an die Christen in der Stadt Rom (56 n.Chr.) ist der letzte in der Reihe der authentischen Briefe des Apostels. Im Bemühen, den dort ausgebrochenen Streit zwischen den Juden- und den Heidenchristen beizulegen, entfaltet Paulus die Lehre von der Rechtfertigung des sündigen Menschen allein durch den Glauben, wodurch der Brief zu einem Schlüsseltext für Martin Luther und die Reformation werden konnte. Als 'Ambrosiaster' wird der Autor des begleitenden Kommentars bezeichnet, seit Erasmus nachgewiesen hat, daß es sich nicht um ein Werk des Ambrosius von Mailand handelt, dem es bis dahin zugeschrieben wurde, sondern um das eines anonymen Zeitgenossen. Die Zuschreibung an Ambrosius ist ein Indiz für die hohe Qualität des Kommentars, der sich durch fundierte theologische Erläuterungen und durch nahe Vertrautheit mit jüdischem Gesetz und Denken auszeichnet. Textgrundlage: Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem, Stuttgart 52007 und Ambrosiastri qui dicitur commentarius in epistulas Paulinas 1. In epistulam ad Romanos, ed.H.J.Vogels, Wien 1966 (=CSEL 81,1). Aus beiden Texten werden Kopien zur Verfügung gestellt.

Erstlektüre für Historiker: Regino von Prüm, Chronicon
2st., Mo 18.15-19.45        Beginn:17.X.  Dr.Otero Pereira

Die Weltchronik des Prümer Abts Regino (†915) gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Zeugnissen zum Zerfall des geeinten Frankenreiches. Regino entstammte einer adeligen Familie wohl aus der Nähe von Speyer und bekleidete von 892 bis zu seiner Vertreibung 899 den Abbatiat des Eifelklosters Prüm. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Trier, wo er 908 die Weltchronik vollendete. Sie umfaßt zwei Bücher, wobei das erste die Zeit von Christi Geburt bis ins Jahr 741, das zweite von da an bis zum Jahr 906 schildert. Regino folgt bei seiner Darstellung einem annalistischen Schema und stützt sich auf literarische Quellen; ab etwa 860 berichtet er größtenteils eigenständig. Das Werk wurde noch im X. Jahrhundert fortgesetzt. Der Magdeburger Erzbischof Adalbert (†981) schrieb Reginos Chronik bis ins Jahr 967 fort. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Reginonis abbatis Prumiensis Chronicon cum continuatione Treverensi, ed.F.Kurze, Hannover 1890 (=MGH. Script. rer. Germ. 50).

TL

Karolingische Translationsberichte
2st., Di 9.15-10.45              Beginn:18.X.       Ferro M.A.

Die Topographie der loca sanctorum, nämlich der Orte, an denen Reliquien der christlichen Märtyrer und Heiligen aufbewahrt wurden, wurde während der Karolingerzeit wesentlich erweitert: Nicht nur erhielten fränkische Städte Reliquien von Märtyrern aus Rom, auch körperliche Überreste von fränkischen Heiligen wurden in neu errichtete oder renovierte Kirchen und Klöster feierlich übertragen und dort in aller Ehre bestattet. Man spricht in diesem Fall von einer Reliquien­translation oder translatio und bezeichnet damit nicht nur einen liturgischen Vorgang, sondern auch die mittellateinische Textgattung des Translationsberichts. Darin wurden solche 'Reliquienbewegun­gen' schriftlich fixiert und literarisch überarbeitet, über Biographie und Wunder des Heiligen berichtet und Hinweise zum historischen Kontext gegeben. Im Kurs werden wir karolingische Beispiele dieser Textgattung unter die Lupe nehmen. Neben der Lektüre, Analyse und Übersetzung der translationes werden wir sowohl über die handschriftliche Überlieferung als auch über den historischen, kulturellen und liturgischen Kontext der Quellen reflektieren. Zur Kontaktaufnahme: M.Heinzelmann, Translationsberichte und andere Quellen des Reliquienkultes, Turnhout 1979.



Gregor von Tours, Libri VIII miraculorum
2st., Di 14.15-15.45        Beginn:18.X.  Wallenwein M.A.

Gregor von Tours (†594) ist einer der renommiertesten Autoren des Mittelalters. Neben seinem historiographischen Werk, den Historiae Francorum, werden v. a. die acht Wunderbücher gern studiert. Diese umfassen ein Buch über den Ruhm der Märtyrer, eines über den der Bekenner, ein weiteres über die Passion und die Wunder des heiligen Märtyrers Julian, vier Bücher über die Wunder des heiligen Bischofs Martin und als achtes Buch den Liber vitae patrum, in dem von dem Leben gallischer Heiliger berichtet wird. All diese Schriften sind gut überliefert und waren entsprechend weit verbreitet; sie geben Auskunft über Volksfrömmigkeit und Reliquienverehrung im frühmittel­alterlichen Frankenreich. Auch sprachgeschichtlich sind sie von hohem Interesse, denn der gallische Bischof reflektiert über Sprache und Ausdruck und bekennt sich zu einem der Volkssprache angenäherten Latein. In der Veranstaltung werden ausgewählte Passagen der Libri VIII miraculorum übersetzt, sprachliche Besonderheiten des Autors betrachtet, das Werk in christlich-antiker Tradition kontextualisiert und die Literaturgeschichte der Merowinger­zeit behandelt. Textgrund­lage: Gregorii episcopi Turonensis miracula et opera minora, ed.B.Krusch (=MGH. Script. rer. Merov.1,2), Hannover 1885. Zur Kontaktaufnahme: W.Berschin, Biographie und Epochenstil im lateinischen Mittelalter 1, Stuttgart 1986, p.288-303.



Übung/Hauptseminar (auch grundwissenschaftlich)


GM
Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45            Beginn:19.X.            PD Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, Leipzig 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.



Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten
2st., Mi 11.15-12.45            Beginn:19.X.            PD Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV. Jahrhundert mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.








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