Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Sommersemester 2009


Hauptseminar

Ogier Ghiselin de Busbecq, Epistolae Turcicae (1581) und das Türkenbild des 15. und 16.Jahrhunderts

2st., Di 17.00-18.30 Beginn: 31.III. Prof.Wiegand


Für viele Intellektuelle Europas bildete in der Frühen Neuzeit das expandierende Osmanische Reich die große Gefahr und zugleich Herausforderung. Zahlreiche Autoren setzten sich - nicht zuletzt in lateinischer Sprache - mit der 'Türkengefahr' auseinander, die die Grundfesten des christlichen Europa zu erschüttern drohte. Dabei entwickelten sie - nicht selten vor der Folie des antiken Barbarenbildes - facettenreiche 'Türkenbilder'. In dem Seminar wird es um solche Türkenbilder in lateinischen Texten gehen, wie sie im Lauf des 16. Jahrhunderts konstruiert wurden. Im Zentrum werden die Legationis Turcicae Epistolae Quattuor des Ogier Ghishelin de Busbeq (1520-1591) stehen, der als Gesandter Kaiser Karls V. an der Hohen Pforte ein differenziertes Bild von den Türken zeichnete. Darüber hinaus werden kontrastiv andere lateinische Turcica herangezogen werden.






Seminar

Paul Fleming, Lateinische Gedichte


2st., Mi 9.15-10.45 Beginn:1.IV. Dr.Licht


Paul Fleming (1609-1640) ist einer der bekannteren deutschen Barockdichter; mindestens einige seiner Sonette finden sich in allen größeren Anthologien deutscher Dichtung. Beinahe vergessen ist, daß er ein auch im Umfang gleichwertiges lateinisches Oeuvre hinterlassen hat, Dichtungen nämlich, die von hohem sprachlichen Können und metrischer Artistik Zeugnis geben und die Ereignisse der Zeit und seines Lebens gelehrt und oft auch witzig kommentieren. Davon etwas zu heben, Auszüge aus dem lateinischen Werk Paul Flemings zu übersetzen und zu interpretieren, ist Ziel dieser Veranstaltung. Zur Einführung: H.Entner, Paul Fleming, Leipzig 1989.







Proseminar

Überlieferungsgeschichte: Horaz in Mittelalter und Neuzeit

2st., Do 9.15-10.45 Beginn: 2.IV. Dr.Licht


Von Ludwig Traube stammt die Idee, Literaturgeschichte des Mittelalters anhand der Dichter zu schreiben, die den Jahrhunderten «...die nachahmenswertesten schienen». Trotz Kritik hat seine Bestimmung einer aetas Horatiana in der lateinischen Literatur des X. und XI. Jahrhundert Bestand und ist durch Beobachtungen eines zweiten Rezeptionshöhepunktes im XVII. Jahrhundert flankiert worden. Im Seminar sollen Brüche und Kontinuitäten der Texttradition (antike Scholien, «Codex Bernensis», Walahfrid) und Imitation (Ecbasis cuiusdam captivi, Sigebert v.Gembloux, Sarbiewski, Balde) des horazischen Oeuvres vorgestellt und diskutiert werden. Zur Kontaktaufnahme: L.D.Reynolds, Texts and Transmission, Oxford 21998, p.182-186.







Lektüre/Proseminar

Ruotger, Vita domni Brunonis


2st., Di 9.15-10.45 Beginn: 31.III. Dr.Licht


Brun, der jüngste Bruder Ottos des Großen, war Kanzler, ab 953 archiepiscopus von Köln und (archi-)dux des Herzogtums Lothringen. Exzeptionell wie seine Ämter und Titel ist die Lebensbeschreibung, die bald nach seinem Tod von Ruotger, einem Mönch im Kölner Kloster St.Pantaleon, verfaßt wurde. Die Vita markiert den Neubeginn der lateinischen Bischofsbiographie in ottonischer Zeit. Ohne Wunderberichte wird ein Idealbild von Leben und Wandel Bruns gezeichnet. Stil und Sprache des Werkes dokumentieren den hohen Anspruch, den der Autor mit Blick auf die Bedeutung seines Helden an sich, die Zuhörer und die Leser stellt. Im Mittelpunkt des Kurses stehen das gemeinsame Lesen und Übersetzen des Textes. Zur Anschaffung empfohlen: Ruotgers Lebensbeschreibung des Erzbischofs Bruno von Köln, ed.I.Ott 21958 (Sammelbestellung möglich).






Lektüre


Lectura Vulgatae: Ausgewählte Psalmen, erläutert anhand der Expositio Psalmorum Cassiodors (für Interessierte aller Fächer)

2st., Mo 11.15-12.45 Beginn: 30.III. Dr.Köhler


Eine Himmelskugel, dicht besät mit funkelnden Sternen, nennt Cassiodor (6. Jh. n.Chr.) den Psalter in seinen Institutiones (1,4,3) oder einen Pfau mit schillernden Federn und schließlich ein Paradies der Seelen, das unzählige Früchte bietet, an denen sich der menschliche Geist mit Genuß sättigen und stärken kann. Damit der ästhetische Genuß vom rechten Verständnis der Psalmen begleitet wird, erläutert Cassiodor in seiner Expositio Psalmorum jeden einzelnen der 150 Psalmen nach einem von ihm selbst entwickelten Schema in formaler und exegetischer Hinsicht. Dabei greift er auf frühere Kommentatoren, vor allem auf Augustinus, zurück, sodaß in seinem Werk die Summe der Psalmenauslegung der christlichen Antike enthalten ist. Nur zusammen mit dieser exegetischen Tradition ist die große Bedeutung zu verstehen, die der lateinische Text der Psalmen innerhalb und außerhalb der Kirche in Literatur und Musik im europäischen Raum erlangt hat. – Textgrundlage ist die Biblia Sacra Vulgata, Stuttgart, 41994, und Cassiodor, Expositio Psalmorum, CC 97 und 98, Turnholti 1958; es werden Kopien ausgegeben.




Texte zur Geschichte der salischen Kaiserzeit (mit Tutorium)

2st., Di 10.45-12.45 Beginn: 31.III. Dr.Licht


Grundlage der Veranstaltung ist die gleichnamige zweibändige Sammlung (edd. M.L.Bulst und F.Ernst, Heidelberg 1963) von Quellen zur Geschichte Europas im XI. und XII. Jahrhundert. Es wird in das Lesen, Übersetzen und Interpretieren mittelalterlicher Texte verschiedener Genera (Annalen, Briefe, Carmina, Chroniken, Vitae etc) eingeführt; dabei sollen die Spracheigentümlichkeiten des mittelalterlichen Lateins und die wichtigsten Hilfsmittel besprochen werden. Die Texte können ab der ersten Woche vom elektronischen Semesterapparat abgerufen werden.






Übung


(Zusatzveranstaltung) Paläographie I: Von den spätantiken Majuskelschriften zur karolingischen Minuskel (für Anfänger)
2st., Do 11.00-12.30 Beginn:  2.IV. Dr.Licht

Die Übung führt in das Lesen, Benennen und Datieren alter Schriften anhand von Kopien aus Tafelwerken ein.

Paläographie III

2st., Do 12.30-14.00 (Terminänderung!) Beginn: 2.IV. Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom X. bis XIII.Jahrhundert. Teilnehmer ohne Vorkenntnisse werden gebeten, sich vor Beginn anzumelden.



Metrik und Rhythmik: Metrisches bei Paul Fleming


2st., Mi 11.15-12.45 Beginn: 1.IV. Dr.Licht


Die Übung dient der Einführung in die 'römische' Metrik und Prosodie anhand ausgewählter polymetrischer Stücke. Paul Fleming ist kein Klassizist, sondern folgt dem (barocken) Hang zu spätantiker Dichtung und der Wiederaufnahme mittelalterlicher Formalien (etwa des leoninischen Reims). Studenten ohne Vorwissen sind herzlich willkommen; eine Teilnahme am ebenfalls angekündigten Seminar zu Paul Fleming ist keine Bedingung.



Colloquium Neolatinum

Et nunc reges intellegite. Basilii Megglii O.S.B. Epigrammata (1814-1825)

2st., Di 16.00-17.00 Beginn: 31.III. Dr.Schouwink/Prof.Wiegand

Hoc in colloquio neolatino legentur epigrammata Basilii Megglii OSB, ultimi auctoris epigrammatum latinorum in Germania saeculi XIX. Is Basilius Meggle commentatur res sui aevi gestas, in quibus praecipue revolutionem Franco-Gallicam et imperium Napoleonis necnon fata ecclesiae catholicae in Germania. Dolet saecularisationem quam vocant et finem monasteriorum in Germani australi instare. Monachus coenobii Sancti Petri in Silva Nigra fuit, postea monasterio sublato vixit Friburgi Brisgoviae. Eius epigrammata multa conferunt ad mentes animosque sui aevi intelligendos. Textus pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt. Venite, tollite et legite!





Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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