„mit vorsichtig ausgewählten Ausländern zusammenkommen“

Im Rahmen unseres DFG-Projekts zu den „Internationalen akademischen Beziehungen Deutschlands von 1933 bis 1945 am Beispiel der Philosophie und Philologie“ wollen wir (Andrea Albrecht, Lutz Danneberg, Ralf Klausnitzer) eine interdisziplinäre Tagung zum Thema „Internationale Tagungen und wissenschaftlicher Austausch in der Zeit des Nationalsozialismus“ veranstalten. Vor dem Hintergrund des spannungsreichen Verhältnisses zwischen der Absage an die Internationalität der Wissenschaft einerseits und der praktizierten und mitunter sogar offen proklamierten internationalen Ausrichtung wissenschaftlicher Arbeit andererseits konzentriert sich unser Forschungsvorhaben auf die Rekonstruktion der heterogenen Praxis internationaler Wissenschaftsbeziehungen Deutschlands zwischen 1933 und 1945. Für die bevorstehende Tagung im Februar möchten wir Kongresse und Tagungen in den Fokus rücken, die, so unsere Hypothese, als aussagekräftige internationale Kontaktformen symptomatisch Aufschluss über internationale Austausch- und Kooperationsnetzwerke sowie Konkurrenzkonstellationen geben können. Als prominente Beispiele können etwa der Philosophie-Kongress in Prag 1934, der Ästhetik-Kongress in Paris 1937 sowie der aufwändig vorbereitete, aber schließlich nicht durchgeführte „Internationale Weltkongress der Germanisten“ angeführt werden.

Im Austausch mit WissenschaftshistorikerInnen verschiedener Disziplinen wollen wir uns folgenden Fragen widmen: Welches Verhältnis bildet sich zwischen der ‚deutschen‘ und der ‚ausländischen‘, nicht zuletzt der ,exilierten Wissenschaft‘ aus? Welche Kontinuitäten oder auch Diskontinuitäten über die Zäsur von 1933 hinweg lassen sich in diesen Hinsichten quantitativ und qualitativ beobachten? Inwiefern profitiert die deutsche Wissenschaft von einem allgemeinen Internationalisierungstrend? Welche Phasierungen des internationalen Kontakts lassen sich ausmachen, etwa in Reaktion auf die Verschärfung des politischen Drucks ab 1935 und auf den Beginn der Kriegsvorbereitungen 1937? Mit welchen Ländern, über welche Publikationsorgane, Veranstaltungen und Institutionen, über welche Akteure bildeten sich internationale Kontakte aus? Welches disziplinäre Wissen partizipierte daran in welcher Weise? Wie ‚international‘ waren die in Deutschland geführten wissenschaftlichen Diskussionen? Wie veränderte sich der Umgang mit traditionell oder inhärent internationalen, etwa europäischen Themen? Und welche Rolle spielten die emigrierten Wissenschaftler für die Wahrnehmung der deutschen Wissenschaft im Ausland?


Kontakt:
Germanistisches Seminar                      
Universität Heidelberg
Prof. Dr. Andrea Albrecht
Hauptstraße 207 - 209
69117 Heidelberg
Telefon: 06221/54-3349
E-Mail: Anne.leinberger@gs.uni-heidelberg.de

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Letzte Änderung: 05.12.2018
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