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Die Medizin auf der Suche nach ihren Grenzen

16. September 2008
Kolloquium an der Medizinischen Fakultät Heidelberg im Wintersemester 2008/09
Das 23. Interdisziplinäre Kolloquium des Heidelberger Arbeitskreises Wissenschaftlichkeit in der Medizin trägt den Titel „Die Medizin auf der Suche nach ihren Grenzen“.

Ethische Probleme der Biowissenschaften beschäftigen die Öffentlichkeit. Dabei stehen Fragen der Stammzellforschung, des Klonens und der Fortpflanzungsmedizin im Mittelpunkt. Die Fortschritte der biomedizinischen Forschung wecken Hoffnungen auf Heilung schwerer Krankheiten. Sie wecken aber auch Ängste vor dem gläsernen und gezüchteten Menschen. Die von dem Freiburger Moraltheologen und stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates Prof. Eberhard Schockenhoff in seinem Vortrag am 30. Oktober gestellte Frage nach den „ethischen Grenzen am Lebensbeginn“ soll durch eine Bewertung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts beantwortet werden.

Philosophen sehen sich als Mitglieder in Beratungsgremien wie Klinischen Ethik-Komitees mit komplexen medizinethischen Problemen konfrontiert. Worin liegt genau die Expertise des Ethikers, die seine Berufung in solche Einrichtungen legitimiert? In ihrem Vortrag „Jenseits von wahr und falsch: Grenzen der Rationalität in der Medizinethik“ führt die an der Universitätsmedizin Mannheim der Universität Heidelberg lehrende Bamberger Philosophin Elsa Romfeld am 13. November aus, inwiefern Letzteres der Fall ist .

Malaria wird durch Parasiten verursacht, die sich in den roten Blutzellen des Menschen vermehren. Allein in Afrika kommt es pro Jahr zu mehr als 250 Millionen Malaria-Fällen; alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an dieser Krankheit. Am Gesundheitsproblem Malaria werden innermedizinische Grenzen deutlich: die Grenzen zwischen den wenigen wohlhabenden Patienten aus dem Norden und den vielen armen Kranken des Südens oder auch die Grenzen zwischen Glanz und Elend der Medizin in Zeiten der Globalisierung. „Jenseits der Nord-Süd-Grenze: Malaria“ nennt Prof. Heiner Schirmer vom Biochemie-Zentrum Heidelberg seinen Vortrag, der am 11. Dezember stattfindet.

Problem Patientenverfügungen

Wie können wir als Patienten das Recht auf Selbstbestimmung so wahrnehmen, dass unsere Wünsche im Fall eines medizinischen Behandlungsdilemmas unmissverständlich zum Ausdruck kommen? Verstärkt wird seit Jahren auf die Bedeutung von Patientenverfügungen als Entscheidungshilfen hingewiesen. In einer solchen Verfügung kann man im Voraus bestimmen, ob und in welchem Umfang in konkreten Krankheitssituationen medizinische Maßnahmen eingesetzt werden sollen. Nach Auffassung des Heidelberger Medizinethikers Prof. Axel W. Bauer, Mitglied des Deutschen Ethikrates, ist der gegenwärtige Zustand ohne eine spezielle Normierung der Patientenverfügung besser als eine starre gesetzliche Regelung, die vermutlich neue Gefahren für das Lebensrecht Schwerkranker – vor allem im höheren Lebensalter – zur Folge hätte. Diese These wird der Referent am 18. Dezember in dem Vortrag „Grenzen der Selbstbestimmung am Lebensende: Die Patientenverfügung als Patentlösung?“ begründen.

Die Beschwerden von Patienten kennen zwar keine Fächergrenzen, doch wird in der medizinischen Ausbildung zumeist fachbezogen gelehrt. Welche Möglichkeiten gibt es, um zukünftige Ärzte besser auf interdisziplinäre Herausforderungen vorzubereiten? Mit „Fächergrenzen in der Medizinischen Ausbildung und Möglichkeiten zu ihrer Überwindung“ beschäftigt sich am 15. Januar Dr. Jana Jünger vom Kompetenzzentrum für Prüfungen in der Medizin Baden-Württemberg, das an der Medizinischen Fakultät Heidelberg angesiedelt ist. Der Tod macht auch an Staatsgrenzen nicht Halt. Epidemiologen beschäftigen sich daher mit der Sterblichkeit von Migranten, die einerseits aufgrund ihrer speziellen Situation häufig ein Mortalitätsmuster aufweisen, das besondere Vorsorgemaßnahmen sinnvoll erscheinen lässt. Andererseits hat dieses Muster oft wertvolle Hinweise auf Krankheitsursachen gegeben. In Deutschland lebt seit dem Fall der Mauer eine Gruppe von Migranten: die Aussiedler aus Osteuropa. In seinem Vortrag „Mortalität von Migranten aus Osteuropa“ berichtet am 22. Januar Prof. Heiko Becher von der Abteilung Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen des Universitätsklinikums Heidelberg über diesen Personenkreis.
awb
© Rhein-Neckar-Zeitung

Info: Die Vorträge mit Diskussion finden donnerstags, 18.00-19.30 Uhr, im Hörsaal der Medizinischen Klinik (Im Neuenheimer Feld 410) statt.
http://www. wissmed.uni-hd.de/

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Irene Thewalt
Tel. 06221 542310, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

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