SUCHE
Bereichsbild

Ruperto Carola 3/2011

Die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren lassen tief in das Innere von mumifizierten Körpern blicken und entlocken ihnen so manch ein bislang bestgehütetes Geheimnis. Die aktuelle Ausgabe der „Ruperto Carola“, des Forschungsmagazins der Universität Heidelberg, berichtet außerdem von einem neuen Test, der die Therapie mit Blutgerinnungshemmern sicherer machen will, und beantwortet die Frage, welche Rolle das Militär in Zeiten politischen Umbruchs spielt, beispielsweise bei den jüngsten Umbrüchen im arabischen Raum.

Sie wurden vor Jahrtausenden für die Ewigkeit konserviert und regen seither die Phantasie der Menschen an: Mumien sind faszinierende Überbleibsel und können viel vom Leben und Sterben in früheren Zeiten berichten. Kombiniert man die Computertomografie, ein modernes bildgebendes Verfahren, mit neuen Methoden zur Bildnachbearbeitung, gelingt es, so tief wie niemals zuvor in das Innere der konservierten Körper zu blicken und ihnen so manches, bislang bestgehütete Geheimnis zu entlocken. Ein Autorenteam vom Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Mannheim und der Reiss-Engelhorn-Museen (Mannheim) erklärt die Technik, die solch aufschlussreiche Einblicke ermöglicht, am Beispiel von Mumien aus aller Welt.

Politikwissenschaft: Wer bewacht die Wächter? – Das Militär in Zeiten politischen Umbruchs
Welche Rolle spielt das Militär, wenn eine Diktatur in eine Demokratie übergeht? Wie gelingt es, das Militär dem Primat der Politik unterzuordnen und wann scheitert diese Herausforderung? Welche Konsequenzen hat das für die Qualität und Konsolidierung junger Demokratien? Zu diesen Fragen steuert das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt „Demokratische Transformation und zivile Kontrolle des Militärs“ Antworten bei. Prof. Dr. Aurel Croissant erläutert die Ergebnisse der Heidelberger Politikwissenschaftler, die seit dem Jahr 2008 die Interaktion von politischen und militärischen Akteuren in sieben asiatischen Staaten untersuchen. Prof. Croissant macht deutlich, dass die systematische Analyse der Stellung des Militärs und der zivil-militärischen Beziehungen auf dem Weg zur Demokratie eine dringliche Forschungsaufgabe ist – wie nicht zuletzt die jüngsten Umbrüche im arabischen Raum zeigen.

Medizingeschichte: Ein deutscher Hunger – ohne Nahrungsreserven in einen vermeintlich kurzen Krieg
Der Erste Weltkrieg forderte das Leben von zehn Millionen Soldaten, 20 Millionen wurden verwundet. Zu den militärischen kamen die zivilen Opfer, die auf sieben Millionen geschätzt werden. Mit dem Schicksal der Solda‐ten an der Front beschäftigen sich zahlreiche medizinhistorische Beiträge. Über die Gesundheits- und Ernährungslage der Bevölkerung aber ist bislang nur wenig gearbeitet worden. Das ist erstaunlich, starben doch in den Jahren 1914 bis 1918 allein in Deutschland 700.000 Menschen an Hunger. Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg, ist der Ernährungssituation der Zivilbevölkerung in Deutschland nachgegangen und hat dazu bislang kaum gesichtete Akten des Kriegsernährungs- und des Kaiserlichen Gesundheitsamtes ausgewertet. Das Ergebnis: Für den „deutschen Hunger“ verantwortlich war nicht allein die vielbeschworene „Hungerblockade der Entente“, sondern ganz wesentlich auch Missmanagement, politische Fehlentscheidungen und rivalisierende Kräfte im Kaiserreich.

Chemie / Pharmakologie: Testergebnis in 30 Sekunden – Leuchtende Moleküle sollen die Therapie mit Blutgerinnungshemmern sicherer machen
Allein in Deutschland werden jährlich etwa 500 Millionen Tagesdosen gerinnungshemmender Medikamente verordnet. Sie schützen Menschen vor gefährlichen, nicht selten tödlich endenden Gefäßverschlüssen. Die Blut‐gerinnung zu hemmen, ist allerdings eine heikle Gratwanderung: Die Medikamente müssen vor gefährlichen Blutgerinnseln schützen, sie dürfen die natürliche Gerinnung aber nicht so stark unterdrücken, dass innere Blutungen drohen. Eine wirksame und sichere Therapie ist daher oft nur in Kombination mit einer aufwendigen Laborkontrolle möglich. Chemiker und klinische Pharmakologen der Universität Heidelberg entwickeln derzeit neue Testverfahren, mit denen sich eine Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten schnell und zuverlässig überwachen lässt. Der Schlüssel zur besseren Diagnose und zur mehr Sicherheit für die Patien‐ten sind leuchtende Moleküle.

Soziologie: In der Welt zuhause? – Auf den Spuren der modernen Manager
Grenzenlos scheinen die Karrieren von Managern und anderen Führungskräften in Zeiten der Globalisierung. Die Medien berichten von einem sich verschärfenden internationalen Wettbewerb um die „besten Köpfe“; die Politik fürchtet, dass Hochqualifizierte Deutschland verlassen und dauerhaft ins Ausland abwandern könnten. Heidelberger Soziologen sind den Karrierewegen der Führungskräfte rund um den Globus gefolgt und haben dabei festgestellt, dass sie mitnichten in der Welt zuhause sind. Prof. Dr. Markus Pohlmann vom Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg erläutert, dass die internationale Mobilität zwar zugenommen hat, der berufliche Aufstieg aber nach wie vor eher nationalen Mustern folgt: Auslandsaufenthalte gehören „zum guten Ton“ – die Karrieren aber werden zu Hause gemacht.

In einem weiteren Artikel berichtet Privatdozent Dr. Sandro Wimberger vom Institut für Theoretische Physik der Universität Heidelberg von der „Wunderbaren Welt der ultrakalten Atome“; Dr. Joachim Funke, Professor für Allgemeine und Theoretische Psychologie, denkt in seinem Meinungs‐Beitrag darüber nach, ob sich Kreati‐vität verordnen lässt.

Die „Ruperto Carola“ ist das Forschungsmagazin der Universität Heidelberg. Herausragende Wissenschaftler der Universität ihre Forschungsarbeiten der interessierten Öffentlichkeit vor. Sie haben den Anspruch, ihren Le‐sern das breite Themenspektrum der Universität verständlich und „aus erster Hand“ zu vermitteln. Die aktuelle Ausgabe ist erhältlich über die Abteilung Kommunikation und Marketing, Pressestelle, Grabengasse 1, 69117 Heidelberg, Telefon (06221) 54‐2311, e-mail: presse@rektorat.uni-heidelberg.de.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 11.07.2014
zum Seitenanfang/up