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Dr. Maria Effinger
Universitätsbibliothek Heidelberg
Leiterin der Abteilung „Historische Sammlungen“
Tel. +49 6221-54-3561
effinger@ub.uni-heidelberg.de

 
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Geöffnete Schatzkammer

Die Historischen Sammlungen der Universitätsbibliothek Heidelberg

 

Kurzbeschreibung

Prof. Dr. Karl Mann
Porträt Walther von der Vogelweide aus dem Codex Manesse – der Großen Heidelberger Liederhandschrift

Zu den zentralen Aufgaben der Universitätsbibliothek Heidelberg gehört es, aktuelle wissenschaftliche Literatur für den Einsatz in Forschung und Lehre zugänglich zu machen. Darüber hinaus verfügt die Universitätsbibliothek (UB) über wertvolle Bestände vor allem an alten Handschriften, Urkunden und Drucken, die in den Historischen Sammlungen zusammengefasst und mittlerweile selbst zum Gegenstand der Forschung geworden sind. Dazu zählen Teile der berühmten Bibliotheca Palatina, die im Zuge des Dreißigjährigen Krieges in den Vatikan nach Rom abtransportiert worden war: Die deutschen Handschriften aus dieser Büchersammlung gelangten Anfang des 19. Jahrhunderts wieder nach Heidelberg zurück. In der gleichen Zeit kamen kostbare mittelalterliche Handschriften und Drucke aus infolge der Säkularisation aufgelösten Klöstern in den Besitz der UB. Von erheblichem Wert sind auch die zahlreichen Gelehrtenbibliotheken und Nachlässe ehemaliger Wissenschaftler der Ruperto Carola. Die Historischen Sammlungen umfassen außerdem einen umfangreichen Urkundenbestand sowie eine Graphische Sammlung, in der Porträts, Ansichten, Karten und Pläne aus einem Zeitraum von fünf Jahrhunderten aufbewahrt werden. Neben Holzschnitten, Kupfer- und Stahlstichen, Radierungen, Lithographien und Zeichnungen finden sich darunter auch zahlreiche Photographien.

 

Umfang der Sammlung

Insgesamt befinden sich in den Historischen Sammlungen der Universitätsbibliothek weit mehr als hunderttausend Dokumente. Bei den deutschsprachigen Handschriften der Bibliotheca Palatina handelt es sich um 848 Codices, zu denen auch der Codex Manesse – die „Große Heidelberger Liederhandschrift“ – gehört. Die Sammlung des ehemaligen Zisterzienserklosters Salem umfasst über 30.000 Drucke und Handschriften. Mit rund 80.000 Bänden besonders umfangreich ist der Bestand der Teilsammlung Alte Drucke. Die Graphische Sammlung umfasst rund 4.000 Blätter.

 

Existiert seit

Der Grundstock einzelner Sammlungen der Universitätsbibliothek lässt sich teilweise bis in die Gründungszeit der 1386 eröffneten Universität Heidelberg zurückführen. Sie gehören damit zu den ältesten Sammlungen an der Ruperto Carola überhaupt.

 

Nutzung in der Lehre

Historische Dokumente wie Handschriften, Urkunden oder auch alte Bücher werden in der Lehre intensiv genutzt – in der Regel vor Ort im Handschriftenlesesaal der UB. So haben in diesem Rahmen im vergangenen Jahr mehr als 650 Studierende vor allem der Fächer Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte, aber auch der Rechts- sowie der Musikwissenschaft an entsprechenden Lehrveranstaltungen teilgenommen.

 

Nutzung in der Forschung

Dokumente aus den Historischen Sammlungen waren und sind immer wieder Teil von Forschungsprojekten. Neben der Erforschung einzelner Objekte zählt dazu auch die Erstellung von Editionen. So beschäftigt sich ein aktuelles Editionsvorhaben in Kooperation mit der Universität Cambridge mit der sogenannten „Kaiserchronik“, die im 12. Jahrhundert entstanden ist. Ein weiteres Forschungsprojekt dient der Erschließung, Erhaltung und Bereitstellung der Professoren-Nachlässe von Heinrich Rickert (1863 bis 1936), Alfred Weber (1868 bis 1958) sowie Karl Hampe (1869 bis 1936).

 

Nutzung als Museum

Regelmäßig werden einzelne Stücke der Sammlungen von Museen im In- und Ausland für Ausstellungen angefordert und ausgeliehen. Darüber hinaus konzipiert die Universitätsbibliothek immer wieder eigene Ausstellungen, für die weitgehend auf die eigenen Bestände zurückgegriffen wird.

 

Das sagt die Sammlungsbeauftragte Dr. Maria Effinger:

„Früher galten solche Sammlungen als verschlossene Abteilungen, als sorgsam gehütete Schatzkammern der Bibliotheken, an deren Dokumente man eher schwer herankam. Wir verfolgen seit rund zehn Jahren die Strategie, diesen Bestand öffentlich zugänglich zu machen, und zwar in erster Linie über die Digitalisierung und die Präsentation im Internet. Das bedeutendste Projekt in diesem Zusammenhang stellt die von der Manfred Lautenschläger Stiftung geförderte Digitalisierung der Palatina-Handschriften dar. Nach der abgeschlossenen Digitalisierung der deutschen Handschriften in Heidelberg, digitalisieren wir in Rom gerade die rund 2.000 lateinischen und anschließend die griechischen Handschriften, um damit die Bibliotheca Palatina zumindest virtuell wieder zusammenzuführen. Mit der Digitalisierung der Altbestände schonen wir zudem die unter konservatorischen Gesichtspunkten empfindlichen Originale und sorgen für eine weltweite Verbreitung. Zugleich betreiben wir damit Bestandspflege, denn die alten Dokumente werden spätestens mit der Digitalisierung in den Online-Katalog HEIDI überführt und sind von da an von den Nutzern schnell und einfach zu benutzen.“

 

Das besondere Objekt

Gemälde Turner
Besonderes Objekt: Mezzotintoblatt nach einem Ölgemälde William Turners (1775 bis 1851)

Die Graphische Sammlung der Universitätsbibliothek hat ihren thematischen Schwerpunkt im Heidelberger und Kurpfälzer Raum. Darunter finden sich zahlreiche Ansichten der Stadt Heidelberg und des Schlosses. Besonders hervor sticht dabei ein sogenanntes Mezzotintoblatt nach einem Ölgemälde William Turners (1775 bis 1851), dessen Original sich in der National Gallery of Scotland in Edinburgh befindet. Das in einem sehr aufwendigen Tiefdruckverfahren erzeugte Blatt zeigt das am Hang gelegene Schloss, zu dessen Füßen die Stadt Heidelberg liegt, sowie die Alte Brücke, die zum anderen Neckarufer führt. Dort sitzen und stehen Angehörige der adeligen Gesellschaft in kleinen Gruppen, zwei Reiter ziehen durch das Wasser.

 

Turner zählt zu den Malern der Romantik. Er war spezialisiert vor allem auf Seestücke und Landschaftsbilder, die er auf Reisen zunächst in Skizzen festhielt. „Studien für dieses Porträt Heidelbergs entstanden während seiner Europareise. Die herausragende druckgraphische Umsetzung gibt die Besonderheit von Turners Malerei in besonderem Maße wieder, seine von akademischen Zwängen freie Malweise und sein Interesse für Licht und atmosphärische Stimmungen, die ihn zum Wegbereiter des Impressionismus werden ließen“, erläutert Maria Effinger.

E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 17.11.2016
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