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Universität Heidelberg verlieh die Würde eines Ehrendoktors an Prof. Dr. Geoffrey Boulton

18. Oktober 2008
Dekan Prof. Dr. Heinz Friedrich Schöler und der Geowissenschaftler Prof. Dr. Thilo Bechstädt skizzierten das Lebenswerk Geoffrey Boultons bei der Jahresfeier
Bei der Jahresfeier 2008 in der Aula der Alten Universität verlieh die Ruprecht-Karls-Universität die Würde eines Ehrendoktors an „einen der bedeutendsten und einflussreichsten Geowissenschaftler unserer Generation“, Prof. Dr. Geoffrey Boulton. Der Dekan der Fakultät für Chemie und Geowissenschaften, Prof. Dr. Heinz Friedrich Schöler, und Boultons Heidelberger Fachkollege Prof. Dr. Thilo Bechstädt skizzierten das Lebenswerk des Geehrten vor der Festversammlung.

Ehrenpromotionen seien seit Jahrhunderten fester Bestandteil des universitären Lebens, sagte Dekan Schöler. Die Universität nehme mit der Ehrenpromotion herausragende Wissenschaftler in ihren erweiterten Mitgliederkreis auf – die Verleihung der Ehrendoktorwürde diene dem Ziel der Förderung von Wissenschaft und Forschung.

Schöler: „Die Fakultät für Chemie und Geowissenschaften verleiht den Titel Doktor honoris causa als Würdigung ausgewählter Persönlichkeiten, deren Leistungen für die oder in der Wissenschaft als herausragend und außergewöhnlich bewertet werden. Entsprechend sparsam und sehr selektiv ist unsere Fakultät mit der Verleihung umgegangen.“ Betrachte man die letzten zwanzig Jahre, so wurden insgesamt sieben Ehrenpromotionen verliehen – darunter befanden sich drei Ehrenpromotionen, die an Geowissenschaftler verliehen wurden.

„Wir sind heute zusammengekommen, um einen der bedeutendsten und einflussreichsten Geowissenschaftler unserer Generation zu ehren“, so Schöler. Geoffrey Boultons wissenschaftliches Werk beschäftige sich vor allem mit der Stabilität und dem Verhalten großer Eisschilde bei klimatischen Veränderungen. Mit seinen grundlegenden Untersuchungen habe er zu einem tieferen Verständnis des Paläoklimas während der letzten Eiszeiten beigetragen, gleichzeitig werde aber auch ein Fenster eröffnet für eine Prognose der zukünftigen Entwicklung der glazialen Bedeckung in verschiedenen Gegenden der Erde.

Neuer Ehrendoktor der Universität Heidelberg: Prof. Dr. Geoffrey Boulton (Bildmitte) zusammen mit Rektor Prof. Bernhard Eitel (links) und Dekan Prof. Dr. Heinz Friedrich Schöler (rechts).  
Neuer Ehrendoktor der Universität Heidelberg: Prof. Dr. Geoffrey Boulton (Bildmitte) zusammen mit Rektor Prof. Bernhard Eitel (links) und Dekan Prof. Dr. Heinz Friedrich Schöler (rechts).
Foto: Dagmar Welker

Neueste Untersuchungen zeigen – sagte Dekan Schöler –, dass das Volumen der Eisdecke Grönlands im letzten Jahr dramatisch um über 100 Kubikkilometer abgenommen hat. Geoffrey Boulton arbeite auf diesem hochaktuellen Forschungsgebiet, seine wissenschaftlichen Arbeiten in hoch angesehenen Zeitschriften zählen zu den häufigst zitierten Literaturstellen dieses Forschungsgebietes.

„Nach einem Studium der Geologie in Birmingham betrat Geoffrey Boulton mit einem Paukenschlag 1965 mit einer Publikation in Nature die wissenschaftliche Bühne“, skizzierte der Dekan den wissenschaftlichen Werdegang. Es folgten fünf weitere Publikationen in dieser Zeitschrift. Insgesamt umfasse sein Schriftenverzeichnis über 100 Publikationen. Nach dem Promotion wechselte er 1968 zur School of Environmental Sciences der University of East Anglia in Norwich, zunächst als Lecturer, später als Reader, 1986 wurde er zum Regius Professor of Geology der University of Edinburgh ernannt. Seit 1999 ist er Vice Principal der University of Edinburgh. „Vierzig Jahre erfolgreicher Forschertätigkeit erbrachten viele wissenschaftliche Erstfunde: Er konnte als erster die letzte Vergletscherung Großbritanniens datieren! Er wies als erster auf die Bedeutung von Grundwasser für die Bewegung von Gletschern hin. Er untersuchte als erster experimentell die Gletscherbewegung und erklärte, dass Gletschersedimente dabei als Schmiermittel wirken“ (Schöler).

Neben seiner Forschertätigkeit sei auch sein Wirken in der Wissenschaftspolitik in Großbritannien und auf europäischer Ebene von prägender Bedeutung. Hier sei auch sein Mitwirken im wissenschaftlichen Beirat der Universität Heidelberg und bei der Antragstellung für den Exzellenzwettbewerb anzusiedeln.

Prof. Dr. Thilo Bechstädt erweiterte in seiner Laudatio die wissenschaftliche Würdigung Boultons. Die zu verleihende Ehrendoktorwürde der Ruprecht-Karls-Universität reihe sich ein in eine ganze Reihe von Ehrungen und ehrenvollen Berufungen: Geoffrey Boulton ist unter anderem Officer of the Order of the British Empire (OBE), Fellow of the Royal Society (FRS), Member of the Council for Science and Technology, Royal Society, und Fellow of the Royal Society of Edinburgh (FRSE).

Geoffrey Boulton wirkte im „G8 Intergovernmental Panel on Climate change“, erhielt die Kirk Bryan Medal der Geological Society of America, ist Empfänger des „Seligman Crystals“ der Internationalen Glaciological Society (2002) sowie des David Tedford Award for services to science. Eine herausragende Ehrung ist die „Lyell Medal“ der Geological Society (London, 2006); ihm wurden ferner drei Ehrendoktorate verliehen.

Bechstädt zitierte aus der Laudatio bei der Verleihung der Lyell Medal: “In groundbreaking papers, Geoff has striven to understand the coupling between glaciers and the geosphere, and the role of ice sheets in the climate system and its evolution.”

Für die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg hat sich Geoffrey Boulton in herausragender Weise verdient gemacht. Er konnte im Jahr 2006 als externes Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Ruprecht-Karls-Universität gewonnen werden und hat während der Antragstellung im Exzellenzwettbewerb wesentliche Beiträge zum Zukunftskonzept der „Comprehensive University“, der Volluniversität, geliefert. Im vergangenen Jahr hielt er aus Anlass der Verleihung des Lautenschläger-Forschungspreises 2007 in Heidelberg den Festvortrag zum Thema „Science, Innovation, Education – Challenges for Europe’s Research-intensive Universities“.

Mit einigen humorvollen Anmerkungen zur Verleihung von akademischen Auszeichnungen schloss Professor Bechstädt seine Laudatio ab.

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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Irene Thewalt
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