Kossel hat den Zellkern erforscht
23.
September
2008
Heidelberger Nobelpreisträger: der Biochemiker Albrecht Kossel
Fünf Jahre nach Baeyer und Lenard wurde ein weiterer Preisträger geehrt, dessen Vita eng mit Heidelberg verbunden ist: der Physiologe und Biochemiker Albrecht Kossel. Er erhielt 1910 den Nobelpreis für Medizin. Das Nobelkomitee ehrte ihn „in Anerkennung seines Beitrags über das Wissen der Zellchemie durch seine Arbeiten an Proteinen einschließlich der Kernsubstanzen“.
Kossel wurde 1853 in Rostock geboren. Sein Vater war Bankdirektor, Schiffsreeder und preußischer Konsul. Er studierte in seiner Heimatstadt und in Straßburg Medizin. 1878 promovierte er in Rostock. In Straßburg hat er sich 1881 habilitiert. Ab 1883 war er Leiter der chemischen Abteilung am Physiologischen Institut in Berlin. 1895 ging er als Direktor des Physiologischen Instituts nach Marburg. 1901 wechselte er schließlich nach Heidelberg, wo er in derselben Eigenschaft Nachfolger des berühmten Hermann Helmholtz und Wilhelm Kühnes wurde. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Emeritierung 1924. Das damalige Institut für Physiologie befand sich noch in der altstädtischen Akademiestraße, dort, wo heute die Erziehungswissenschaftler untergebracht sind. Kossel führte in seiner Amtszeit eine Erweiterung dieses Gebäudes durch. Er ließ den Bau um eine Etage aufstocken. Nach seiner Emeritierung leitete Kossel das von ihm angeregte Institut für Eiweißforschung.
Kossels Wesen wird in einem Standardwerk über deutsche Nobelpreisträger so beschrieben: „Kossel war Mecklenburger, und die niederdeutsche Landschaft hat seinen Charakter geprägt. Sinnend und ernst, ja manchmal schwermütig, jedoch stets getragen von einem leisen Humor, so ist er seinen Schülern im Gedächtnis geblieben, die sich nicht erinnern können, ihn im Laboratorium je unwillig oder unwirsch gesehen zu haben.“ Wie dort auch zu lesen steht, ließ er sich und seine Reputation als Nobelpreisträger nicht politisch missbrauchen: „Als während des Ersten Weltkriegs die Regierung an ihn herantrat mit der Bitte, er solle der Bevölkerung klarmachen, dass die Lebensmittelrationen ausreichend seien, wies er das mit Entrüstung und Empörung weit von sich.“
Es wird als Kossels wissenschaftliches Verdienst angesehen, dass er die kleinsten Einheiten des Organismus, die Zellen, auf ihren Kern hin erforscht hat. Die größten Entdeckungen machte er schon in seiner Berliner und Marburger Zeit. Er entdeckte neue Bestandteile des Zellkerns, die sogenannten Nucleinsäuren, die er als basische Verbindungen klassifizierte. Kossel war ein wesentlicher Mitbegründer der Biochemie, die erst später zu einem gesonderten Forschungsbereich erklärt wurde. Ebenso modern und seiner Zeit weit voraus war er auch mit seinen Hypothesen über die Zellteilung und Vererbung. 1921 sagte er in einer Rede: „Diese und ungezählte andere Erbfaktoren werden bei der Befruchtung übertragen und müssen also in dem befruchteten Ei in kleinster Dimension niedergelegt sein.“
Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
Irene Thewalt
Tel. 06221 542310, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
Kossel wurde 1853 in Rostock geboren. Sein Vater war Bankdirektor, Schiffsreeder und preußischer Konsul. Er studierte in seiner Heimatstadt und in Straßburg Medizin. 1878 promovierte er in Rostock. In Straßburg hat er sich 1881 habilitiert. Ab 1883 war er Leiter der chemischen Abteilung am Physiologischen Institut in Berlin. 1895 ging er als Direktor des Physiologischen Instituts nach Marburg. 1901 wechselte er schließlich nach Heidelberg, wo er in derselben Eigenschaft Nachfolger des berühmten Hermann Helmholtz und Wilhelm Kühnes wurde. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Emeritierung 1924. Das damalige Institut für Physiologie befand sich noch in der altstädtischen Akademiestraße, dort, wo heute die Erziehungswissenschaftler untergebracht sind. Kossel führte in seiner Amtszeit eine Erweiterung dieses Gebäudes durch. Er ließ den Bau um eine Etage aufstocken. Nach seiner Emeritierung leitete Kossel das von ihm angeregte Institut für Eiweißforschung.
Kossels Wesen wird in einem Standardwerk über deutsche Nobelpreisträger so beschrieben: „Kossel war Mecklenburger, und die niederdeutsche Landschaft hat seinen Charakter geprägt. Sinnend und ernst, ja manchmal schwermütig, jedoch stets getragen von einem leisen Humor, so ist er seinen Schülern im Gedächtnis geblieben, die sich nicht erinnern können, ihn im Laboratorium je unwillig oder unwirsch gesehen zu haben.“ Wie dort auch zu lesen steht, ließ er sich und seine Reputation als Nobelpreisträger nicht politisch missbrauchen: „Als während des Ersten Weltkriegs die Regierung an ihn herantrat mit der Bitte, er solle der Bevölkerung klarmachen, dass die Lebensmittelrationen ausreichend seien, wies er das mit Entrüstung und Empörung weit von sich.“
Es wird als Kossels wissenschaftliches Verdienst angesehen, dass er die kleinsten Einheiten des Organismus, die Zellen, auf ihren Kern hin erforscht hat. Die größten Entdeckungen machte er schon in seiner Berliner und Marburger Zeit. Er entdeckte neue Bestandteile des Zellkerns, die sogenannten Nucleinsäuren, die er als basische Verbindungen klassifizierte. Kossel war ein wesentlicher Mitbegründer der Biochemie, die erst später zu einem gesonderten Forschungsbereich erklärt wurde. Ebenso modern und seiner Zeit weit voraus war er auch mit seinen Hypothesen über die Zellteilung und Vererbung. 1921 sagte er in einer Rede: „Diese und ungezählte andere Erbfaktoren werden bei der Befruchtung übertragen und müssen also in dem befruchteten Ei in kleinster Dimension niedergelegt sein.“
Peter Zimber
© Rhein-Neckar-Zeitung
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