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Sportler wie Dallmann machen mir Mut

13. September 2008
„Star – Vorbild – Verantwortung“ beim Kongress in der Universität
„Die intrinsische Motivation fehlt. Sie haben keine klaren Ziele. ,In den Endkampf kommen’ genügt ihnen schon.“ Das sagte Hochsprung-Weltrekordler Carlo Thränhardt (51/2,42 m 1988 in Berlin) in der Neuen Aula der Universität Heidelberg bei einer Diskussion zum Thema „Spitzensport. Star – Vorbild – Verantwortung“, die von SWR-Sportchef Michael Antwerpes mit geschickten Fragen geleitet wurde und zwei Wochen nach Peking natürlich zum kritischen Rückblick auf die Olympischen Spiele wurde.

Thränhardt Urteil über die deutschen Leichtathleten, „die glauben, dass man mit sechs Trainings pro Woche in die Weltspitze kommen könne“ und „die zu schlecht sind, als dass man sie mit Doping in Verbindung bringen könnte“, ist provokant. Doch auch Lars Riedel (41), der vor kurzem „nach deutlichen Signalen meines Körpers“ in den sportlichen Ruhestand gegangene Diskus-Olympiasieger von 1996, und Marc Girardelli (45), der Ski-Weltcupgewinner aus Österreich, bestätigten die Beobachtungen des „Sport-Liebhabers“ Thränhardt, dass „die Leichtathleten und auch die Schwimmer nicht hart genug trainieren.“

„Viele Athleten glauben, dass sie sich an der Leistungsgrenze bewegen und leisten in Wahrheit ein Pensum, das ich als besseres Aufwärmen gemacht habe. Zu viele Athleten – nicht nur in Deutschland – sind damit zufrieden, schön auszusehen, gut zu verdienen und Anerkennung in ihrem Freundeskreis zu genießen. Große Sportler aber quälen sich jeden Tag bis zum Umfallen. Nur dann können sie in wichtigen Wettkämpfen bestehen“, sagte Girardelli, der gegenwärtig den bulgarischen Ski-Verband berät und Skimode für Kinder entwirft.

Angesichts solch harter Kritik griff Petra Dallmann zur Selbstkritik. Sie empfinde „jeden zweiten Tag Trauer über die verpasste Chance“, in Peking eine gute Leistung gezeigt zu haben, sagte die 29-jährige Psychiaterin und langjährige Spitzenschwimmerin des SV Nikar Heidelberg, die bei Olympia die erhoffte Staffel-Medaille nicht erringen konnte. „Mich ärgert, dass ich die Zeiten der deutschen Meisterschaft verfehlt habe, was auf Trainingsfehler zurückzuführen ist. Wir Schwimmer hatten auch eine schwache Psyche, schwammen auf den meisten Strecken hinterher und benötigen neue Konzepte im Verband“, gab sich Dallmann schonungslos.

Trotz der im Pool von Peking versunkenen Medaille bleibt Petra Dallmann ein Vorbild für die Talente in ihrem Verein, und dieser Verantwortung stellt sie sich gerne. „Es fängt damit an, niemals zu zeigen, dass das Training momentan keinen Spaß macht,“ nannte sie ein Beispiel für Verantwortung im Spitzensport, und Lars Riedel fügte hinzu, dass Topathleten eine oft unbewusste Verantwortung tragen: „Eine Zeitlang war ich zu faul, nach dem Training meine Sportschuhe ordentlich zu schnüren. Nach einigen Wochen habe ich zufällig bemerkt, dass fast alle Kinder in meinem Verein mit offenen Schuhbändeln zum Training kamen. Da wurde mir bewusst: Man schaut auf mich.“

Carlo Thränhardt provokant

Die Frage, ob der Spitzensport überhaupt noch vorbildhaft wirken könne, bejahte der Unternehmer und Mäzen Manfred Lautenschläger (69), der sich mit seiner Stiftung im Basketball, Radsport, Rugby, Tennis und in der Ballschule Heidelberg engagiert, eindeutig: „Solche Sportler wie Petra Dallmann machen Mut. Allerdings muss man viel mehr Zeit und Sorgfalt in die Ausbildung der Talente investieren und sie zu einem dopingfreien Sport erziehen. Das haben wir mit unserem Radteam Rhein-Neckar getan, und die Jungs haben gut verstanden, dass wir nur einen sauberen Sport fördern wollen.“ Gegen eine generelle Freigabe des Dopings sprachen sich übrigens alle Diskutanten aus. „Doping muss auf das Schärfste bekämpft werden“, forderte Marc Girardelli, der den gefallenen Radsport-Engel Jan Ullrich gleichwohl als Vorbild nannte: „Wie er 2003 bei der Tour de France auf den gestürzten Lance Armstrong gewartet hat, hat mir sehr imponiert.“
CPB
© Rhein-Neckar-Zeitung

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