SUCHE
Bereichsbild

Sonnen- und Mondfinsternis!

31. Juli 2008
Der Sternenhimmel entfaltet im August seinen vollen Glanz – Meteorstrom der Perseiden
Der Sommersternenhimmel entfaltet im August seinen vollen Glanz. Hoch im Süden dominiert das Sommerdreieck mit Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler den Himmel. Das Sternbild der Leier befindet sich in Zenitnähe, und daneben ist das markante Sternenkreuz des Schwans zu sehen: Mit ausgebreiteten Flügeln fliegt er in südwestlicher Richtung durch die Milchstraße, die sich als schimmerndes Band über den Himmel zieht. Südlich des Schwans schließen sich die Sternbilder Adler und Pfeil an, gefolgt vom Schützen. Herkules, die Nördliche Krone und der Schlangenträger mit der Schlange sind im Westen zu sehen. Der Skorpion mit dem roten Stern Antares sinkt tief im Südwesten. Und immer noch nach dem Einbruch der Nacht strahlt der Gasriese Jupiter im Sternbild Schütze.

Sternbild des Monats: Die nördliche Krone

Einst lebte auf der Insel Kreta der Minotaurus, ein Ungeheuer halb Mensch, halb Stier, das in einem Labyrinth hauste und sich von Menschenopfern ernährte. König Minos, der grausame Herrscher der Insel, hatte die Athener im Krieg besiegt. Daher verlangte er von den Athenern, ihm jedes Jahr sieben der schönsten Jünglinge und Jungfrauen auszuliefern, um diese dem Minotaurus zum Fraß vorzuwerfen. Freiwillig fuhr Theseus, der Sohn des Königs von Athen, als einer dieser Jünglinge nach Kreta, denn er wollte das Volk von der Bestie befreien. Doch bisher war es noch keinem Menschen gelungen, den Ausgang aus dem Labyrinth zu finden.

Als Theseus auf Kreta ankam, erblickte ihn Ariadne, die schöne Tochter des Königs Minos, und verliebte sich sogleich in ihn. Um Theseus zu helfen, gab ihm Ariadne heimlich ein Knäuel goldenen Fadens. Das Ende des Zwirns band der Königssohn am Eingang des Labyrinths fest. Mit der Krone auf dem Kopf und dem Schwert in der Hand trat er dem Ungeheuer entgegen. Das Untier war so geblendet vom hellen Glanz der Krone, dass Theseus es in einem kurzen Kampf besiegte. Nun musste er nur noch dem goldenen Faden folgen und fand so den Weg aus dem Labyrinth. Nach seiner Rückkehr nahm er Ariadne mit auf sein Schiff. Zum Dank für ihre Hilfe schenkte er ihr seine Krone und versprach, sie zur Frau zu nehmen. Doch auf dem Heimweg erschien ihm die Göttin Athene im Traum. Sie offenbarte ihm, dass Ariadne bereits Dionysos, dem Gott des Weins, zur Frau versprochen sei. Und so ließ Theseus schweren Herzens die schlafende Ariadne auf der Insel Naxos zurück, wo sie bald mit Dionysos vermählt wurde. Als Erinnerung an diese unglückliche Liebe versetzten die Götter die Krone als Sommersternbild in den Nachthimmel.

Sichtbarkeit der Planeten

Merkur erreicht gegen Monatsende zwar einen respektablen östlichen Abstand von rund 25 Grad zur Sonne, jedoch wegen der flachen Lage der Ekliptik zum Horizont am Abendhimmel können wir ihn nicht sehen. Venus zeigt sich wieder zaghaft am Abendhimmel. Sie wandert durch das Sternbild Löwe und tritt am 25. August ins Sternbild Jungfrau über. Mars tritt nicht mehr auf der Himmelsbühne auf und ist in diesem Jahr nicht mehr am Nachthimmel zu sehen.

Der Riesenplanet Jupiter befand sich Anfang Juli in Opposition zur Sonne und lässt sich daher auch im August im Sternbild Schütze gut sichten. Saturn trat im letzten Monat von der Himmelsbühne ab und bleibt im August unsichtbar. Uranus bewegt sich rückläufig durch das Sternbild Wassermann, geht um 22:24 Uhr auf, am Monatsende um 20:24 Uhr. Neptun erreicht am 15. August im Sternbild Steinbock die Opposition zur Sonne. An diesem Tag geht er um 20:30 Uhr auf, kulminiert um 1:22 Uhr und geht um 6:15 Uhr unter. Der Zwergplanet Pluto hält sich in der nordwestlichsten Ecke des Schützen auf und ist nur gegen Ende der Abenddämmerung aufzuspüren.

Mondfinsternis am 16. August

Am 16. ist Vollmond und an diesem Abend ereignet sich eine partielle Mondfinsternis, die sich von Mitteleuropa aus gut verfolgen lässt. Gegen 21:36 Uhr MESZ tritt der Mond in den Kernschatten der Erde ein, um 23:10 Uhr ist die Mitte der Finsternis erreicht. Dann befinden sich 81 Prozent der Mondscheibe im Erdschatten, nur der nördliche obere Rand der Mondscheibe erscheint noch hell. Danach verlässt der Mond den Kernschatten allmählich wieder, rund anderthalb Stunden später, um 0:45 Uhr, hat er sich vollständig aus ihm befreit.

Sonnenfinsternis am 1. August

Die einzige totale Sonnenfinsternis des Jahres 2008 ist am kommenden Freitag (1. August) zu beobachten. Völlig vom Mond bedeckt wird die Sonne allerdings nur in einem schmalen Streifen, der in Kanada beginnt und sich über das nördliche Grönland, die Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer, Sibirien und die westliche Mongolei bis nach China erstreckt. Wer die maximal 147 Sekunden Aufenthalt im Kernschatten des Mondes genießen möchte, muss sich also in recht entlegene Gebiete der Erde begeben. In unserer Heimat präsentiert uns die Natur die Finsternis nur partiell. Das ist zwar längst nicht so eindrucksvoll wie eine komplett "schwarze" Sonne, dafür aber völlig kostenfrei. Je weiter im Norden man sich befindet, desto größer ist der Anteil der Sonnenscheibe, der von dem vorüberziehenden Mond bedeckt wird. In Hamburg und Berlin werden maximal etwa zwanzig Prozent der Sonnenscheibe vom Mond abgedeckt, in Stuttgart und München sind es nur acht Prozent. Von Heidelberg aus gesehen beginnt die Finsternis um 10:47 Uhr MESZ, wenn die Scheibe des dunklen Neumonds die gleißende Sonne zu berühren scheint. Im weiteren Verlauf schiebt sich der Mond über den nördlichen Teil der Sonne. Die maximale Verfinsterung wird in Heidelberg um 11:31 Uhr MESZ erreicht.

Der Mond verdeckt dann neun Prozent des Durchmessers der Sonnenscheibe. Die partielle Finsternis endet schließlich um 12:16 Uhr MESZ, wenn sich die Scheiben von Sonne und Mond wieder trennen. Für andere Städte verschieben sich die genannten Zeiten um einige Minuten. Wegen der relativ geringen maximalen Abdeckung der Sonnenscheibe in Deutschland nimmt die Helligkeit des Taghimmels kaum ab. Sie werden von der partiellen Finsternis wohl nichts bemerken, solange Sie nicht zu besonderen Beobachtungsmethoden greifen. Am einfachsten besorgen Sie sich im Astronomie-Fachhandel oder beim Optiker eine spezielle Sonnenfinsternisbrille. Die silbrige Folie dieser Brille lässt nur ein Hunderttausendstel des Lichts durch, so dass Sie mit ihr gefahrlos den Verlauf der Finsternis verfolgen können. Oder Sie projizieren das Bild der Sonne mit einem kleinen Teleskop auf ein weißes Stück Papier. Den verdunkelten Teil der Sonne können Sie dann leicht erkennen. Niemals aber dürfen Sie mit ungeschütztem Auge oder gar mit einem Fernglas direkt in die Sonne schauen – es besteht Erblindungsgefahr! Sollten Sie in der Sonnenbeobachtung unerfahren sein, wenden Sie sich bitte an einen astronomischen Verein in Ihrer Nähe.

Sternschnuppen im August

Der aktivste Sternschnuppenmonat ist der August. Die Ursache ist der Meteorstrom der Perseiden, kleine Bestandteile des Kometen 109P/Swift-Tuttle, deren Maximum zwischen dem 12. und den 13. August liegt. Wegen des hellen Mondes liegt diesmal die beste Beobachtungszeit zwischen 3:00 und 5:00 Uhr morgens.

Dr. Cecilia Scorza de Appl und Dr. Uwe Reichert
Landessternwarte (ZAH), Universität Heidelberg
und Redaktion "Sterne und Weltraum",
Max-Planck-Institut für Astronomie Heidelberg

© Rhein-Neckar-Zeitung

Rückfragen von Journalisten bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Irene Thewalt
Tel. 06221 542310, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Seitenbearbeiter: E-Mail
zum Seitenanfang/up