Die deutsche Retextualisierung des Gargantua. Übertragung – Fortschreibung – Neudichtung / Réécriture allemande du Gargantua. Translation – amplification – création poétique

Zu den bedeutendsten literarischen Ereignissen der Renaissance und der Weltliteratur überhaupt gehören Francois Rabelais’ Romane, welche die Heldentaten der Riesen Gargantua und Pantagruel zum Gegenstand haben. Rabelais’ Gargantua, der erstmals 1534 in Lyon erschien, wurde 1575 von Johann Fischart erstmals ins Deutsche übersetzt (Affentheuerliche Naupengeheuerliche Geschichtschrift). Fischarts Neubearbeitung ist eine komplexe, an unterschiedlichen kulturellen Kontaktpunkten teils auch idiosynkratisch ansetzende Arbeit. Rabelais wird nicht einfach übertragen, die Prinzipien seiner Schreibweisen werden eruiert und sie werden – teilweise in modifizierter Form –  für die Auswertung und Bearbeitung einer eigenen Sprach- und Wissenswelt verfügbar gemacht und genutzt.

Ein interdisziplinäres Netzwerk von romanistischen und germanistischen Gelehrten (renommierte Fachvertreter und Nachwuchswissenschaftler) hat in den letzten Jahren bereits drei Arbeitstreffen veranstaltet (Lille 2015, München 2016, Paris 2017), deren Gegenstand intensive und detaillierte Lektüren von Rabelais- und korrespondierenden Fischart-Texten waren. Ziel der gemeinsamen Erarbeitung ist eine kommentierte Anthologie, welche zentrale Rabelais-Passagen mit entsprechendem Fischart-Text konfrontiert und einen differenzierten Übersetzungskommentar erarbeitet. Diese Anthologie soll keine kommentierte Ausgabe ersetzen, sondern strebt ein Dokument eines außergewöhnlichen Sprach- und Kulturkontakts an. Sie soll der Rabelais- und der Fischartforschung sowohl in Frankreich als auch in Deutschland ein zweisprachiges Werkzeug für weitere Studien anbieten, zugleich als exemplarische Adressierung von Herausforderungen einer in jeder Hinsicht komparatistischen Renaissanceforschung dienen, die nicht zuletzt auch in der akademischen Lehre zu erproben wäre. Im Zuge der letzten Treffen haben sich germanistisch-romanistische Tandems konsolidiert, die zu ausgesuchten Kapiteln und den darin abgehandelten Themen Passagen gemeinschaftlich erarbeiten. Die Heidelberger Tagung (das vierte Arbeitstreffen) soll nun die Ergebnisse dieser Arbeitsphase präsentieren und die Weichen für die Ausfertigung der Anthologie stellen.

Die Durchführung der Tagung ist wie folgt geplant. Zu den verschiedenen Sektionen wurden von den Arbeitsgruppen im Vorfeld der Tagung Kommentarentwürfe für die Diskussion bereitgestellt. Während der Tagung werden zunächst in den Sektionen kurze Präsentationen des Materials durch die jeweils Verantwortlichen geboten und zur Diskussion gestellt. Zwei öffentliche Abendvortrage sowie eine abschließende Diskussion zu den Fragen der mise en page und der Kommentarkriterien der Anthologie vertiefen das Programm. Nach bewährter Manier der bisherigen Arbeitstreffen sind die Tagungssprachen Französisch und Deutsch, Zusammenfassungen der Präsentationen und Diskussionen werden jeweils übersetzt.

Der umfassende Tagungsband erscheint voraussichtlich 2018 in den Wolfenbütteler Renaissanceabhandlungen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Tobias Bulang
Germanistisches Seminar
Hauptstraße 207 - 209

Ansprechpartner:
Herr Martin Schneider
Tel.: +49 (0)6221 54 3223
Email: sekretariat.bulang@gs.uni-heidelberg.de

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Letzte Änderung: 09.02.2018
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