Bei Pflanzen geht Vermehrung ohne Sex
23. November 2007
Professor Marcus Koch klärte bei der Kinder-Universität Heidelberg die Frage, ob Eichen Eltern haben – Am Wochenende weitere Veranstaltungen
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"Haben Pflanzen Eltern?", fragte Professor Marcus Koch seine jungen Zuhörer bei der Heidelberger Kinderuniversität, die am kommenden Samstag und Sonntag ihre Fortsetzung findet. Die meisten der kleinen Nachwuchswissenschaftler waren davon überzeugt, dass dem so sein müsste. "Na, wir werden sehen", meinte da der Pflanzenwissenschaftler Koch.
Zunächst galt es einmal zu klären, wie alt Pflanzen überhaupt werden können. Der Professor projizierte das Bild einer Pflanze an die Wand. "Deren Name ist Ackerschmalwand", erläuterte er. Die Meinungen der Kinder über deren maximales Alter gingen stark auseinander. Drei Wochen meinte ein Mädchen, zwei Jahre ein Junge. "Sechs Wochen ist die Lebensdauer der Ackerschmalwand", löste Marcus Koch das Rätsel auf. Da gab doch einer der kleinen Naseweise zu bedenken, wie das denn wäre, wenn man mit dem Rasenmäher über die Pflanze ginge? Doch davon ließ sich der Pflanzenwissenschaftler Koch nicht irritieren. "Mord und Totschlag" im Pflanzenreich gehörten nicht zum Bestandteil seiner Vorlesung.
Als nächstes wurde das Alter einer Tulpe geschätzt. Die meisten Kinder waren der Ansicht, dass die nicht älter als ein Jahr würde. In Wirklichkeit bringt es die Tulpenzwiebel auf bis zu zehn Jahre und jedes Jahr entsteht aus ihr eine wunderschöne Blüte. Weiter ging es mit der Birke, die bis zu 150 Jahre überlebt, der Eiche, die bis zu 1800 Jahre alt werden kann und schließlich der in Kalifornien beheimateten, bis zu 5000 Jahre alten Grannenkiefer. Auch die wohl älteste Pflanze der Welt hatte Marcus Koch im Programm. Es ist die Stechpalme Lomatia tasmanica, von der man annimmt, dass sie vor 43<TH>600 Jahren entstand.
Die nächste Frage war, wie sich Pflanzen vermehren? Da waren einige der jungen Zuhörer schon richtige Spezialisten, denn die Sache mit den Blüten, dem Pollen und dem Stempel kannten sie schon. "Bei den Pflanzen geht es auch ohne Sex", zeigte Marcus Koch. Beispielsweise bei einer Erdbeerpflanze, die bildet einfach einen Ausläufer und daran entsteht eine neue Pflanze. "Ist das etwa ein Kind?", erkundigte sich der Prof bei den jungen Fachleuten. Denen kamen schon die ersten Zweifel. Und dann gibt es noch die so genannte vegetative Vermehrung mit Samen: die "Jungfernzeugung". Sie ist bei Zitrusfrüchten weit verbreitet. Da gibt es dann gar keinen richtigen Eltern.
Noch undurchschaubarer wird es, wenn man bei Bäumen die Verwandtschaftsbeziehungen ermittelt. An einem künstlichen Wald mit alten und jungen Eichen zeigt Marcus Koch, wer der Vater von wem ist. Doch ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn man schaut, wer die Mutter der jeweiligen Bäume sein könnte. Da kann dann ein 500 Jahre alter Baum der Großvater von einer 300 Jahre alten Eiche sein und gleichzeitig die Mutter von dieser. Ganz schön knifflig.
Ob bei dieser Komplexität die moderne Wissenschaft der Genforschung hilft? Marcus Koch extrahierte dazu die Erbinformation einer Banane. Mit der Erbinformation kann man feststellen, welche Pflanzen miteinander direkt verwandt sind. So lassen sich selbst Stammbäume für Pflanzen erstellen, denn bei jeder Fortpflanzung verändert sich die DNS an bestimmten Stellen. So können Wissenschaftler schließlich erfahren, woher eine Pflanze ursprünglich kommt und wie sie sich verbreitet hat.
Info: Am kommenden Wochenende gibt es die nächsten Vorlesungen und Workshops der Kinder-Universität. Unter anderem geht es dabei um "Wandernde Pflanzen", den Klimawandel, Moskitos und die Frage, ob Drähte ein Gedächtnis haben. Näheres im Internet unter www.kinderuni-heidelberg.de oder per Telefon 06221 543763.
Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221-542310
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
Irene Thewalt
Tel. 06221-542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
Zunächst galt es einmal zu klären, wie alt Pflanzen überhaupt werden können. Der Professor projizierte das Bild einer Pflanze an die Wand. "Deren Name ist Ackerschmalwand", erläuterte er. Die Meinungen der Kinder über deren maximales Alter gingen stark auseinander. Drei Wochen meinte ein Mädchen, zwei Jahre ein Junge. "Sechs Wochen ist die Lebensdauer der Ackerschmalwand", löste Marcus Koch das Rätsel auf. Da gab doch einer der kleinen Naseweise zu bedenken, wie das denn wäre, wenn man mit dem Rasenmäher über die Pflanze ginge? Doch davon ließ sich der Pflanzenwissenschaftler Koch nicht irritieren. "Mord und Totschlag" im Pflanzenreich gehörten nicht zum Bestandteil seiner Vorlesung.
Als nächstes wurde das Alter einer Tulpe geschätzt. Die meisten Kinder waren der Ansicht, dass die nicht älter als ein Jahr würde. In Wirklichkeit bringt es die Tulpenzwiebel auf bis zu zehn Jahre und jedes Jahr entsteht aus ihr eine wunderschöne Blüte. Weiter ging es mit der Birke, die bis zu 150 Jahre überlebt, der Eiche, die bis zu 1800 Jahre alt werden kann und schließlich der in Kalifornien beheimateten, bis zu 5000 Jahre alten Grannenkiefer. Auch die wohl älteste Pflanze der Welt hatte Marcus Koch im Programm. Es ist die Stechpalme Lomatia tasmanica, von der man annimmt, dass sie vor 43<TH>600 Jahren entstand.
Die nächste Frage war, wie sich Pflanzen vermehren? Da waren einige der jungen Zuhörer schon richtige Spezialisten, denn die Sache mit den Blüten, dem Pollen und dem Stempel kannten sie schon. "Bei den Pflanzen geht es auch ohne Sex", zeigte Marcus Koch. Beispielsweise bei einer Erdbeerpflanze, die bildet einfach einen Ausläufer und daran entsteht eine neue Pflanze. "Ist das etwa ein Kind?", erkundigte sich der Prof bei den jungen Fachleuten. Denen kamen schon die ersten Zweifel. Und dann gibt es noch die so genannte vegetative Vermehrung mit Samen: die "Jungfernzeugung". Sie ist bei Zitrusfrüchten weit verbreitet. Da gibt es dann gar keinen richtigen Eltern.
Noch undurchschaubarer wird es, wenn man bei Bäumen die Verwandtschaftsbeziehungen ermittelt. An einem künstlichen Wald mit alten und jungen Eichen zeigt Marcus Koch, wer der Vater von wem ist. Doch ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn man schaut, wer die Mutter der jeweiligen Bäume sein könnte. Da kann dann ein 500 Jahre alter Baum der Großvater von einer 300 Jahre alten Eiche sein und gleichzeitig die Mutter von dieser. Ganz schön knifflig.
Ob bei dieser Komplexität die moderne Wissenschaft der Genforschung hilft? Marcus Koch extrahierte dazu die Erbinformation einer Banane. Mit der Erbinformation kann man feststellen, welche Pflanzen miteinander direkt verwandt sind. So lassen sich selbst Stammbäume für Pflanzen erstellen, denn bei jeder Fortpflanzung verändert sich die DNS an bestimmten Stellen. So können Wissenschaftler schließlich erfahren, woher eine Pflanze ursprünglich kommt und wie sie sich verbreitet hat.
Stefan Zeeh
© Rhein-Neckar-Zeitung
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Info: Am kommenden Wochenende gibt es die nächsten Vorlesungen und Workshops der Kinder-Universität. Unter anderem geht es dabei um "Wandernde Pflanzen", den Klimawandel, Moskitos und die Frage, ob Drähte ein Gedächtnis haben. Näheres im Internet unter www.kinderuni-heidelberg.de oder per Telefon 06221 543763.
Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221-542310
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
Irene Thewalt
Tel. 06221-542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
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