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Pegasus kündigt schon den Herbst an

30. August 2007

Sonne, Mond und Sterne im September – Der Wassermann ist das Sternbild des Monats


Der Wassermann – aus dem Buch „Geschichten, die der Himmel erzählt“, von C. Scorza de Appl und Andrea Liebers (Astaria-Verlag)  
Der Wassermann – aus dem Buch „Geschichten, die der Himmel erzählt“, von C. Scorza de Appl und Andrea Liebers (Astaria-Verlag)
Repro: RNZ
Der September ist einer der besten Monate, um den Sternhimmel zu beobachten: Die Sonnenuntergänge finden merklich früher statt als im Hochsommer und die Nächte sind relativ warm, so dass man ohne große Ausstattung hinausgehen kann. Ein Blick nach oben zeigt, dass der Himmel im Süden noch vom Sommerdreieck mit Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler dominiert ist, auch wenn dieses Dreieck etwas nach Westen gerückt ist. Der Schwan mit dem schönen Sternenhintergrund der Milchstraße steht nun fast genau im Zenit. Östlich davon sehen wir noch das kleine, aber trotzdem markante Sternbild Delfin und südlich davon das Sternbild Wassermann. Tief im Süden ist der Steinbock zu sehen. Charakteristisch für den Herbsthimmel ist das Auftauchen des Sternbild Pegasus, mit den vier hellen Sternen des Herbstquadrats und die Sternbilder der Andromeda-Sage: Andromeda, Cassiopeia, Cepheus, Perseus und Cetus, die wir in der Oktober-Ausgabe ausführlich besprechen werden.

Sternbild des Monates

Zeus, der Vater aller Götter, liebte alles was schön war. Deshalb war ihm auch die Schönheit Ganymeds, des Sohnes von König Tros, nicht entgangen. Zeus bedauerte es sehr, ihn nicht ständig um sich zu haben. Deswegen verwandelte er sich in einen Adler mit mächtigen Schwingen und flog hinunter zur Erde. Vorsichtig packte er den schönen Ganymed, der gerade durch den Garten seines Vaters spazierte, und trug ihn hinauf in den Olymp, den Wohnsitz der Götter hoch über den Wolken. Dort erwies Zeus Ganymed die große Ehre, den Göttern an ihrer Tafel das köstliche Getränk Nektar ausschenken zu dürfen. König Tros allerdings, der seinen Sohn schon überall vergeblich gesucht hatte, war untröstlich. Vor Kummer wurde er krank und wollte sterben. Das wollte Zeus nun aber dem armen König nicht antun. Er schickte den Götterboten Hermes hinunter zum König, der ihm berichtete, dass sein Sohn Ganymed von Zeus und allen Göttern geliebt werde und große Freude daran habe, ihr Mundschenk zu sein. Vor Begeisterung über Ganymeds Schönheit versetzte Zeus ihn als Sternbild Wassermann an den Himmel, um für alle Ewigkeit kundzutun, dass er der Liebling der Götter sei.

Mond und Planeten

Die Sonne überschreitet am 23. gegen Mittag den Himmelsäquator und läutet damit den astronomischen Herbst ein. Der Mond durchläuft am 11. des Monats die Neumondphase, Vollmond findet am 26. statt. Venus ist Morgen"stern". Mars kann ab Mitternacht im Nordosten gesehen werden. Jupiter ist dann bereits untergegangen, er steht im Westen. Saturn kann in den frühen Morgenstunden am Osthimmel erspäht werden. Während Uranus und Neptun prinzipiell sichtbar sind, ist Merkur diesen Monat nicht zu sehen.

Bethe, Weizsäcker und die Energiequelle der Sterne

Es gibt viele Astrophysiker, die sich um die Physik der Sterne verdient gemacht haben. Einige unter ihnen waren in den 1930er Jahren, von denen hier die Rede sein soll, bereits gestandeneWissenschaftler (z.B. Sir Arthur Eddington, geboren 1882), andere fingen gerade erst mit ihrer wissenschaftliche Karriere an. Hans Bethe (1906 geboren) war vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten Privatdozent u.a. in München gewesen. Mit Zwischenhalt in England (1933-1935) emigrierte er in die USA, wo er Professor an der Cornell-Universität im Staat New York wurde. Etwa zur selben Zeit habilitierte sich Carl Friedrich Weizsäcker (1912 geboren). Zusammen gelang es Bethe und Weizsäcker, das Rätsel der Sternenergie zu lösen, das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Wissenschaftler spaltete: Konnte die Erde wirklich Hunderte von Millionen von Jahren alt sein (wie die Geologen und "Darwinisten" behaupteten), wenn die Energie, die die Sonne aus der Kontraktion gewinnen konnte, nur 20 Millionen Jahre Energie lieferte (wie der Physiker Lord Kelvin behauptete)? Nun, diesmal hatten die (Astro-)Physiker Unrecht, denn vor 1930 wusste man nicht, dass es die Kernfusion ist, aus der Sterne ihre Energie für Jahrmilliarden beziehen. Einen Fusionszyklus, der vornehmlich in massereichen Sternen am Werk ist, nennen wir noch heute den Bethe-Weizsäcker-Zyklus. Bethe starb 2005, Weizsäcker im April dieses Jahres, eine Ära geht damit zu Ende. Dass wir heuer mit Fug und Recht behaupten können, die Energieerzeugung in Sternen wie der Sonne zu verstehen, erkennt man an einer anderen wissenschaftlichen Auseinandersetzung, diesmal unter Physikern ausgetragen. Hierbei ging es, etwa seit den 1960er Jahren, um das sog. Solare Neutrinoproblem. Die Sonne schien bei der Fusion zuwenig Neutrinos (nahezu masselose Neutralteilchen) zu erzeugen, wie die Teilchenphysiker experimentell herausfanden. Die Astrophysiker stellten ihre Modelle auf den Kopf (ohne Ergebnis), sich selbst auf die Hinterbeine und, siehe da, 40 Jahre später wissen wir, dass das Sonnenmodell stimmig ist. Stattdessen ist die Natur der drei bekannten Neutrinoarten in Teilen unverstanden, diese können sich auf demWeg von der Sonne zur Erde ineinander verwandeln und so der Detektion entrinnen. Was wäre die Teilchenphysik ohne Astrophysiker!

Dr. Cecilia Scorza de Appl
und Dr. Andreas Korn
Sternwarte Heidelberg
© Rhein-Neckar-Zeitung

Info: Besichtigung der Sternwarte am Tag der Offene Denkmals: Die Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl ist am Sonntag, den 9. September, von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet. Auf dem Programm stehen die Besichtigung des Institutes, Sonnenbeobachtungen und Filme zu Themen der Astronomie. Die Astronomieschule an der Landessternwarte bietet – mit freundlicher Unterstützung von SAP – Astronomieworkshops für Schulklassen sowie Lehrerberatung für Schulprojekte an. Anfragen und Anmeldung erfolgen unter cscorza@lsw.uni-heidelberg.de.

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