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Streit der Kulturen im Studium Generale der Universität Heidelberg – ein Rückblick

9. Februar 2007

Interkulturelle Konflikte als Thema des Studiums Generale – Referenten aus den Sozial- und Geisteswissenschaften setzten sich mit der virulenten Problematik auseinander


Neun Referenten, neun verschiedene Beiträge zum Thema Streit der Kulturen. Das war das Programm des Studiums Generale im vergangenen Wintersemester. Die Bandbreite reichte von der Frage "Wozu Fundamentalismus" über dessen verschiedene Ausprägungen bis hin zu friedensbauenden Maßnahmen bei ethnisch-kulturellen Konflikten.

In ihrem Eröffnungsvortrag fragte Prof. Uta Gerhardt, Institut für Soziologie der Universität Heidelberg, nicht warum es Fundamentalismus gibt, sondern wozu Fundamentalismus überhaupt dient. Mit den Begriffen Max Webers konnte sie die Thematik in einer neuen Perspektive beleuchten: Es gebe einen Fundamentalismus, der dann gefährlich werde, wenn die Menschenrechte gering geachtet werden und die eigene Weltanschauung anderen aufgezwungen werde. Dem gegenüber stellte sie einen Fundamentalismus, der der Selbstvergewisserung der jeweiligen Gruppe diene und dem ein Freiraum eingeräumt werden müsse, solang die Rechtsstaatlichkeit gewahrt bleibe.

Den Fundamentalismus in verschiedenen Kulturkreisen untersuchten Prof. Detlef Junker, Gründer des Heidelberg Center for American Studies, am Beispiel der USA und Prof. Shalini Randeria vom Ethnologischen Seminar der Universität Zürich für das hinduistisch geprägte Indien. In seinem Beitrag beschäftigte er sich mit dem dortigen Verhältnis von Religion, Staat und Geschichte. Dem Fundamentalismus im Islam widmete sich Prof. Susanne Enderwitz vom Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg.

Den ökonomischen Konflikt, der sich zwischen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China und Europa entwickeln wird, behandelte Dr. Manfred Osten aus Bonn. Denn China besitze mittlerweile neben dem nötigen Kapital und einer schier unerschöpflichen Arbeitskraft auch das nötige Know-How, um wirtschaftlich in der ersten Liga mitzuspielen und sogar bald die Regeln bestimmen zu können, so Osten. Hierfür sei die Rückbesinnung der Chinesen auf ihre jahrtausende alte Hochkultur eine wichtige Voraussetzung. Während in China die durch den Konfuzianismus verbreitete Lehre, dass Lernen und Bildung das höchste Gut sei, eine Renaissance erlebe, wisse Europa dem wenig entgegenzusetzen. Deshalb plädierte Osten für ebenfalls größere Bildungsanstrengungen, um die eigenen Stärken Europas nutzen zu können.

Unter religiösen Aspekten untersuchte Prof. Christoph Schwöbel, Institut für Hermeneutik und Dialog der Kulturen der Universität Tübingen, die Thematik. Er ging der Frage nach, ob der Kampf der Zivilisationen ein Religionskrieg sei. Welche Rolle kulturelle Identitäten im Zeitalter der Globalisierung spielen, versuchte Prof. Bernd Thum vom Institut für Soziologie der Universität Karlsruhe zu ermitteln.

Einen versöhnlich stimmenden Ausblick konnte Prof. Volker Lenhart, Institut für Bildungswissenschaft der Universität Heidelberg, geben. Anhand von Beispielen aus Regionen mit ethnisch-kulturellen Konflikten, wie etwa dem Sudan, Israel und Palästina oder Bosnien-Herzegowina, zeigte er Möglichkeiten für ein gemeinsames Zusammenleben auf. Dort finden friedensbauenden Maßnahmen statt, die durch ein Forschungsprojekt des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Heidelberg betreut werden.

Essayistisch war der Abschlussvortrag des Spiegel-Autors Henryk M. Broder gehalten, der unter dem Titel "Die letzten Tage Europas" die weltpolitische Lage betrachtete. Er zog dabei eine persönlich kritische Bilanz der Entwicklungen der letzten Jahre zwischen fundamentalistischem Islam und der Haltung Europas.

Die neun Referenten konnten die unterschiedlichen Aspekte und Facetten von interkulturellen Konflikten aufzeigen, die sich keinesfalls nur auf die religiöse Dimension beschränken lassen. Den wichtigen Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zum Verständnis und zu Lösungsansätzen belegten die Vorträge im Rahmen des Studium Generale.

Katinka Krug



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