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Der Studentenprinz, der sein Herz in Heidelberg verlor

Prinz Rangsit von Siam studierte an der Ruperto Carola und heiratete eine Kurpfälzerin

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Foto: gemeinfrei

Prinz Rangsit von Siam (1946)

Als Nummer 52 von insgesamt 77 Kindern geht man leicht in der Masse unter – auch wenn es sich beim Vater um einen leibhaftigen König handelt. Prinz Rangsit Prayurasakdi, Fürst von Chainat und 52. Kind des thailändischen Königs Chulalongkorn, hat allerdings bleibende Spuren hinterlassen: Er war nicht nur Prinzregent des heutigen Königs Bhumibol, sondern reformierte auch die medizinische Ausbildung in Thailand. Die Grundlage dafür legte Rangsit von 1905 bis 1912 mit einem Studium an der Universität Heidelberg.

Prinz Rangsit wurde 1885 als Sohn von König Rama V. Chulalongkorn geboren, der wegen seiner umfangreichen Reformen, die Siam den Weg zum modernen Thailand ebneten, noch heute als einer der wichtigsten und beliebtesten Könige des Landes verehrt wird. Rangsits Mutter war die Bürgerliche Manda Nueng, die 22. Nebenfrau des Königs. Nach ihrem frühen Tod wurde ihr Sohn von Königin Savang Vadhana adoptiert, so dass er gemeinsam mit seinem Halbbruder Prinz Mahidol Adulyadej aufwuchs, dem Vater des heutigen Königs Bhumibol.

Chulalongkorn reiste 1897 für neun Monate nach Europa und schickte anschließend als erster König Siams einige seiner Söhne zur Erziehung dorthin. Dazu gehörte auch Rangsit, der 1899 als 14-Jähriger nach Deutschland kam. Er besuchte das Gymnasium Martineum in Halberstadt, an dem er 1905 das Abitur ablegte, und war auch mindesten ein Jahr Schüler des Heidelberg Colleges. Zum Wintersemester 1905/1906 immatrikulierte er sich an der Ruperto Carola, an der er bis 1912 eingeschrieben war.

Anmeldung

Bild: Universitätsarchiv Heidelberg

Anmeldung zum Wintersemester 1905/1906

Angeblich interessierte sich Prinz Rangsit für ein Medizinstudium, sein Vater soll aber auf einer juristischen Ausbildung bestanden haben. Am 28. Oktober 1905 schrieb sich der Prinz aus Siam in Heidelberg als einer von damals insgesamt 1.783 Immatrikulierten für ein Studium „iur et cam“ ein, was den Rechts- und Kameralwissenschaften entsprach und die Grundlage für eine Laufbahn in Verwaltung und Justiz bildete. Ab dem Sommersemester 1908 wurde er im Verzeichnis der Studierenden als „Stud. phil.“ geführt, so dass er auf ein geisteswissenschaftliches Studium gewechselt haben muss.

 

Besuch das Königs an der Universität

Wie das Adressverzeichnis der Ruperto Carola zeigt, wohnte der thailändische Prinz bis zum Sommersemester 1910 in der Gaisbergstraße 21 bei einem Hauswirt namens Mayer. Zum Wintersemester 1910 zog er in die Untere Neckarstraße 34, wo der Name seines Hauswirts Kraus lautete. König Chulalongkorn reiste 1907 erneut nach Europa und stattete vom 4. bis 6. Juni auch seinem Sohn in Heidelberg sowie der Ruperto Carola einen Besuch ab: “Gegen zwölf Uhr besuchte ich die Universität“, schrieb der König dazu. „Der Prorektor empfing mich [...]. Dann schaute ich mir die Hörsäle an, deren Bänke beschmiert waren. Anschließend besuchte ich den Raum, in den Studenten zur Strafe eingesperrt wurden.“ Zu Ehren des königlichen Besuchs veranstaltete die Stadt eine Schlossbeleuchtung mit Feuerwerk und die Heidelberger wurden gebeten, ihre Häuser zu beflaggen.

Anmeldung

Bild: Universitätsarchiv Heidelberg

Studien- und Sittenzeugnis von 1912

Der Prinz scheint sich in Heidelberg sehr wohl gefühlt zu haben, wie seine lange Aufenthaltsdauer zeigt. Als begeisterter Fotograf beteiligte er sich 1912 an der „Allgemeinen Deutschen Photographischen Ausstellung“, die der Heidelberger Fotograf Ernst Gottmann organisierte. Im selben Jahr heiratete er in London die aus Ladenburg stammende Elisabeth Scharnberger, Tochter einer Pensionswirtin in der Rohrbacher Straße. Mit Elisabeth, die den Namen Mom Elisabeth Rangsit Na Ayudhya erhielt, hatte er zwei Söhne und eine Tochter.

1913 kehrte Prinz Rangsit mit seiner Frau nach Thailand zurück, das damals noch Siam hieß. Sein anschließender Werdegang lässt sich anhand der zugänglichen Quellen nicht vollständig nachvollziehen. Gesichert ist, dass sich Rangsit zusammen mit seinem Halbbruder Prinz Mahidol Adulyadej sehr um die medizinische Versorgung in seinem Land verdient machte. 1916 wurde unter seiner Leitung die medizinische Ausbildung reformiert, so dass nun mehr klinische Praxis erforderlich war und dafür die traditionelle thailändische Medizin in den Hintergrund trat. Rangsit war zudem Direktor der Royal Medical School und Gründungsvater des Gesundheitsministeriums. Außerdem soll er 1931 unter König Rama VII. Prajadhipok Vorsitzender des Planungskomitees der Chulalongkorn-Universität geworden sein, der ersten Universität Thailands, die er offenbar nach seinen an der Universität Heidelberg gemachten Erfahrungen weiterentwickelte.

 

Prinzregent des heutigen Königs Bhumibol

Berichten zufolge war es Rangsit, der seinen Halbbruder Prinz Mahidol Adulyadej von der Notwendigkeit einer besseren medizinischen Versorgung in Thailand überzeugte, woraufhin dieser Medizin an der Havard University studierte. Mahidol Adulyadej, der als Vater der modernen thailändischen Medizin gilt, starb bereits 1929 im Alter von 37 Jahren. Als sechs Jahre später der kinderlose König Rama VII. Prajadhipok abdankte, wurde der neunjährige Ananda Mahidol König. Der Sohn von Mahidol Adulyadej wurde in Heidelberg geboren, als sich sein Vater 1925 zur Behandlung seines Nierenleidens dort aufhielt. Ananda Mahidol wiederum starb am 9. Juni 1946 mit 20 Jahren in seinen Gemächern durch einen Schuss – bis heute ist ungeklärt, ob er durch Mord, Selbstmord oder einen Unfall ums Leben kam. Durch den tragischen Tod wurde sein Bruder Prinz Bhumibol Adulyadej neuer König von Thailand – er ist heute das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Da der damals 18-Jährige zunächst sein Studium in der Schweiz beenden wollte, übernahm Rangsit als Prinzregent die Amtsgeschäfte. Er organisierte zudem die feierliche Krönungszeremonie, mit der Bhumibol am 5. Mai 1950 zum König gekrönt wurde. Knapp ein Jahr später, am 7. März 1951, starb der Prinz, der sein Herz in Heidelberg verloren hatte, an einem Herzinfarkt.

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Letzte Änderung: 15.03.2017
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