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Eine "Wegbahnerin" für berufstätige Mütter

Die stellvertretende GdF-Vorsitzende Gabriele Meister machte mit drei Kindern Karriere als Juristin

Gabriele Meister
Gabriele Meister

Wenn Gabriele Meister über die Ruperto Carola spricht, gerät sie schnell ins Schwärmen: „Was an der Universität passiert, gerade jetzt mit der Exzellenzinitiative, ist einfach hochspannend – man kann in so viele Bereiche hineinhören und sich anschließend mit anderen darüber austauschen, was ich viel interessanter finde, als einfach nur Zeitung zu lesen“, erklärt die ehemalige Präsidentin des Amtsgerichts Mannheim, die seit Juli 2015 dem Vorstand der Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg (GdF) angehört. Die pensionierte Juristin weist eine beeindruckende berufliche Laufbahn auf: Die Mutter von drei Kindern, die sich als „Wegbahnerin“ für berufstätige Mütter sieht, hat mehrere Gerichte geleitet, zuletzt das Amtsgericht Mannheim, an dem sie auch eine Kita einrichtete. Und im „Unruhestand“ ist die 66-Jährige seit Oktober 2015 als Ombudsfrau für den Verband der privaten Bausparkassen tätig.

„Zeit für ein Hobby hatte ich als berufstätige Mutter eigentlich nie – und auch jetzt im Ruhestand komme ich nicht zum Golfspielen oder ähnlichem“, erzählt sie. Den Kontakt zu ihrer Alma Mater nahm Gabriele Meister Ende der 90er Jahre wieder auf, und seither nimmt sie aktiv als Alumna Anteil am Geschehen an der Universität Heidelberg. Bereits zweimal hat sie ein „HAIlight von Alumni für Alumni“ organisiert: Sie stellte anderen Ehemaligen das Mannheimer Amtsgericht vor und organisierte gemeinsam mit ihrem Mann einen Besuch des Museums Heylshof in Worms.

Ein turbulentes Leben ist Gabriele Meister gewohnt: Als Tochter eines Bundeswehroffiziers musste sie oft umziehen, so dass sie neun verschiedene Schulen in Deutschland und im Ausland besuchte – unter anderem in den USA, Rom, Paris und München. In Folge der Kurzschuljahre und der kürzeren Schuldauer im Ausland machte sie bereits mit 17 Jahren Abitur. Da ihre letzte Station vor dem Studium Tauberbischofsheim war, entschied sie sich für die nahe gelegene Universität Heidelberg. Beim gewünschten Studienfach machte ihr allerdings ihr Vater einen Strich durch die Rechnung: „Eigentlich wollte ich am damaligen Dolmetscher-Institut studieren, da ich wegen meiner Auslandsaufenthalte bereits mit 14 Jahren fließend Englisch und recht gut Französisch und Italienisch sprach. Aber ich war ja erst 17, und mein Vater bestimmte, dass ich ‚etwas Vernünftiges‘ studieren sollte, und so bin ich zu Jura gekommen“, erinnert sie sich.

Gabriele Meister

Foto: Universitätsarchiv

Foto aus Gabriele Meisters Studentenakte

Zunächst habe sie die „Horrorvorstellung“ gehabt, dass sie dann möglicherweise Amtsgerichtsrätin werden würde, „das klang so verstaubt und schrecklich“, aber dennoch nahm sie 1966 ihr Studium an der juristischen Fakultät auf. 1971 trat sie ihr Referendariat an, das sie 1972 kurz für eine Tätigkeit als Hostess bei den Olympischen Spielen in München unterbrach. „Ich war bei der Presse eingeteilt und hatte so, wenn ich keinen Dienst hatte, Zugang zu den Presseplätzen in den Stadien und Hallen“ erinnert sie sich. „So konnte ich etwa die Schwimm- und Turnwettkämpfe aus nächster Nähe verfolgen und habe den weltberühmten Schwimmer Mark Spitz, der viele Goldmedaillen gewonnen hat, mehrfach gesehen – das war super!“ Aber natürlich erlebte Gabriele Meister auch das Attentat auf die israelischen Sportler hautnah mit – „das Entsetzen über den Überfall, die Hektik der Journalisten, das Warten und Hoffen den ganzen Tag lang und in der Nacht, die Trauer über den katastrophalen Ausgang am Flughafen und zuletzt dann die große Trauerfeier im Olympiastadium. Das waren damals sehr intensive Wochen.“

 

„Hätte ich nicht durchgängig gearbeitet, hätte ich nicht die Karriere machen können, die ich gemacht habe“

Durch das Referendariat fand Gabriele Meister Gefallen am Beruf der Juristin, „und da dachte ich mir, ich fange mal an und schaue, wie das Leben so spielt, und ich habe es nicht bereut!“ Die häufigen Ortswechsel in Kindheit und Jugend stellten sich als Vorteil heraus: Da durch ihre Auslandserfahrung Ganztagsschulen und berufstätige Mütter ein normales Modell für sie waren, war die Mutter einer Tochter und zweier Söhne durchgehend berufstätig. „Hätte ich nicht durchgängig gearbeitet, hätte ich nicht die Karriere machen können, die ich gemacht habe“, sagt sie. 1995 wurde sie zur Richterin am Oberlandesgericht Karlsruhe ernannt, 1998 zur Direktorin des Amtsgerichts Wiesloch und dadurch zugleich zur Leiterin der Jugendarrestanstalt in Wiesloch. „Das war ganz witzig, denn meine Kinder waren damals im Teenageralter, und so habe ich einen guten Kontakt zu den Insassen bekommen, weil ich ja viel mit jungen Leuten zusammen war.“ Im Jahr 2000 übernahm Gabriele Meister die Leitung des Amtsgerichts Heidelberg. 2009 kehrte sie als Vorsitzende Richterin an das Oberlandesgericht Karlsruhe zurück, bevor sie 2011 schließlich Präsidentin des Amtsgerichts Mannheim wurde.

„Eine solche Karriere war in meiner Generation für eine Frau mit drei Kindern zumindest in der Justiz nicht üblich – ich kenne jedenfalls keine andere“, erklärt die Juristin. Einfach sei es nicht gewesen, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen: „Ich habe 16 Jahre lang halbtags gearbeitet, aber es gab damals so gut wie keine Kinderbetreuungsmöglichkeiten, so dass ich verschiedene Kinderfrauen zu Hause installiert habe“, erinnert sie sich. „Finanziell war das ein Nullsummenspiel, denn mein ganzes Geld, das ich verdient habe, ging in die Kinderbetreuung. ¬Aber ich wollte einfach arbeiten und trotzdem nicht auf Kinder und Familie verzichten, und das geht – man muss aber gut organisiert sein! Bei uns war es zwar nicht immer aufgeräumt, aber mir war es wichtiger, dass wir abends immer alle zusammen gegessen und uns ausgetauscht haben.“

Sie habe sich durchaus als Vorreiterin für Frauen gesehen und den Nachkommenden den Weg bahnen wollen, sagt Gabriele Meister. Von ihren Erfahrungen hat die nachfolgende Generation auch insofern profitiert, als die Juristin als Präsidentin des Mannheimer Amtsgerichts eine hauseigene Kita einrichten ließ, in der seit 2013 Landesbedienstete ihre Kinder betreuen lassen können. Dass Gabriele Meister für sich den richtigen Weg gewählt hat, zeigen ihr auch ihre Kinder: „Sie haben nie gesagt, dass sie unter der Situation gelitten hätten – im Gegenteil: Meine Tochter, die inzwischen selbst zwei Kinder hat, hat das Modell übernommen und ist berufstätige Mutter!“

 

 

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Letzte Änderung: 25.11.2015
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